Turnhallen-Neubau: Hat Gemeinde Fördergelder "verschenkt"?

Seehausen - Der Kreisvorsitzende des Bayerischen Landessportverbands (BLSV) attackiert die Gemeinde Seehausen. Sie habe sich beim Turnhallenneubau 300 000 Euro durch die Lappen gehen lassen.

900 000 Euro sind für die neue Seehauser Turnhalle eingeplant, die im Herbst stehen soll. Die Kosten schuldert die Gemeinde nach aktuellem Stand allein. Doch die Verantwortlichen hätten nach Angaben von BLSV-Kreischef Joachim von Wittern Fördergelder beantragen können - insgesamt 300 000 Euro. Er habe der Gemeinde und dem SV öfter Unterstützung angeboten, mindestens fünf bis sechs Gespräche geführt, sei aber auf Ablehnung gestoßen. "Wir brauchen euer Geld nicht", habe es geheißen.

Ex-Bürgermeister Ulrich Willburger (CSU) entgegnet, dass das ganze Projekt damit aufwändiger geworden wäre, und sein Nachfolger Markus Hörmann (CSU) erklärt, die Gemeinde habe grundsätzlich nicht mit Zuschüssen kalkuliert. "Wir hatten bestimmte Vorstellungen, wie die Halle aussehen soll." Die Devise sei gewesen, Zuschüsse nur in Anspruch zu nehmen, wenn sie sinnvoll seien. "Ich brauche beispielsweise keine Tribüne für 200 000 Euro, wenn dann für 350 000 Euro ein zusätzlicher Brandschutz nötig wäre." Allerdings wollen die Verantwortlichen schauen, ob noch Fördergelder zu holen sind.

Wer eine Turnhalle errichtet, muss zwar nach Angaben von Wittern bestimmte Dinge wie Form und Größe einhalten, könne aber eigentlich so bauen, wie er es für richtig halte. Der Sportverband setze keine speziellen Vorgaben, betont auch Dieter Mayr. Der Schatzmeister des BLSV-Kreisverbands sprach nach eigenen Angaben mehrmals beim damaligen Bürgermeister Willburger vor und bot Hilfe an, biss aber auf Granit.

Der Ex-Rathauschef nimmt die Kritik gelassen. Er ist davon überzeugt, dass die Turnhalle der Gemeinde so, wie sie das Projekt plante und vorantrieb, unterm Strich billiger kommen werde. Er ist sich ohnehin sicher, dass noch Fördermittel fließen werden.

Doch Wittern winkt ab. "Wenn man mit dem Bauen angefangen hat, gibt es kein Geld mehr." Das Spiel sei aus. "Über den BLSV-Topf geht nichts mehr. Da wurde zuviel gesaubeutelt." Der Kreisvorsitzende wettert: "Wenn man auf einem so hohen Ross sitzt, muss man auch die Folgen tragen." Auch Mayr kann nur den Kopf schütteln: "Man verschenkt 300 000 Euro. Das ist schade."

Auch interessant

Kommentare