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Unendliche Geschichte: Der Müll und die Größe der Tonne im Landkreis. 

Kritik seit der Abkehr vom Verwiegen

Grünen fordern 40-Liter-Restmülltonne und scheitern: Mit dem Kompromiss können sie aber leben

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Gibt der Kreistag grünes Licht, könnte es in ein paar Jahren Restmüll-Tonnen mit einem Volumen von 60 Litern geben. Der Umweltausschuss hat sich bereits dafür ausgesprochen. 

Landkreis –Fehlende Hartnäckigkeit, die kann man Bündnis 90/Die Grünen nicht vorwerfen. Konstant pocht die Fraktion derÖko-Partei auf ein anderes Abfall-System, weil sie mit dem Volumentarif, zu dem sich der Landkreis 2015 durchgerungen hatte, alles andere als zufrieden ist. Auf Worte folgten nun Taten: Sie fordert gerechte und bürgerfreundliche Gebühren für die Entsorgung von Restmüll. Damit scheiterten die Grünen im Umweltausschuss des Kreistags zwar, doch einen Teilerfolg konnten sie verbuchen.

Drei wesentliche Kernpunkte enthielt der Antrag. Der Landkreis solle zusätzlich zu den bisherigen Gefäßgrößen auch eine 40-Liter-Tonne zur Verfügung stellen, die Möglichkeit von so genannten Gemeinschaftstonnen bieten und auf einen verbrauchsabhängigen Tarif mit Grund- und Leistungsgebühr umstellen. Tessy Lödermann fasste das Anliegen zusammen: einen Anreiz zur Müllvermeidung schaffen.

Doch Matthias Hiendl, Jurist im Landratsamt, erinnerte noch einmal an den Grund, der zur Abkehr von der Verwiegung geführt hatte: Mülltourismus und wilde Ablagerungen sollten reduziert werden. Ein Argument, das Lödermann zufolge nicht ausschlaggebend sein kann: „Man kann wegen ein paar schwarzer Schafe nicht die ganze Bevölkerung in Geißelhaft nehmen“, betonte sie. Doch laut dem Regierungsrat zeigt die Umstellung schon positive Wirkungen. Demnach stellen Haushalte, die damals kaum Müll hatten, ihre Tonnen nun regelmäßig zum Leeren bereit. Dieser „erfreulichen Entwicklung“ würde eine 40-Liter-Tonne entgegenwirken. Auch die Befürchtung, dass verstärkt Wertstoff in der Restmülltonne landet, habe sich nicht bestätigt.

Aus der Nachbarschaftstonne wird nichts

Schritt für Schritt zerlegte er den Antrag der Grünen. Bei der Nachbarschaftstonne, die von mehreren Nutzern verwendet werden kann, ging es weiter. Dem Grundprinzip konnte er Positives abgewinnen. Allerdings ergaben die Recherchen in den Nachbarlandkreisen Ostallgäu und Weilheim-Schongau, dass nur wenige – etwa vier Prozent – diese Option wählen. Das Verhältnis passt nicht, meinte Hiendl. Denn der administrative Aufwand sei enorm hoch. Vor allem könnten Probleme auftreten. Denn: Wer haftet für die Tonne, wer für Gebühren-Rückstände? Einverständniserklärungen aller Nutzer müssten eingeholt werden. Die Folge: Im Landratsamt wäre eine weitere Sachbearbeiterstelle für die zusätzlichen Aufgaben nötig, betonte Hiendl. Finanziert über die Abfallgebühren.

Lödermann erkannte, dass der Antrag ihrer Partei auf verlorenem Posten steht. „Schade, dass wir immer nur Bedenken haben und Gründe finden, warum man etwas nicht macht“, betonte sie. Vor allem, wenn’s andernorts ihrer Meinung nach doch funktioniert.

Gut, dass Hannes Voith ein Versöhnungs-Angebot parat hatte. Der zuständige Sachgebiets-Leiter brachte statt der 40- und zusätzlich zur 80- eine neue Option ins Spiel: die 60-Liter-Tonne. Diese – ab 2022 – einzuführen und das Gebührenmodell entsprechend anzupassen, „wäre ein guter Kompromiss“, sagte Landrat Anton Speer (Freie Wähler). Einer, mit dem sich wie alle anderen auch Lödermann anfreunden konnte. Das letzte Wort spricht jedoch der Kreistag, der am 29. März tagt.

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