Vielen Anwohnern und Kommunalpolitikern ein Dorn im Auge: Die Verkehrsbelastung im Untermarkt, der jede Menge Durchgangsverkehr verkraften muss. Foto: Herpen

Verkehrsberuhigung gefordert

Murnau - Anwohner und Kommunalpolitiker beklagen das hohe Verkehrsaufkommen im Murnauer Untermarkt, das trotz der neuen Umgehung weiterhin bestehe.

Raser, Lärm und mitunter brenzlige Situationen für Fußgänger: Das hohe Verkehrsaufkommen im Murnauer Untermarkt ist vor allem vielen Anliegern ein Dorn im Auge. Die neue Umfahrung im Westen des Ortes bringe zwar eine spürbare Entlastung für den Abschnitt im Zentrum, der viel Durchgangsverkehr verkraften müsse, lautet der Tenor. Beseitigt seien jedoch die Probleme noch lange nicht. Daher werden Stimmen laut, die altbekannte und neue Konzepte fordern. Im Gespräch sind etwa eine Verlängerung der Fußgängerzone, eine Einbahnstraßen-Regelung und die Ausweisung als Spielstraße. Gemeinderat Welf Probst (Freie Wähler), der im Untermarkt seinen Handwerksbetrieb hat, bringt die Stimmungslage auf den Punkt: „Es muss sich was tun.“

Die Verkehrsberuhigung im Untermarkt ist seit Jahren ein Dauerthema der Ortspolitik. Es gab bereits mehrere Initiativen. Die Schaffung einer Fußgängerzone oder einer Einbahnstraße wurde diskutiert, aber wieder verworfen. Dadurch werde die Verkehrsbelastung nur verlagert, hieß es. Zuletzt scheiterte ein Tempo-10-Versuch (jetzt: Tempo 30) aus juristischen Gründen. Zudem wurde über eine neue Verfugung des Pflasters nachgedacht, um das Lärmaufkommen zu mindern.

Regina Samm, die für die CSU im Gemeinderat sitzt und im Untermarkt das Hotel Angerbräu betreibt, ist davon überzeugt, dass nur ein Verkehrskonzept, das den gesamten südlichen Bereich Murnaus erfasst, weiterhilft. Es gehe nicht nur um den Untermarkt, sondern um weitere Brennpunkte wie etwa die schmale Pfarrstraße. Im Untermarkt sei die Lage nach wie vor „nicht zufriedenstellend“ – auch wenn aufgrund der im Sommer 2009 eröffneten Umgehung die Verkehrsbelastung abgenommen habe, so die Geschäftsfrau. Die Autos verursachten auf dem Kopfsteinpflaster mächtig viel Lärm. Ihrer Meinung nach müsste man die Überlegungen, eine Einbahnstraße oder eventuell sogar eine Fußgängerzone zu installieren, erneut aufgreifen.

„Es ist noch nicht ideal“, sagt auch Verkehrsreferent und SPD-Gemeinderat Ernst Ochs – obwohl die Umgehung für den Ortskern „enorm viel gebracht hat“. Der Politiker könnte sich vorstellen, zumindest in einer Testphase den Untermarkt in eine Einbahnstraße zu verwandeln. Eine weitere Variante bringt Welf Probst ins Spiel: Er favorisiert eine Spielstraße. Hier hätten die Fußgänger „Vorfahrt“, die Autos müssten sich in Schrittgeschwindigkeit fortbewegen. Untersützung erhält Probst von der Fraktion ÖDP/Bürgerforum. Deren Verkehrsreferent Franz Englbrecht kann sich mit einer Spielstraße anfreunden – am besten in Kombination mit einer Einbahnstraße. „Das müsste man mal ausprobieren. Nicht die Straße, sondern der Lebensraum muss im Vordergrund stehen“, sagt der Arzt.

Vergleichszahlen über das geänderte Verkehrsaufkommen im Ortszentrum seit der Beseitigung des Bahnübergangs liegen der Gemeinde zwar noch nicht vor. Aber: „Es ist zu erkennen, dass deutlich weniger Fahrzeuge den Untermarkt als vermeintliche Abkürzung von Süd nach Nord durchfahren, seit die Spange Richtung Bad Kohlgrub geöffnet ist“, teilte die Rathaus-Verwaltung mit. Eine Veränderung der derzeitigen Situation im Untermarkt sei jedoch „nicht angedacht“.

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