Soll Gemeinde Post-Gebäude kaufen?

Murnau - Die Schließung des Postamtes ist besiegelt. Aus den Reihen der Kommunalpolitiker werden jetzt Stimmen laut, die von der Gemeinde fordern, das denkmalgeschützte Gebäude zu kaufen.

Skeptiker hatten es befürchtet: Die scheinbare "Rettung" des Murnauer Postamtes Ende des vergangenen Jahres war nur von kurzer Dauer. Sie hielt nicht einmal ein Jahr. Die Deutsche Post AG macht nun ernst und trennt sich von ihrem eigenen Filialnetz -­ darunter auch die Stelle an der Murnauer Bahnhofstraße. Viel Zeit bleibt den Kommunalpolitikern nicht, sich über den Kurs des "Gelben Riesen" aufzuregen. Im Mittelpunkt steht jetzt vielmehr die Frage, was aus dem denkmalgeschützten Gebäude mit dem markanten Treppengiebel und dem schönen Fresko werden soll. Soll die Gemeinde die Immobilie kaufen? Und wenn ja, für welchen Zweck?

Die Deutsche Post AG hat das Gebäude zwar als Teil eines riesigen Immobilienpakets an die US-Investmentgesellschaft Lone Star verkauft. Allerdings besteht eventuell noch die Möglichkeit, dass die Gemeinde von einem Vorkaufsrecht Gebrauch macht, um in den Besitz des historischen Bauwerks zu kommen. Die Rathaus-Verwaltung ist gerade damit beschäftigt, die offenbar hochkomplizierte Rechtslage zu überprüfen.

Bei den Freien Wählern und der ÖDP/Bürgerforum denkt man bereits laut über diese Option nach. Er habe nie so recht an die Rettung des Postamtes geglaubt und für einen Kauf der Immobilie plädiert, sagt Welf Probst von den Freien Wählern. Die Kommune dürfe nicht zulassen, dass dieses Gebäude in die Hände eines US-Investors fällt. Dafür sei der Standort im Herzen der Marktgemeinde zu wichtig. Er könnte sich verschiedene Nutzungskonzepte vorstellen. Im Idealfall werde darin ein Post-Service aufrecht erhalten. Aber auch eine Art Dienstleistungszentrum wäre denkbar.

Etwas zurückhaltender in dieser Frage gibt sich die Fraktion ÖDP/Bürgerforum. Man müsse zuerst klären, ob ein Kauf überhaupt möglich ist, sagt Gemeinderat Guntram Gattner. Sinn mache dieser nur dann, wenn ein vernünftiges Nutzungskonzept vorliege. Es dürfe nicht sein, dass solch ein Vorhaben zu einem Zuschussgeschäft für die Kommune wird.

Gar nicht begeistert von der aktuellen Entwicklung ist Hans-Peter Burger von der SPD. "Was sich die Post leistet, ist eine Gemeinheit", schimpft der Gemeinderat. Und weiter: "Ich hoffe, dass mit dem Gebäude etwas sinnvolles gemacht wird." Konkrete Vorschläge müsse seine Fraktion erst noch erarbeiten. Eins müsse klar sein: Postagenturen in Supermärkten seien nicht die Lösung.

Auch die CSU hat sich offenbar noch zu keiner Meinung über das weitere Vorgehen durchgerungen. Nur soviel: Im Falle eines Kaufs des Post-Gebäudes brauche man "ganz genaue Zielvorstellungen", meint Fraktionssprecher und Zweiter Bürgermeister Josef Bierling. Zudem sei natürlich der Preis entscheidend.

Über einen möglichen Kauf des Post-Gebäudes wollte Bürgermeister Dr. Michael Rapp (CSU) nicht spekulieren. Dies müsse der Gemeinderat entscheiden. Es sei "zu tiefst bedauerlich", dass sich die Post von ihrem Filialnetz trennen will. Er habe diese Nachricht erst aus der Zeitung erfahren. Bei dem Krisengespräch im Oktober 2007 hätten ihm noch Post-Manager zugesichert, dass das Postamt an der Bahnhofstraße erhalten bleibt. Es sei damals jedoch klar gewesen, dass dies "keine endlose Lösung" sei.

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