„Jetzt schmeckt die Halbe“: Reini Rauch (vorne) und seine Helfer haben am Samstag den 42,20 Meter langen Maibaum mit zwei Rössern ins Farchanter Dorfzentrum transportiert. foto: kaiser

Die Tage der hölzernen Wahrzeichen

Landkreis - In Krün, Großweil und Farchant bereiten sich die Mannsbilder auf die bevorstehende Maibaum-Aufstellung vor. Und da ist viel Muskelkraft gefragt.

Das traditionelle Kommando „Hau ruck“ ertönt am 1. Mai in drei Landkreis-Gemeinden: Mit viel Muskelkraft hieven die Mannsbilder in Krün, Großweil und Farchant die Maibäume in die Höhe. Auch wenn die Tradition die gleiche ist, in jedem Ort verläuft die Prozedur anders.

So beginnt für die Krüner das Unternehmen Maibaum bereits frühmorgens um 6 Uhr. Ab 7 Uhr wollen die Isartaler dann mit viel Muskelkraft versuchen, das neue, unbemalte Wahrzeichen am Dorfplatz in die Vertikale zu lupfen. „Unser Baum ist immer einer der größten“, sagt Josef Winzinger junior, Vorsitzender des federführenden Trachtenvereins „d’Soiernbergler“, nicht ohne Stolz.

Im Jahr 1939 stand das erste Mal ein Maibaum in Krün: Damals hatte Peter Schwarzenberger (1899 bis 1983) sich maßgeblich für die Einführung dieses Brauchs eingesetzt. Der gebürtige Lenggrieser übernahm seinerzeit die Regie beim Aufrichten, während einige im Ort die ungewohnte Aktion noch skeptisch musterten. Heute gehört dieser Brauch wie selbstverständlich zum Krüner Ortsgeschehen, während im Nachbarort Wallgau wohl auch künftig das Kommando „Pack’ ma’s an“ nicht zu hören sein wird.

Dafür aber in Großweil: Dort wird in drei Tagen der Maibaum bei Tagesanbruch entrindet, aufpoliert und mit den sogenannten Schwalben - gekreuzten langen Holzstangen - aufgerichtet. „Da ist jede Hand nützlich“, meint Bürgermeister Manfred Sporer. Bis zum Mittagsläuten soll das Werk getan sein.

Das Besondere an Großweil ist, dass es im Dorf nicht nur einen, sondern gleich drei Maibäume gibt. Einer davon steht auf dem Areal des Freilichtmuseums Glentleiten. Die beiden anderen finden sich in den Ortsteilen Klein- und Großweil. „Früher mussten die Burschen aus dem jeweils anderen Ort beim Aufstellen des Maibaums mitanpacken“, erzählt Sporer. Heuer sind die Großweiler gefordert. Im nächsten Jahr sind die Kleinweiler an der Reihe, ehe 2016 auf der Glentleiten in die Hände gespuckt wird.

Das haben die Farchanter erstmals 1904 getan. Seit 1914 übernimmt dort der Volkstrachtenverein im Vier-Jahres-Rhythmus das Kommando. „Beim Aufrichten ohne technische Hilfsmittel brauchen wir günstiges Wetter“, meint Vorsitzender Hans Schmid junior angesichts der auf vier Stunden angesetzten Kraftprobe. An diesem Samstag ging bereits Teil eins des Maibaum-Rituals erfolgreich über die Bühne. Gegen Mittag zogen die zwei Rösser des Fuhrmanns Reini Rauch den künftigen Maibaum nach Farchant. Genau 42,20 Meter lang misst die Fichte, die am Vormittag auf dem Reschberg gefällt und dann via Burgrain hinab ins Dorf befördert wurde. Mit dieser rekordverdächtigen Länge ersetzt das tonnenschwere Trumm das bisherige „Stangerl“, das „nur“ 40 Meter gemessen hatte und das die Farchanter im Laufe der vergangenen Woche niedergestreckt hatten.

Gelagert, bearbeitet und scharf bewacht wird der neue Maibaum an einem geheimen Ort im nördlichen Gewerbegebiet. Dort treffen die Trachtler letzte Vorbereitungen. Bemalt wie in anderen Orten wird der Farchanter Maibaum nicht. „Das ist bei uns nicht der Brauch“, berichtet Schmid. „Und die Zunftzeichen werden erst dann angebracht, wenn er steht.“ Angst vor irgendwelchen Maibaumdieben haben die Farchanter im Übrigen nicht: „Mir passen schon auf“, versichert der Trachtlerchef.

Um einem bösen Erwachen vorzubeugen, holen die Krüner ihren Stamm erst in letzter Minute aus dem Wald. „Der Baum ist aber bereits ausgesucht“, verdeutlicht Zeremonienmeister Alois Kramer junior. Der „Ferl“ verrät zudem, dass das neue Prachtstück den Farchanter Maibaum übertrifft und stolze 45 Meter lang ist. Auch in diesem Jahr hat Baron August von Finck die Fichte vom Barmsee gestiftet. Gut möglich, dass sich der öffentlichkeitsscheue Unternehmer am 1. Mai wieder unters Volk mischt.

Vera Leuner & Wolfgang Kaiser

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