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Tourengeher klagt: Alle Sperrungen aufheben

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Garmisch-Partenkirchen - Bayerns höchste Verwaltungsrichter werden den Tourengehern wohl den freien Naturgenuss auf den Skihängen zugestehen - und Sperrungen aufheben. Doch die Pisten hinaufgehen dürfen die Sportler diesen Winter noch längst nicht.

Der Winter steht bevor. Und damit stehen sich auch wieder viele Skifahrer und Skitourengeher auf der Piste unversöhnlich gegenüber. Am Dienstag sind beide Lager schon einmal vorab im Gerichtssaal aufeinander geprallt. Zum zweiten Mal. Im Februar hatten die Tourengeher vor dem Verwaltungsgericht einen ersten Erfolg gegen die Sperrung der Skipisten in Garmisch-Partenkirchen erzielt. Doch der Freistaat legte Berufung ein. Nun wurde vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof verhandelt. Urteil gibt es noch keins.

Laut Bayerischer Verfassung stellt der „Genuss der Naturschönheiten und die Erholung in der freien Natur“ ein Grundrecht für jeden Bürger dar. Genau darauf beruft sich Kläger Anton Ernst (33) aus Ohlstadt im Kreis Garmisch-Partenkirchen. Er liebt die Natur: Darum ist er auch Förster – und leidenschaftlicher Tourengeher. Er und der Verein „Skitourensportler“ sehen nicht ein, dass ihnen der Naturgenuss auf den Pisten verweigert wird. So sahen es auch die Richter in erster Instanz.

Doch der Freistaat und die Bayerische Zugspitzbahn (BZB) wollen weiterhin die Pisten im Hausberg-, Kreuzeck- und Osterfeldergebiet sperren. Mit folgendem Argument: Bei den Pisten handle es sich nicht um freie Natur. Die sei nicht mehr gegeben, wenn Flächen baulich so verändert würden, dass sie ihren ursprünglichen Zustand verlieren, sagte Christian Alexander Mayer, der Anwalt der BZB. So könne man dort nur aufgrund von Beschneiung und Präparierung Skifahren. „Das wäre sonst grüne Wiese.“ Die Anwälte haben einen sogenannten Augenscheintermin beantragt, um den Richtern alles zu zeigen. Doch daraus wird wohl nichts. „Wir kennen Skispisten. Dass Sie sie verändern, ist unstrittig“, sagte die Vorsitzende Richterin Theresia Koch. Auch das Gericht scheint die Piste also als freie Natur zu sehen: „Das sieht nur die BZB nicht als freie Natur.“

Doch freie Natur hin oder her: Während der Pistenpräparierung nach Liftschluss darf die BZB die Pisten sperren, hat das Verwaltungsgericht im Februar entschieden. Das wiederum passt den Skitourengehern nicht. Zwar gibt es für sie eine Strecke am Hausberg. Doch sie wollen auch eine Route auf der anderen Seite – also entweder auf der Olympiaabfahrt oder der Kandahar. „Die Situation am Kreuzeck ist unbefriedigend, weil beide Abfahrten über Stunden gesperrt sind“, sagte Kläger Ernst. Das ließe sich seiner Meinung nach durch einen anderen Betriebsablauf ändern. Man müsse die Präparierung der Olympiaabfahrt von oben beginnen.

Doch Peter Huber, Technischer Vorstand der BZB, und seine Pistenfahrer erklärten ihr ausgeklügeltes Präparierungs-System. Arbeitsabläufe und Maschineneinsatz könnten nicht so optimiert werden, dass eine der beiden Pisten zum Aufstieg und zur Abfahrt frei gehalten werden könnten. Die Erklärungen erschienen dem Gericht plausibel. Die Klage von Ernst in dieser Hinsicht „nicht sehr aussichtsreich“.

Doch auch wenn die Tourengeher aus naturschutzrechtlicher Sicht nun gute Karten haben: Die Pisten dürfen sie noch nicht wieder hinaufgehen. Am Verwaltungsgericht wartet noch das Verfahren um eine sicherheitsrechtliche Anordnung der Gemeinde. Ein Termin steht noch nicht fest.

Von Nina Gut

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