Vierter Bewerber um Bürgermeisteramt

Murnau - In Murnau wird es wohl einen vierten Anwärter auf den Chefposten im Rathaus geben. Das Bündnis aus ÖDP und Bürgerforum will einen Bürgermeisterkandidaten ins Rennen schicken.

Die offizielle Kür des Spitzenkandidaten soll am kommenden Montag, 7. Januar, auf einer Mitgliederversammlung von ÖDP und Bürgerforum erfolgen. Zur Wahl stellt sich Holger Poczka. Dies bestätigte der 45-Jährige gestern auf Anfrage des Tagblatts. Es gilt als Formsache, dass der Mitinitiator des im vergangenen Jahr neu gegründeten Bürgerforums aufgestellt wird. Poczka wäre dann der vierte Anwärter auf das Amt des Ersten Bürgermeisters. Seine Mitbewerber sind Amtsinhaber Dr. Michael Rapp (CSU), Hans-Peter Burger (SPD) und Welf Probst (Freie Wähler).

"Ich will Bürgermeister werden", sagt Poczka selbstbewusst. Er betreibe keinen "Schaukampf". Der Ingenieur, der bei einem Unternehmen der Abfallwirtschaft in leitender Position arbeitet, ist zwar parteilos, kommunalpolitisch aber nicht unerfahren. Der Familienvater (verheiratet, vier Kinder) engagierte sich beispielsweise bei einem Verein, der sich vor Jahren Gedanken über die Zukunft des Kemmelgeländes machte, und bei der Bürgerinitiative zur Rettung des Kleinen Federbergs.

Ihm gehe es darum, die "politische Kultur" in der Marktgemeinde zu verändern, erklärt Poczka, der in Miesbach geboren und in Murnau aufgewachsen ist. Es dürfe nicht sein, dass wichtige Entscheidungen der Ortspolitik in nichtöffentlichen Sitzungen gefällt werden. Die CSU betreibe als Mehrheitsfraktion diese Form der "Geheimpolitik" und mache dabei "große Fehler". Er trete für mehr Transparenz und Bürgernähe ein, erklärt Poczka. In vielen politischen Fragen müsste man das wertvolle Know-how der Bürger besser nutzen. Es werde gar nicht öffentlich darüber diskutiert, wie sich Murnau entwickeln soll. Hierzu wäre ein "fexibles Leitbild" notwendig. Die Politik reagiere nur und gestalte zu wenig.

Skeptisch verfolgt Poczka das Mammutprojekt Kemmelpark. Als "sehr problematisch" bezeichnet er das Vorhaben der Kommune beziehungsweise einer hundertprozentigen Tochtergesellschaft, auf dem Gelände einen Gewerbehof zu errichten und zu betreiben. Prinzipiell sei es natürlich richtig, den Mittelstand zu fördern. Aber das Risiko dürfe nicht alleine bei der Gemeinde liegen. Man hätte sich etwa Gedanken darüber machen müssen, private Investoren mit ins Boot zu holen. Aber solche Diskussionen über alternative Betriebsmodelle fänden nicht statt, kritsiert Poczka. Selbst die Gemeinderäte der "Opposition" hätten Probleme, an Informationen zu kommen, und würden stattdessen meist vor vollendete Tatsachen gestellt.

"Für den Kemmelpark gibt es kein richtiges Konzept, welche Branchen dort überhaupt angesiedelt werden sollen", sagt Poczka. Und das, obwohl bereits seit rund 15 Jahren an den Plänen für das Großprojekt gefeilt werde. "Das hätte beschleunigt werden müssen", so Poczka weiter. Er habe den Eindruck, der Grund werde einfach an den "Meistbietenden" verkauft. So sehe keine vorausschauende Politik aus.

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