Vater rettet Tochter aus Silo

Murnau - Ein zehnjähriges Mädchen hat bei Murnau mit viel Glück den Sturz in ein Tiefsilo leichtverletzt überstanden. Der Vater holte seine Tochter aus der Falle, die auch tödlich sein kann.

Immer wieder sterben Menschen, nachdem sie in ein Silo gefallen sind - oder beim Versuch, Verunglückte daraus zu retten. Das bei der Gärung entstehende Gas wird ihnen zum Verhängnis. „In solchen Situationen besteht akute Erstickungsgefahr“, sagt Herbert Maurus, Kommandant der Feuerwehr Murnau. „Das kann relativ schnell gehen.“

Ein zehn Jahre altes Mädchen kam durch glückliche Umstände mit dem Leben davon, erlitt nach Polizeiangaben sogar nur leichte Verletzungen. Wie nun bekannt wurde, stürzte das Kind bereits am Donnerstagabend auf einem Hof bei Murnau in ein Tiefsilo, als sie offenbar trotz Verbots dort spielte. Mit einer Elfjährigen sei sie am Rand balanciert und habe sich gegen die Abdeckplane fallen lassen, erklärt Anton Rager, Vize-Chef der Murnauer Polizei. Diese gab schließlich nach, die Zehnjährige fiel in das Silo, das zu diesem Zeitpunkt allerdings nur rund 1,80 Meter tief war. „Man hatte es erst am Tag zuvor aufgefüllt“, weiß Maurus. Insgesamt reiche das Silo zehn Meter in den Boden.

Die Elfjährige versuchte nach Angaben Ragers vergeblich, ihre Spielgefährtin wieder nach oben zu ziehen; sie rief schließlich deren Eltern um Hilfe. Als die insgesamt knapp 30 Rettungskräfte der Feuerwehren Seehausen und Murnau eintrafen, kümmerte sich bereits ein Notarzt um das Kind, das offenbar von Atemnot geplagt wurde.

Die Zehnjährige wurde in die Unfallklinik gebracht, soll aber bereits am Tag darauf wieder entlassen worden sein. Neben BRK und Polizei war auch der Rettungshubschrauber Christoph Murnau alarmiert worden.

Generell ist die Rettung aus Silos für Laien mit großem Risiko behaftet. Maurus betont, dass sterben kann, wer sich ohne Atemschutz hineinwage: „Eine brandgefährliche Situatino.“ Im vorliegenden Fall habe der Kopf des Vaters aus der Grube geragt; andernorts kam es indes zu tragischen Unglücken.

Landtechnikberater Johann Graf vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Weilheim verweist auf eine versuchte Silobergung in Altenstadt vor einigen Jahren, bei der auch Helfer das Bewusstsein verloren. „Am Ende gab es drei Tote.“

Die Menschen fielen dabei dem unsichtbaren und geruchlosen Kohlendioxid zum Opfer. Es entstehe bei der Gärung des eingelagerten Grünfutters. Das Gas setze sich ab und sammle sich, falls es aus dem jeweiligen Behälter nicht entweichen könne, über der Silage an. Dort verdränge es den lebensnotwendigen Sauerstoff. Betroffene ertränken quasi im Gas. „Sie verlieren relativ schnell das Bewusstsein“, sagt Graf.

Vertreter der Feuerwehren Seehausen und Murnau warnen ebenfalls vor Leichtsinn: Silos dürften keinesfalls betreten werden. Die Abdeckplane bei Tiefsilos sei nicht stabil, bei Belastung breche ein Mensch durch - und gerate in akute Lebensgefahr.

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