Überglückliche Gesichter: Landtagsabgeordneter Florian Streibl, der Freie Wähler Florian Möckl und Kreisbäuerin Christine Singer gratulieren bei der spontanen Wahl-Party in Farchant. fotos: kor

Speer gelingt die Sensation

Landkreis - Die CSU verliert ihre Vorherrschaft im Landkreis Garmisch-Partenkirchen. Mit 60 Prozent der Stimmen hat Anton Speer (Freie Wähler) die Stichwahl gegen Dr. Michael Rapp gewonnen.

Erst sind es zwei Gemeinden, dann vier, dann zehn, in denen Anton Speer die Mehrheit hat. Gegen 18.45 Uhr wird am Sonntagabend immer klarer, dass es einen Politikwechsel im Landkreis Garmisch-Partenkirchen geben wird. Dass der Freie Wähler Speer aus Unterammergau es wirklich schaffen könnte, Dr. Michael Rapp und damit die CSU in der Stichwahl zu schlagen. Zu diesem Punkt sitzt Speer ganz still auf einem Stuhl im Wahlamt des Landratsamtes. Er starrt ungläubig auf die Ergebnisse, die per Beamer an die Wand geworfen werden. Dort liest Speer, dass selbst das sonst so tiefschwarze Isartal für ihn gestimmt hat. Geschlossen. „Das muss ich erstmal sacken lassen“, sagt der 55-Jährige. 20 Minuten später gratulieren ihm die Mitarbeiter. Es gibt Applaus und spontan einen Sekt aus Saftgläsern. 60,14 Prozent! „Das hätte ich nicht in meinen kühnsten Träumen gedacht“, sagt Speer sichtlich ergriffen. „Ich war schon froh, dass ich es in die Stichwahl geschafft habe.“

Als er kurz darauf seine Frau anruft, will auch sie ihm nicht so recht glauben. Fragt, ob nicht etwa ein Computerfehler vorliege. Doch alles ist korrekt abgelaufen. Anton Speer, der seit vergangenem Herbst den bisherigen CSU-Landrat Harald Kühn vertreten hat, wird den Chefposten im Landratsamt behalten. Verständlich, dass angesichts dieser großen Überraschung das Telefon des Ammertalers nicht mehr stillsteht.

Unter den Anrufern ist auch Dr. Michael Rapp. Um „herzlich zu gratulieren“, wie der Murnauer Bürgermeister sagt. Er zeigt sich später am Abend, als er gerade auf dem Weg zur CSU-„Wahlparty“ ist, betont gelassen. „Es gibt Siege und Niederlagen. Das war eine Niederlage“, versucht er die Dinge sportlich zu sehen. „Davon wird die Welt nicht untergehen.“ Rapp sieht das Ergebnis nicht als Zeichen gegen ihn, sondern als Zeichen für Speer.

Wie es mit ihm nach dem 1. Mai weitergeht, ob er nach zwölf Jahren im Rathaus-Chefsessel zurück an das Lehrerpult eines Gymnasiums geht, das kann Rapp gestern noch nicht sagen. Erst einmal will er seine zwölfjährige Amtszeit als Bürgermeister abschließen.

Zweck-Optimismus an einem rabenschwarzen Abend für die CSU. Einer, an dem auch Rapps Parteikollege und potenzieller Nachfolger in Murnau eine heftige Schlappe einstecken muss. Dort verliert Josef Bierling die Stichwahl gegen den Ökodemokraten Rolf Beuting mit 33 zu 67 Prozent. Das Ergebnis ist für die CSU noch schlechter als auf Landkreis-Ebene. Doch auch hier ist die Auszählung in den einzelnen Gemeinden bitter für Rapp. Er konnte nur in einem Ort die Mehrheit holen: Murnau.

Verständlich, dass die Freien Wähler angesichts dieses Wahlausgangs gestern Abend noch die Korken knallen lassen. Spontan beschließen sie um 19.30 Uhr, in Farchant zu feiern. Rundrufe werden gestartet, Mails abgeschickt. „Ich hatte ja eigentlich nichts geplant“, unterstreicht Speer. Zu diesem Zeitpunkt wird ihm langsam bewusst, dass er tatsächlich die Sensation geschafft hat.

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