Milde gestimmt ist das Ehepaar Sepp und Vera Karner nach der Entschuldigung des Bürgermeisters. foto: kunz

Streit um Vorzeige-Projekt: Bürgermeister rudert zurück

Krün - Ein Naturerlebnis-Pfad als Politikum: Nachdem die Krüner Geologie-Experten bei den Planungen nicht eingebunden werden sollten, zeigten sie sich empört. Rathauschef Schwarzenberger hatte sie schlechtweg vergessen.

Als die Karners am Dienstagabend das Krüner Rathaus verließen, saß bei ihnen der Stachel tief. „Wir haben ein Messer in die Brust gerammt bekommen“, sagt Sepp Karner. Mit 10:1-Stimmen hatten die Volksvertreter bei der Gemeinderatssitzung das Konzept für den Naturerlebnis-Pfad in die Hände von Carmen Pfefferkorn und Markus Öttl gelegt.

Doch dass die Karners übergangen wurden, war nach Aussagen von Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU) keine Absicht – sie seien schlichtweg vergessen worden. Der Rathauschef hat nochmal eine Nacht drüber geschlafen, dann fielen ihm die Karners doch noch als „fachliche Partner“ ein. Er machte eine 180 Grad-Wendung und holte sie ins Boot– nun scheint wieder die Sonne in Krün.

Rückblick: Bei der Planung für das grenzüberschreitende 400 000-Euro-Projekt war die Kompetenz der Karners zunächst nicht gefragt. „Vielleicht sind wir in der falschen Partei“, übt sich das Mitglied der Bürgerlichen Wählergemeinschaft (BWG), Sepp Karner, in Süffisanz. Doch mangels Unterstützung durch BWG-Chef und Gemeinderat Lothar Ragaller junior, der sich in der Sitzung auch für Österreicher aussprach, werde man auch nicht länger den „Bürgerlichen“ die Treue halten. „Die Kündigung kriegt er noch heute.“ Nach der „hunderttausendfachen Entschuldigung“ vom Bürgermeister rudert Sepp Karner allerdings wieder zurück: „Wir werden nicht kündigen. Die müssen mit uns leben, ob sie wollen oder nicht.“

Das Ehepaar wunderte sich vor allem deshalb über das Procedere, weil die Telfser freimütig einräumten, noch nie ein Konzept für einen Naturerlebnis-Pfad entwickelt zu haben. Nach der Planung des Abenteuer-Spielplatzes am Sportgelände waren die beiden Tiroler auch beim Lehrpfad ins Spiel gekommen.

Zeigte sich der Bürgermeister am Mittwoch gegenüber dem Tagblatt noch völlig überrascht von der Reaktion des Ehepaars vom Bärnbichl, hatte er gestern vollstes Verständnis dafür. „Ich kann ihren Standpunkt verstehen und auch, dass sie sauer waren.“ Warum waren die Karners bei den Planungen zunächst völlig unbedacht geblieben? „Bei mir ist das Zehnerl im Kopf einfach nicht runtergefallen“, gibt Schwarzenberger freimütig zu. Doch es fiel noch – besser spät als nie. „Der Fehler ist schon bei uns gewesen.“

Gleich in der Früh glättete der Bürgermeister die Wogen mit einem Anruf bei den Karners. Eine Kehrtwende machte dieser auch in seiner Argumentation: Glaubte er zunächst, dass die Karners für die Konzeption die Falschen seien – „ich sehe nicht deren Qualifikation“ –, bescheinigte er ihnen gestern „die fachliche Kompetenz, die wir ohne Zweifel brauchen“. Die sollen sie als gleichberechtigter Partner bei dem Projekt unter anderem mit der Gestaltung der Lehrtafeln einbringen. Pfefferkorn/Öttl übernehmen den kreativen Teil.

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