Vertrag gekündigt

Grafenaschau - Der Kindergarten in Grafenaschau ist nach mehr als 25 Jahren -­ zumindest vorerst -­ Geschichte. Denn der Gemeinderat hat beschlossen, den Vertrag mit dem Träger zu kündigen.

Bei Ihren Sitzungen sind die Schwaigener Gemeinderäte häufig unter sich. Jetzt war dies grundlegend anders. Aufgrund des großen Andrangs beschloss man kurzerhand, vom Rathaus ins Feuerwehrhaus umzuziehen. Rund 20 Interessierte waren nur aus einem Grund gekommen: Die Zukunft des örtlichen Kindergartens. Alle neun Eltern hatten den Betreuungsvertrag für ihre elf Kinder gekündigt und die Zahlungen eingestellt. Hintergrund sind massive Anschuldigungen, die sich gegen die Leiterin des Kindergartens richten. Diese habe wiederholt gegen die Anwesenheits-, Aufsichts- und Schweigepflicht verstoßen, heißt es. Die Kinder werden derweil in einem Privathaus betreut, wo eine provisorische Gruppe eingerichtet wurde.

Die Volksvertreter haben nun einmütig beschlossen, den Vertrag zwischen der Gemeinde und dem Träger, der katholischen Kirchenstiftung St. Nikolaus (Murnau), rückwirkend zum 1. Januar zu kündigen. Darüber hinaus segneten die Räte einen Antrag der Eltern auf Erstattung der Gastkinderbeiträge ab. Die Kleinen sollen künftig in Eschenlohe, Murnau und Bad Kohlgrub untergebracht werden.

"Die Kündigung kommt für uns ziemlich überraschend", erklärte Bistumssprecher Christoph Gold. Bei einem Gespräch zwischen der Gemeinde, der Stiftung und der Diözese vergangene Woche sei das so noch nicht zu erkennen gewesen. Der Schritt sei ein "einschneidendes Vorgehen. Wir bedauern das sehr", sagte Goldt.

Bürgermeister Karl Schwarzberger betonte: "Wir haben keine andere Chance als diesen Vertrag zu kündigen." Er befürchtet jedoch, dass die Gemeinde in der Folge nicht um einen Rechtsstreit mit der Kirche herumkommen werde. Denn falls die Kindergartenleiterin eine Abfindung erstreiten sollte, hätte die Kommune 80 Prozent zu zahlen, glaubt der Rathauschef.

Oberstes Ziel müsse sein, dass der Kindergarten in Grafenaschau möglichst bald wieder aktiviert werde, betonte eine der Mütter gestern. Die Auflösung sei ein "herber Verlust".

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