Nie aufgeben: Anja Blieninger hier beim Konditionstraining im Sommer. Foto Kornatz

Skirennläuferin Anja Blieninger hat sich erneut schwer verletzt

Garmisch-Partenkirchen - Eigentlich ist jeder sprachlos. Slalom-Ass Felix Neureuther fällt nicht mehr ein als: „krass". So schockiert wie er ist auch die gesamte deutsche Skiszene.

Anja Blieninger ist erneut von einem Schicksalsschlag getroffen worden. Wie erst jetzt bekannt wurde, hat sich die 29-jährige Unterammergauerin am Freitag bei einem Europacup-Rennen in Gressoney (Italien) mehrere Bänder im Knie gerissen. Es ist die sechste schwere Verletzung in ihrer Karriere, die schon mehrmals fast und nun wohl endgültig beendet ist.

Das Drama ereignete sich bereits nach wenigen Slalomschwüngen. „Die Anja hat verschnitten und ist gestürzt“, berichtet Markus Anwander, Trainer im Europacup-Team. Der Garmisch-Partenkirchner kennt Blieninger schon seit vielen Jahren und hat den Unfall beobachtet. „Da muss bereits etwas gerissen sein, hat sie mir später beschrieben. Wahrscheinlich war es die Patellasehne.“ In dem steilen und eisigen Gelände ist Blieninger aber noch weitergerutscht und erst in einem Fangzaun zum Liegen gekommen. Dabei hat sie sich offenbar die anderen Verletzungen zugezogen: Kreuzband, Innenband und -meniskus.

Da wegen des schlechten Wetters ein Hubschrauberflug von Italien ins Murnauer Unfallklinikum nicht möglichwar, fuhr Anwander mit Blieninger Richtung Heimat. „Auf halber Strecke, so auf Höhe Gardasee, sind uns dann ihre Eltern entgegengekommen“, erzählt er. Von dort ging es direkt ins Krankenhaus. Am Samstag bereits wurde die sympathische Technikspezialistin von Dr. Christoph Kruis mehrere Stunden lang operiert. In einer weiteren OP muss später noch das Kreuzband repariert werden.

„Das ist alles extrem dramatisch“, sagt Wolfgang Maier, Alpindirektor des Deutschen Skiverbandes (DSV). Auch er kann noch nicht so recht begreifen, was da passiert ist. „Es ist eigentlich nicht zu erklären, warum es einen Menschen immer wieder so heftig erwischt.“ Drei Kreuzbandrisse (zuletzt im Januar 2009), Schien- und Wadenbeinbruch (Oktober 2007), Halswirbel angebrochen (Februar 2006) - das ist nur ein Auszug aus Blieningers Krankenakte. Auch Heinz Mohr, Leiter des Olympiastützpunktes in Garmisch-Partenkirchen ist sprachlos: „Das ist einfach nur eine Tragödie.“ Er könne sich in seiner langen Zeit als Trainer an keinen Sportler erinnern, der derart viele Rückschläge hinnehmen musste.

Viele, auch Maier, hatten Blieninger nach ihrer jüngsten Verletzung geraten, aufzuhören „Wir haben als Verband ja auch eine Verantwortung gegenüber den Athleten“, sagt der DSV-Funktionär. Doch Blieninger wollte sich wieder zurückkämpfen, es allen beweisen. „Klar, die Heim-WM im Februar war ein großer Antrieb. Das kan ich sehr gut verstehen“, meint Maier. Und Mohr ergänzt: „Sie wollte sich auf keinen Fall den Vorwurf machen, nicht alles versucht zu haben.“ Das hat auch Anwander festgestellt: „Ihr Wille ist etwas Besonders. Es gibt niemanden, der so oft wieder zurückgekehrt ist. Sie hat alles gegeben für den Skisport.“

Das, betont Maier, werde nun auch der DSV für sie machen: „Wir unterstützen Anja bei der Rehabilitation, wo wir können.“ Das Wichtigste sei, dass sie wieder gesund wird, und das Knie voll funktionstüchtig ist, um zumindest normal Sport zu treiben. (lxs)

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