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Der Visitator aus Rom: Abt Pius Engelbert (Mitte) hat die Missbrauchsfälle im Kloster Ettal untersucht. Der zurückgetretene Abt Barnabas Bögle (links) und Administrator Pater Emmeram warten „in Demut“ auf die Entscheidung.

Der Visitator aus Rom war schon im Kloster Ettal

Ettal - Einen Monat nach Bekanntwerden einer Serie von körperlicher Gewalt und sexuellem Missbrauch im oberbayerischen Kloster Ettal ist die "Apostolische Visitation" abgeschlossen.

Erst zweimal in der inzwischen 680-jährigen Geschichte des Benediktinerklosters Ettal haben sich die Mönche unmittelbar an den Heiligen Stuhl in Rom gewandt, und um Unterstützung gebeten: Das erste Mal 1368 – 40 Jahre nach der Gründung – , als man darum ersuchte, dass das Kloster die volle Anerkennung der Kirche erhält. Das zweite Mal im Jahr 1900: Da ging es nach der Säkularisation 1803 um die Wiederbesiedlung.

Die jüngst öffentlich gewordenen Fälle von sexuellem Missbrauch und von Misshandlungen durch Patres an Schülern des Internats, hauptsächlich in den 1970er und 80er Jahren, haben nun dazu geführt, dass die Abtei im Vatikan um eine „Apostolische Visitation“ nachsuchte. Dabei handelt es sich um eine kircheninterne Untersuchung der Vorkommnisse, verbunden mit einer geistlichen Neuausrichtung.

Beim Apostolischen Nuntius in Deutschland, Erzbischof Jean-Claude Périsset, erbaten die Benediktiner Hilfe, und bereits kurz darauf kam eine Delegation aus Rom angereist. In „intensiven Gesprächen“ mit jedem Einzelnen der insgesamt 50 Ettaler Mönche zu den besagten Geschehnissen im Kloster erörterten die Visitatoren die Situation. Über den Inhalt der Befragungen und ein erstes Ergebnis wollte gestern der Leiter der Abordnung, Abt Pius Engelbert, nichts sagen: „Wir erstellen nur einen Bericht, den wir dann an den Vatikan weiterleiten. Dort werden Empfehlungen oder Entscheidungen ausgesprochen.“

Der Entsandte aus Rom, Abt Pius, stand von 1999 bis 2006 der Benediktinerabtei Gerleve im Münsterland vor. Nach Überschreiten der Altersgrenze von 70 Jahren lebt der Kirchenmann in der Primatialabtei Sant’Anselmo in Rom, wo er sich der wissenschaftlichen Arbeit widmet. Als ihn nun der Ruf ereilte, die Apostolische Visitation für Ettal zu übernehmen, sagte Abt Pius spontan zu.

Gestern hat die Delegation wieder die Reise nach Italien angetreten – mit vielen Eindrücken und Einschätzungen aus dem bayerischen Kloster im Gepäck. Seinen Bericht wird der 73-Jährige der Religiosenkongregation der Römischen Kurie übergeben, die von Kardinalpräfekt Franc Rodé geleitet wird. Bis wann mit einem Ergebnis zu rechnen sein wird, sei nach den Worten von Abt Pius völlig offen: Über die Kar- und Ostertage werde wohl erst einmal wenig passieren, danach müsse man abwarten. Die Kongregation – ein Organ des Papstes zur rechtlichen Beaufsichtigung der Orden – könne hinsichtlich der weiteren personellen Ausrichtung eine Verfügung aussprechen, aber genauso eine Empfehlung abgeben.

Es bleibt also spannend, wie es im Kloster Ettal weitergeht. Der dortige Vakanz-Administrator Pater Emmeram Walter, der übergangsweise die Aufgaben des zurückgetretenen Abt Barnabas Bögle übernommen hat, sieht einer Entscheidung in Rom „mit der gebotenen Demut“ entgegen. Man sei sehr dankbar für die Unterstützung des Vatikans, „in diesen für uns so schweren Tagen“.

Ludwig Hutter

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