Komödiantisches Talent beweist Tenor Brenden Gunnell bei Strauss’ Krämerspiegel. Foto: sehr

Der Triumph des Tenors

Garmisch-Partenkirchen - Richard-Strauss-Festival: Brenden Gunnell, der Ersatz für den Ersatz, erntet für seine wunderbare Darbietung wahre Jubelstürme.

Wer, wenn nicht „Sänger“-Intendantin Brigitte Fassbaender sollte noch aus einer doppelten Absage einen kleinen Triumph zaubern? Leicht geknickt erschien die Chefin des Richard-Strauss-Festivals am Donnerstag auf der Bühne des Kongresshauses. Die Absage von Tenor Pavol Breslik, der wegen einer geprellten Rippe nicht singen konnte, hatte sich bereits herumgesprochen. Bariton-Kollege Michael Volle, der sich spontan bereit erklärt hatte, für seinen Münchner Onegin-Partner einzuspringen, sagte dann aber am Konzertmorgen ab. Der Albtraum jedes Veranstalters.

Doch Fassbaender spähte zu ihrem Haupthaus, dem Landestheater Innsbruck, und fischte aus dem Ensemble einen jungen Tenor, der das Garmisch-Partenkirchner Publikum zum Jubeln brachte: Brenden Gunnell. Der flachsblonde, sympathische Amerikaner, auch Schüler seiner Chefin, hatte genau das Passende im Repertoire: Richard Strauss’ Krämerspiegel, jene virtuose, witzige, ironisch-beißende Abrechnung des Komponisten mit den Verlegern. Kein Geringerer als Alfred Kerr fertigte dem erbosten Strauss die Texte zu diesen zwölf vertraglich zugesagten Liedern, die Bote & Bock beim Komponisten, der gerade den Rosenkavalier vollendet hatte, sogar gerichtlich einklagte. Strauss und Kerr reagierten mit galligem Humor, den sich nun Brenden Gunnell genüsslich auf der Zunge zergehen ließ.

Der junge Amerikaner weiß, was er singt und kann mit dem Text hervorragend umgehen. Auch wenn beim Krämerspiegel nicht - wie zuvor bei den Schubertliedern - jede Silbe genau transportiert wurde, den Kern traf Gunnell mühelos. Und da der komödiantisch „agierende“ Sänger auch mit den Höhen und Tiefen, die Strauss dem Tenor abverlangt, keine Probleme hatte, amüsierte sich das Publikum vorzüglich.

Brenden Gunnells leicht baritonal gefärbter, direkter, schlanker und doch dramatisch kraftvoller Tenor entwickelte sich im klug aufgebauten Programm bestens. Immer nah am Wort, wagte der junge Sänger fahle Farben, setzte auf riskante Tönungen um Depression und existentielle Bedrohung („Kriegers Ahnung“, „Am Meer“, „Der Doppelgänger“) spürbar zu machen. Die Stimme folgte ihm, trug, blieb in der Spur, auch wenn er ganz auf Ausdruck zielte. Mit vollem Klang und opernhafter Dramatik stattete er dagegen den „Atlas“ aus und schaffte es, auch am Schluss bei den Zugaben noch einmal den Schalter umzulegen: Vom satten „Habe Dank“ der Strauss’schen „Zueignung“ zurück zur anrührenden Zartheit von Schuberts „Wiegenlied“. Großer Beifall und große Begeisterung für den mutigen Einspringer.

Gabriele Luster

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