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Der richtige Platz: Peter Gröbl, Fachkraft für Rauchwarnmelder, zeigt im Kinderzimmer seiner Tochter Theresa, wo Rauchwarnmelder angebracht werden.

Neue Vorschrift tritt in Kraft

Tag des Rauchmelders: Warum die Geräte Leben retten können 

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Bayern zieht nach: Bis Ende des Jahres müssen nun auch im Freistaat bestehende Wohnungen mit Heimrauchmeldern ausgestattet werden. Mit dem Aufhängen der Geräte ist es aber noch nicht getan.

Landkreis – Diesen Einsatz vor gut fünf Jahren hat er abgespeichert in seinem Kopf. Damals brannte es in einem Gebäude, in dem eine Familie lebte. Die Eltern und ihre schliefen, merkten nichts von der tödlichen Gefahr, in der sie sich befanden. „Im Schlaf hat man keine Chance“, sagt Johann Eitzenberger. „Man riecht nichts, wird bewusstlos und wacht nicht mehr auf.“ Es ist einer dieser Fälle, bei denen bei der Feuerwehr rechtzeitig die Alarmierung einging und nichts und niemand zu Schaden kam. Für den Kreisbrandrat der beste Beweis, welche große Rolle Rauchmelder spielen: Denn noch immer sterben in Deutschland jedes Jahr etwa 360 Menschen an den Folgen eines Feuers.

Jetzt ändern sich die Vorschriften für die kleinen Geräte: Während sie seit 2013 in allen Um- und Neubauten anzubringen sind, müssen Eigentümer die Warner bis 31. Dezember auch in bestehenden Wohnungen installieren – und zwar mindestens in den Schlafräumen, Kinderzimmern und Fluren, die zu Aufenthaltsräumen führen. Gleiches gilt für mehrstöckige Einfamilienhäuser mit einem offenen Treppenraum. Dort muss jedes Stockwerk mit einem Melder ausgestattet sein. Anders sieht’s bei Sonderbauten wie Hotels, Schulen oder Kliniken aus. Diese verfügen über ein Brandschutzkonzept, sagt Eitzenberger.

Mit dem Kauf und dem Anbringen an der Deckenwand ist es aber noch nicht getan. Die Wartung der Piepser zählt ebenso zu den Pflichtaufgaben. Wie die Initiative „Rauchmelder retten Leben“ mitteilt, ist gemäß der Bayerischen Bauordnung der Mieter zuständig. Es sei denn, der Eigentümer übernimmt die Kontrolle selbst. „Sie sollen sich absprechen“, sagt der Kreisbrandrat. Wichtig sei, dass es gemacht wird – „aus eigenem Interesse“.

Ob sich alle an die neuen Vorgaben halten, wird nicht überprüft. Zumindest nicht von der Feuerwehr. Einer, der eine jährliche Wartung zum Beispiel in Mehrfamilienhäusern anbietet, ist Bezirkskaminkehrer Peter Würsch aus Oberammergau. Allerdings nicht kostenlos. Er händigt den Auftraggebern nach seiner Arbeit eine Art TÜV-Zettel aus. Ein Beleg im Fall der Fälle.

Eigentum verpflichtet: Wer die neue Rauchmeldervorgaben missachtet, kann juristisch belangt werden. Kommt es zu einem Brand mit Verletzten oder gar Toten und die Warner sind nicht installiert, muss sich der Besitzer der Wohneinheiten wegen der Verletzung seiner Sorgfaltspflicht verantworten. „Außerdem können geschädigte Mieter Schadensersatzansprüche geltend machen“, sagt Christian Rudolph, Vorsitzender der Initiative.

Noch herrscht Verbesserungspotenzial beim Verhalten der Betroffenen. Diese Erfahrung hat Würsch bisher gemacht. In vielen Wohnungen fehlen die Geräte noch, sagt er. „Wenn es um Sicherheit geht, lassen sie sich viel Zeit.“ Der Kaminkehrer versteht’s nicht, zumal angesichts der Frist die Preise steigen. Trotzdem empfiehlt Eitzenberger, bei den Geräten auf Qualität zu setzen. Zum Beispiel rät er zu VdS-geprüften Geräten.

Er ist ein absoluter Verfechter der Warnsysteme. Zum heutigen Tag der Rauchmelder verweist der Kreisfeuerwehrverband deshalb auf die Informationen der Initiative. Ebenfalls erscheint in der Feuerwehrzeitung übernächste Woche eine Doppelseite zur neuen Pflicht. „Wir sind nicht aufgescheucht“, sagt er und bezieht sich dabei auf einen möglichen Anstieg der Fehlalarme. Anders als in Schulen oder Altenheimen sind die Heimmelder „nicht auf die Leitstelle geschaltet“, erklärt er. Das heißt: Wenn Rauch entsteht, beginnen die Geräte zu piepsen. Die Information an die Einsatzkräfte erfolgt über Menschen, die das Geräusch hören. Nicht immer muss es sich um einen Ernstfall handeln. Oft entstehen die Fehlalarme durch falsche Meldertypen. „Man sollte in der Küche keinen Melder aufhängen, der auf Dampf reagiert.“ Klingt logisch, ist aber keine Ausnahme. Eitzenberger kennt die „Klassiker“. Zum Beispiel, wenn Personen mutwillig den so genannten Druckknopfmelder betätigen. „Das darf nicht sein“, sagt er. Besonders ärgerlich findet er Alarmierungen, die durch Arbeiten mit Staubentwicklung auftreten. Dabei müsste man die Melder einfach abdecken.

Grundsätzlich spekuliert Eitzenberger aber nicht mit einem Fehlalarm-Boom durch die neue Regelung. Und sowieso: Lieber einmal zu viel ausgerückt, als zu wenig. Kommt es tatsächlich zum Brand, entscheiden Minuten über Leben und Tod.

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