Tante Emma vor dem Ende?

Landkreis - Die Einzelhändler haben Angst: Gegen die vielen großen Supermärkte sind sie kaum konkurrenzfähig. Jetzt plant die bayerische Staatsregierung auch noch die Lockerung der Regeln für den großflächigen Einzelhandel. Vielen kleinen Läden droht das Aus.

Gemüse, Fleisch und die Semmeln zum Frühstück – in den großen Supermärkten bekommen die Kunden alles aus einer Hand. Den kleinen, oft familiengeführten Betrieben wie Metzgereien und Bäckereien macht das zu schaffen. „Ich bin schon kaputt und fertig“, sagt Wolfgang Froschmayer. Er ist sich sicher, dass seine Metzgerei in Krün 2010 nicht übersteht. Damit würde der letzte kleine Laden nach 21 Jahren aus dem Dorf verschwinden. Wenn nach dem Edeka-Center nun auch Aldi und Lidl im Krüner Gewerbegebiet Filialen eröffnen (wir berichteten), „bin ich weg“, bekräftigt Froschmayer.

Und viele weitere Geschäfte könnten folgen. Das befürchten mittelständische Ladenbesitzer, wenn die bayerische Regierung tatsächlich die Einschränkungen für den großflächigen Einzelhandel lockert. In einer Arbeitsgruppe zum „Einzelhandelsziel im Landesentwicklungsprogramm (LEP)“ denken Verantwortliche des Wirtschaftsministeriums unter anderem darüber nach, großen Supermarkt-Ketten eine Ansiedlung in den Orten zu vereinfachen und die Beschränkungen der Verkaufsfläche von 800 Quadratmetern aufzuweichen. „Das bedeutet über kurz oder lang das Aus für kleine Handwerksbetriebe“, ist sich Josef Angelbauer sicher. Schon in den vergangenen Jahren sei das Geschäft in seiner Garmisch-Partenkirchner Bäckerei um ein Drittel zurückgegangen. „Die Lockerung wäre für das kleine Handwerk ein Schlag ins Gesicht“, spricht Angelbauer für seine Kollegen im ganzen Landkreis. „Wenn sich die Supermärkte großflächig ausbreiten, haben wir keine Chance mehr.“

Ähnliche Ängste plagen die Einzelhändler in der Region rund um Ohlstadt. Sie haben Bedenken, dass der von ihnen gefürchtete Discounter durch vereinfachte Regularien doch noch bittere Realität wird und sprechen von „hartem Überlebenskampf“ und „Verdrängung“, wollten sich jedoch dem Tagblatt gegenüber namentlich nicht äußern. Zur Erinnerung: Nachdem die Supermarktkette „Netto“ Interesse an der Eröffnung einer Filiale am Ortsrand von Ohlstadt bekundet hatte, sprach sich die Mehrheit der Einwohner 2007 in einem Bürgerbegehren dagegen aus.

Die Meinung der Bürger teilt Ohlstadts Rathaus-Chef Anton Fischer. Plänen für einen großen Supermarkt am Ortsrand stünden er und vermutlich auch der Gemeinderat „sehr skeptisch“ gegenüber. Vorstellen könnte er sich hingegen einen weiteren Laden mit rund 200 Quadratmeter im Ortskern. „Es ist wichtig für die Leute, dass Einkaufsmöglichkeiten in Wohnortnähe vorhanden sind“, betont er. Das sieht er mit einer Lockerung der geltenden Regeln für den Einzelhandel gefährdet, da sich große Märkte häufig am Ortsrand ansiedeln.

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