Massive Proteste gibt’s von den Tierschützern, wie hier bei einer Demo an der Almhütte in Garmisch-Partenkirchen, gegen den Abschuss. foto: sehr

"Rechtlich und moralisch nicht haltbar"

Tierschützer geschockt: Feuer frei auf Rotwild

Landkreis - Alarm unter den Tierschützern: Das Landratsamt hat nun doch den Abschuss von Rotwild in Wintergattern erlaubt. Weil die Behörde muss...

Tessy Lödermann ist sich sicher: Der Rotwild-Abschuss in Wintergattern ist „rechtlich und moralisch nicht haltbar“. Mit rund 200 Tierfreunden und sogar Jägern hat die Tierschutzvereins-Vorsitzende bei einer Demonstration an der Almhütte in Garmisch-Partenkirchen gekämpft. Umsonst.

Das Landratsamt hat für die Tötung von 53 Hirschen in den neun Gattern des Landkreises Grünes Licht gegeben. Sie sollen auf Tuberkulose-Erreger untersucht werden. Der Bescheid war für Lödermann „ein richtiger Schock. Ich hab’ bis zuletzt gehofft.“ Nämlich, dass der Freistaat von dem Abschuss abrückt.

Nun hat das bayerische Umweltministerium unter Berufung auf das Tierseuchengesetz „alle Kreisverwaltungsbehörden in den Städten und Landkreisen entlang der Alpenkette angewiesen“, das Rotwild schießen zu lassen, sagt Landratsamtssprecher Stephan Scharf. Besondere Betonung liegt auf „angewiesen“. Zu sehen als eine Art Befehl. „Wir haben keinen Handlungsspielraum“, betont Scharf. Erlegt werden müssen die Tiere vor der Öffnung der Wintergatter, bis spätestens Mitte Mai. Der Landratsamtssprecher verweist darauf, dass bei den Tötungen „auch die Belange des Tierschutzes zu beachten“ sind.

Lödermann kann nur den Kopf schütteln. „Was ist denn tierschutzgerecht, wenn Rotwild in einer Schutz- und Ruhezone von dem Berufsjäger, der es den ganzen Winter füttert, abgeknallt wird und panisch in die Zäune springt?“ Zudem sind derzeit viele weiblichen Tiere in den Gattern hochträchtig.

Lödermann hat nichts gegen eine TBC-Untersuchung, aber dann nach der Winterzeit in der freien Natur und im Rahmen der normalen Jagd.

Die Tierschützerin weiß, dass sie den Abschuss nicht mehr verhindern kann. Sie fordert daher zumindest die Überwachung der Tötungen und „kann es nicht fassen, dass diese nicht stattfinden soll und stattdessen das Veterinäramt vom Schützen selbst informiert werden soll“. Das reicht der Kämpferin nicht. Deshalb verlegt sie ihre Spaziergänge nun in die Nähe von Wintergattern. Um selbst ein Auge auf den Abschuss zu haben. Die Vize-Präsidentin des Bayerischen Tierschutzbundes hofft auf Unterstützung. Ihr Appell: „In den Morgen- und Abendstunden möglichst mit Kameras die Wintergatter aufsuchen und das Geschehen dokumentieren.“

(nine)

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