Verbrannten Ferrari als gestohlen gemeldet

Murnau - Ein Trio hat mit einer Auto-Trickserei die Versicherung um rund 180000 Euro geprellt. Die Gauner bekamen jedoch ein schlechtes Gewissen und erstatteten Selbstanzeige.

Vorwiegend nichtöffentlich mittels einer Absprache zwischen Richter, Staatsanwalt und Verteidigern lief jetzt hinter verschlossenen Türen am Amtsgericht Garmisch-Partenkirchen ein Betrugs-Strafverfahren gegen drei Angeklagte ab, die in Murnau einen Autohandel betrieben. Sie wurden nämlich beschuldigt, sehr trickreich einen nicht mehr vorhandenen, weil in Fernost verbrannten Ferrari-Sportwagen als gestohlen gemeldet zu haben, um von der Versicherung 182 000 Euro zu kassieren.

Die beiden hauptbeschuldigten Männer im Alter von 44 und 46 Jahren erhielten jeweils ein Jahr Freiheitsentzug zur Bewährung sowie 5000 beziehungsweise 7000 Euro Geldauflage. Die nur wegen Beihilfe verurteilte 32-jährige Frau kam mit einer Strafe von 3600 Euro davon.

Laut Staatsanwalt Philipp Nicklas hätten die seinerzeit bei einer Murnauer Firma arbeitenden Angeklagten im Mai 2007 einen Ferrari des Typs F 430 an ein anderes Unternehmen verkauft. Als Leasingrate seien 3780 Euro im Monat vereinbart gewesen. Sodann sei man auf die Idee gekommen, unter Zuhilfenahme der Fahrgestellnummer eines bei einem Brand zerstörten anderen Ferrari den verkauften F 430 als gestohlen zu melden. Deshalb hätten die 32-jährige Frau und der 46-jährige Mann, die jetzt in München-Grünwald wohnen, am 22. September 2007 bei der Polizei in Heidelberg angezeigt, dass ihnen in der Nacht vorher am Hockenheimring ein Ferrari entwendet worden sei.

Nachdem die Polizei trotz langer Bemühungen weder Auto noch Täter fand, habe man den „Verlust“ am 24. September 2007 auch der Versicherung gemeldet, die prompt mit einer Überweisung von über 182 000 Euro zu Diensten gewesen sei. Möglicherweise wäre diese gemeinschaftlich arrangierte Gaunerei nie ans Licht gekommen, wäre da nicht ein unkalkulierbarer Faktor aufgetreten: Die drei Täter bekamen es nämlich, berichtete Richter Paul Georg Pfluger, mit dem Gewissen zu tun, erstatteten Selbstanzeige und meldeten sich auch reumütig bei der Versicherung. Dieser zahlten sie nicht nur den Schaden zurück, sondern obendrein auch 10 000 Euro für eine wohltätige Stiftung.

Das führte dann auch jetzt zu der durchaus gesetzeskonformen freundlichen Behandlung seitens des Gerichts und dem Juristenplausch hinter verschlossenen Türen: Dabei seien, erklärte Richter Pfluger hinterher, die Strafen vereinbart worden – jedoch nur für den Fall vorbehaltloser Geständnisse: Nicht mehr als ein Jahr Bewährungsstrafe für die beiden Männer und 3600 Euro (120 Tagessätze à 30 Euro) für die Frau. Die Verteidiger der Herren, Harald Setzwein (Weilheim) und Thomas Wiezorrek (Murnau), gaben auch prompt im Namen ihrer Mandanten alles zu, Klaus Höchstetter (München) für die Dame brachte lediglich die Einschränkung, dass seine Klientin nur Beihilfe geleistet habe. Der Richterspruch lautete denn auch auf zweimal ein Jahr zur Bewährung sowie 3600 Euro, allerdings mit der Ergänzung, dass der eine Geschäftsmann zusätzlich noch 7000 Euro Bewährungsauflage zu zahlen hat, der andere 5000 Euro. (wk)

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