Baustelle Gudiberg: Während das Fundament der Bergstation bereits Gestalt annimmt, ist am Hang selbst noch wenig vom künftigen Sessellift zu sehen. Foto: Rosenzweig
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Baustelle Gudiberg: Während das Fundament der Bergstation bereits Gestalt annimmt, ist am Hang selbst noch wenig vom künftigen Sessellift zu sehen. Foto: Rosenzweig

Ski-WM 2011: Gudiberg "voll im Zeitplan"

Garmisch-Partenkirchen - Der Doppelsessellift an Garmisch-Partenkirchens Slolomhang soll - allen Unkenrufen zum Trotz - Ende November fertig sein. Die Betonierung der Stützen-Fundamente läuft in den kommenden Wochen.

Umgegrabene, aufgeschüttete Erde an beiden Seiten der Piste, der Rohbau des Betriebsgebäudes im Tal, Beton-Arbeiten am Fundament der künftigen Bergstation - noch sind die Spuren, die auf den neuen Doppelsessellift am Gudiberg hinweisen, relativ gering. Hinter vorgehaltener Hand heißt es gar, dass die Anlage in diesem Jahr wohl nicht mehr fertig wird, weil insbesondere der Untergrund die Bauarbeiten erheblich aufhalte. Auch der Hangrutsch, der durch den Starkregen Anfang Juni verursacht worden war, verzögere das Millionen-Euro-Projekt - angeblich. „Das hat damit überhaupt nichts zu tun, das sind zwei völlig eigenständige Vorhaben“, erklärt Rathaus-Sprecher Florian Nöbauer. Derartige Schwarzmalerei ruft bei ihm nur ein müdes Lächeln hervor: „Wir wollen Ende November fertig sein.“ Daran, dass dieser Terminplan eingehalten wird, zweifelt er nicht.

Genau wie der Vertreter des Bauherren geht Peter Fischer, Geschäftsführer des Organisations-Komitees für die Alpinen Skiweltmeisterschaften 2011, davon aus, dass der Neubau im angestrebten Rahmen realisiert wird. „Wir wissen nichts von irgendwelchen Bauverzögerungen.“ Nicht nur für die WM ist diese Anlage maßgebend, sondern auch für den Olympia-Stützpunkt, in dem Nachwuchstalente und immer wieder Nationalmannschaften trainieren. Für diese Zwecke und auch für die Weltcup-Rennen „war der alte Tellerlift einfach nicht mehr tragbar und wäre auch nicht mehr abgenommen worden“, betont Fischer. Allein die Kapazität der über 30 Jahre alten Anlage reiche schon lange nicht mehr aus. Bereits 2008 war übrigens vorgesehen, diese zu ersetzen. Angesichts knapper Kassen war dieses Vorhaben auf heuer verschoben worden.

Mit einer Förderleistung von bis zu 500 Wintersportlern pro Stunde entspricht der Sessellift, der wie das antiquierte Modell auf der rechten Seite der Piste über 571 Meter nach oben schwebt, aktuellen Anforderungen. Von den Baukosten, die sich Nöbauer zufolge auf 1,6 Millionen Euro belaufen, werden 60 Prozent, was 960 000 Euro entspricht, von der Regierung von Oberbayern bezuschusst.

Nicht förderfähig sind allerdings die 50 000 Euro, die nun zusätzlich für ein Notstrom-Aggregat anfallen, um den Sessellift auch im Sommer touristisch zu nutzen. Vorstellen können sich die Verantwortlichen beispielsweise die Beförderung von Mountainbikes, um auf denen dann ins Tal zu rasen.

Ehe es dazu kommt, muss allerdings der Lift erst einmal fertig gestellt werden. Seit April laufen Nöbauer zufolge die Arbeiten. Vom Betriebsgebäude, das ursprünglich 1,8 Millionen Euro kosten sollte, jetzt aber bis zu 450 000 Euro teurer werden könnte, steht bereits der Rohbau. Die Fundamente für die Tal- und Bergstation seien betoniert, die für die sechs Stützen würden in den kommenden Wochen folgen, schildert Nöbauer das Vorgehen.

Sind die Betonarbeiten erst vollendet, werden die Masten in zwei bis drei Wochen montiert, wissen Experten. Denen zufolge wird ein Lift, wie er am Gudiberg entsteht, in der freien Wirtschaft in circa drei Monaten realisiert. Warum ein solches Vorhaben bei der öffentlichen Hand wesentlich länger dauert, könne unter anderem an der Projektleitung liegen, spekuliert ein Kenner der Szene. Derartige Vorwürfe will Nöbauer freilich nicht auf seinen Kollegen sitzen lassen: „Wir haben ein Hoch- und ein Tiefbauamt im Haus mit entsprechend ausgebildeten Ingenieuren. Wir verfügen durchaus über das nötige Fachpersonal.“ (tab)

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