Selbstloser Kampf für die Freiheit

Murnau - Der Name steht für den Widerstand gegen den Nationalsozialismus: Stauffenberg. Der Sohn des Hitler-Attentäters stand jetzt Schülern des Murnauer Gymnasiums Rede und Antwort.

Es kommt selten vor, dass der 70-jährige Franz Ludwig Graf von Stauffenberg öffentlich über seinen Vater und den Widerstand im Dritten Reich spricht. Dank privater Kontakte war es dem Staffelsee-Gymnasium gelungen, den Juristen, der viele Jahre für die CSU als Abgeordneter im Bundestag und Europa-Parlament saß und heute seinen Ruhestand im Landkreis Haßberg verbringt, für einen Besuch zu gewinnen. Anlass war der Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. So still hat Direktor Gerhard Haberl seine Schüler wohl noch nie erlebt. Eineinhalb Stunden lang lauschten sie in der Aula gespannt dem Vortrag des prominenten Gastes und nutzten die Gelegenheit, ihm Fragen zu stellen.

Wer eine Auseinandersetzung mit dem aktuellen Kino-Film „Operation Walküre – Das Stauffenberg-Attentat“, in dem Tom Cruise die Hauptrolle spielt, erwartete, wurde enttäuscht. Franz Ludwig Graf von Stauffenberg ging darauf so gut wie nicht ein. Er habe den Streifen zwar gesehen, wolle sich dazu aber nicht äußern, erklärte er im Tagblatt-Gespräch. „Ich bin kein Filmkritiker“, sagte er. Nur soviel: Er finde es „prima“, dass aus den USA ein Film über den deutschen Widerstand gegen den Nationalsozialismus komme. Inhaltlich halte sich der Streifen weitgehend an die historischen Fakten. In der Rolle seines Vaters habe ihm jedoch der Schauspieler Sebastian Koch in der deutsch-österreichischen Fernsehproduktion „Stauffenberg“ (2004) besser gefallen als Tom Cruise.

Viele Erinnerungen an seinen Vater hat Franz Ludwig Graf von Stauffenberg nicht. Er war erst sechs Jahre alt, als der hochrangige Offizier nach dem gescheiterten Attentat am 20. Juli 1944 auf Adolf Hitler standrechtlich erschossen wurde. Sein Vater sei kein „bierernster Superman“ gewesen, sondern ein „charismatischer Mensch, der gerne lachte“. Es habe zwar in den 30er und 40er Jahren verschiedene Widerstandsbewegungen wie etwa die der Geschwister Scholl („Weiße Rose“) gegeben. Aber es habe sich nur um „kleine Minderheiten“ gehandelt. „Das war eine Auflehnung kleiner Eliten“, stellte Stauffenberg fest. Eine realistische Chance, den braunen Terror zu beenden, habe nur das Militär gehabt, betonte er. Denn jeder, der im Widerstand aktiv war, habe damit rechnen müssen, bespitzelt und verraten zu werden. „Es gab viel zu wenig, die stark waren, sich zu wehren.“

Und was kann die heutige Gesellschaft – fast 65 Jahre nach dem Attentat – aus der Geschichte lernen? Sehr viel, meint Stauffenberg. Das Vermächtnis seines Vaters sei eine Mahnung, nicht wegzuschauen, sondern stets für Recht, Freiheit und Menschenwürde einzutreten. Die Demokratie brauche Menschen, die sie achteten und hüteten, sagte Stauffenberg, der für seinen bewegenden Vortrag tosenden Applaus erhielt.

Auch interessant

Kommentare