Todessturz in 150 Meter tiefe Schlucht

Garmisch-Partenkirchen/Reutte - War es eine Gams, die den Fahrer ablenkte, eine Spinne im Auto oder einfach Unachtsamkeit? Niemand weiß, warum ein 72-jähriger Garmisch-Partenkirchner mit seinem Kleinwagen in Tirol von der Straße abkam und zusammen mit seiner Ehefrau in den Tod stürzte.

Die Hahntennjochpass-Straße verbindet das Inn- und Lechtal in Tirol, sie ist eine beliebte Ausflugsstrecke, gern befahren auch von Motorradlern in Sichtweite der Namloser Wetterspitze südlich von Reutte in Tirol. Das Ehepaar aus der Marktgemeinde Garmisch-Partenkirchen war mit seinem Allradkleinwagen Subaru Justy unterwegs. Erich E. (72) saß am Steuer, seine vier Jahre jüngere pflegebedürftige Gattin Erika daneben. "EE" ­ mit ihren Initialen hatten sie sich auch auf dem Kennzeichen ihres Autos verewigt.

Am Dienstagabend zwischen 18 und 22 Uhr dürfte es dann passiert sein: Nahe Bschlabs, einem Ortsteil von Pfafflar, kam der Wagen auf gerader Strecke von der Fahrbahn ab. "Wir haben weder Schleuder- noch Bremsspuren gefunden", sagt Revier-Inspektor Fridolin Reich. Nur am Bankett neben der Straße, die an dieser Stelle nicht durch eine Leitplanke begrenzt ist, fanden sich Reifenspuren. Das Auto stürzte etwa 150 Meter tief in das Plötzigtal. Die Eheleute schleuderten aus dem Auto und blieben in einer gerölligen Bergrinne liegen. Das Auto schlug im Bach Plötzig zwischen wuchtigen Geröllsteinen auf ­ es wurde völlig zerdrückt. Ein Unfallopfer erlitt schwerste Schädelverletzungen, das andere einen Genickbruch. Beide waren vermutlich sofort tot.

Angehörige des Ehepaares, die die beiden von ihrem Ausflug zurückerwarteten, hatten schon am Dienstagabend die Beamten der Polizeiinspektion Garmisch-Partenkirchen alarmiert. Trotzdem blieb der Unfall lange Zeit unbemerkt. Es dauerte einen ganzen Tag, da wurden Arbeiter auf ihrem Nachhauseweg am Mittwoch gegen 18.25 Uhr durch herumliegende Papierfetzen aus dem Wageninneren stutzig. "Das waren Einheimische, die die Gegend gut kennen", sagt Gendarm Reich. Die Tiroler hielten an, sahen nach unten in das Plötzigtal ­ und entdeckten das Autowrack.

Rasch war klar, dass es für die Unfallopfer keine Rettung mehr gab. Doch die Bergung war sehr schwierig. Mit einem Hubschrauber konnten die Toten nicht nach oben gezogen werden, da das Tal mit Stromleitungen durchzogen ist.

Nicht weniger als 80 Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr und Bergrettung waren Mittwochnacht an der langwierigen Bergung der Toten beteiligt. Erst am Donnerstag konnte dann das Autowrack nach oben gehievt werden.

Jetzt stellt sich dem Chefermittler, dem Reutter Bezirkspolizeikommandant Egon Lorenz, die Frage nach der Unfallursache. Ein anderes Fahrzeug war an dem Unglück wohl nicht beteiligt, es gibt also keine Zeugen. Selbst der ungefähre Unfallzeitpunkt konnte erst nach einer Obduktion der Leichen, durch die dann der Todeszeitpunkt errechnet wurde, erschlossen werden.

Was aber hat dazu geführt, dass Erich E. den Wagen in die Schlucht lenkte? "Wir wissen es einfach nicht", sagt Polizeikommandant Lorenz. "Aber die Ermittlungen laufen."

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