Sensations-Coup: "Murnauer Schatz" fürs Schloßmuseum

Murnau - Die neue "Privatstiftung Schloßmuseum Murnau" hat sich mit einer Sensation vorgestellt: Eine Leihgabe zeigt auf der Rückseite das wohl einzige erhaltene Porträt Ödön von Horváths.

Der spektakuläre Coup wurde bis zum Donnerstag streng geheim gehalten: Die "Blaue Reiter"-Künstlerin Gabriele Münter malte 1931 den Dramatiker Horváth, der wie sie in Murnau lebte ­- und nun kehrt dieses kunsthistorische Zeugnis zurück an den Ort seiner Entstehung. "Es ist für Murnau das ideale Bild", erklärte Prof. Dr. Hans-Peter Keitel, Vorsitzender der neuen Privatstiftung PSM, der Vertreter aus Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur sowie Privatleute angehören, bei der Vorstellung.

Die Münter-Sensation ermöglichte die Ernst-von-Siemens-Kunststiftung, die gemeinsam mit der PSM das Münter-Landschaftsgemälde "Murnau ­ Bäume am Hagenweg" mit dem "Bildnis eines Mannes" auf der Rückseite erwarb. Die Siemens-Einrichtung sei spontan eingesprungen, da die neue PSM noch nicht handlungsfähig gewesen sei, erklärte Keitel.

Für rund 170 000 Euro sollen die beiden Stiftungen bei der Versteigerung des 33 auf 45 Zentimeter großen Gemäldes (Öl auf Karton) den Zuschlag erhalten haben. Zu diesem Zeitpunkt hatte Museums-Chefin Brigitte Salmen, eine Expertin ersten Ranges, bereits die Bedeutung des beidseitig bemalten Werkes erkannt und das "Bildnis eines Mannes" als Darstellung Horváths identifiziert. Bei der Auktion sei man unter "absoluter Geheimhaltung" vorgegangen, sagte Keitel, der nun mit einer "deutlichen Wertsteigerung" rechnet. Man habe versucht, jede Aufregung im Bietersaal zu vermeiden, "damit keiner bemerkt, was auf dem Gemälde hinten drauf ist."

Das Werk, das in der nächsten Sonderausstellung präsentiert wird, gehöre "zu unseren Aushängeschildern", sagt Salmen. Es tauchte plötzlich im Handel auf ­ "ein absoluter Glücksfall". Das Bild sei Ergebnis der Freundschaft, die sich zwischen Münter und Horváth entwickelt habe. Auch Bürgermeister Dr. Michael Rapp (CSU) bekannte: "Wir freuen uns unglaublich."

Die PSM hat beim Stiftungskapital bereits "eine nette sechsstellige Summe erreicht", sagte Keitel. Um dieses aufzustocken, suche man weitere Gönner. Künftig wolle man das Museum ausschließlich aus Zinsen und Erträgen "laufend unterstützen".

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