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Im Höllental: Steinschlag tötet Wanderer

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Das Höllental ist gerade bei Touristen beliebt. Jetzt ist ein Mann durch einen Steinschlag zu Tode gekommen. © picture-alliance/ dpa/dpaweb

Grainau - Furchtbare Tragödie auf dem Wanderweg im Höllental, die als beliebtes Ausflugsziel gilt: Ein 39-jähriger Wanderer ist von einem Steinschlag getötet worden, als er gerade Rast machte.

Direkt an der Felswand ist ein rotes Schild befestigt: „Vorsicht!“, warnen die roten Buchstaben. „Akute Steinschlaggefahr! Bitte nicht stehen bleiben.“ Doch genau das machen jeden Sommer wohl hunderte Wanderer an dieser Stelle oberhalb der Höllentalklamm im Wettersteingebirge (Landkreis Garmisch-Partenkirchen): Sie bleiben stehen und rasten. Und genau so hat es am Mittwochnachmittag auch ein Belgier (39) gemacht. Er setzte sich, etwa 100 Meter nach dem Ausgang der Klamm, an den Wegesrand, nur wenige Meter von der Felswand und dem warnenden Schild entfernt. Als sich auf die denkbar tragischste Weise zeigte, wie wichtig und richtig diese Hinweistafel ist.

Plötzlich ging, gegen 16.15 Uhr, ein Steinschlag nieder, der den Belgier „massiv am ganzen Körper erfasste“, wie die Polizeiinspektion Garmisch-Partenkirchen in ihrem Bericht schreibt. Einer der herabstürzenden Steine traf den Belgier am Kopf. Ein Zeuge versuchte noch, den Wanderer wiederzubeleben. Doch jede Hilfe kam zu spät. „Er war wohl auf der Stelle tot“, sagt der stellvertretende Dienststellenleiter Thomas Holzer. Auch die drei Rettungskräfte der Bergwacht Grainau sowie der Notarzt und Sanitäter – ein Helikopter setzte sie an der Unglücksstelle ab – konnten nur noch den Tod des Mannes feststellen. Ein Polizeihubschrauber flog die Leiche ins Tal.

Die genaue Ursache für den Steinschlag ist noch unklar, auch die exakte Abbruchstelle konnte noch nicht ermittelt werden. Ein Fremdverschulden aber schließt die Polizei aus. „In dem Bereich waren nach derzeitigem Kenntnisstand keine anderen Bergsteiger unterwegs“, sagt Holzer. Die Tragödie macht nicht nur betroffen. Sie löst auch die sorgenvolle Frage aus: Was kann man tun, um Unglücke wie diese in dem überaus beliebten Ausflugsgebiet zu vermeiden? Die Antwort liegt auf der Hand: einmal mehr an die Vernunft der Wanderer appellieren. „Viele ignorieren die Warnschilder einfach“, sagt Anton Vogg, Bereitschaftsleiter der Bergwacht Grainau. Er hat es schon erlebt, dass er Ausflügler auf die Gefahr aufmerksam machte. „Und sie haben gelacht. Es war ihnen egal.“

Markus Dorfleitner, Vorsitzender der Sektion Garmisch-Partenkirchen des Deutschen Alpenvereins (DAV) weiß: Das flache Gelände bietet sich geradezu an für eine Rast nach dem Weg durch die Höllentalklamm. „Es ist halt einfach ein schönes Fleckerl dort oben.“ Ein Fleckerl, „das man zügig hinter sich bringen sollte“, fügt er im selben Atemzug an. Einen hundertprozentigen Schutz gibt es im Gebirge nicht. „Da ist es jederzeit möglich, dass etwas herunterkommt“, sagt Vogg von der Bergwacht.

Um das Risiko zu minimieren, befreien Bergwacht und DAV-Sektion die Höllentalklamm jedes Jahr nach dem Winter von losen Steinen. Den Stangensteig, der oberhalb der Klamm und des Unglücksortes verläuft, räumen sie ebenfalls mit einem Experten aus. Auch während des Jahres wird der Weg immer wieder überprüft. Doch geht die Polizei derzeit nicht davon aus, dass sich der Steinschlag am Stangensteig löste, sondern vielmehr am Waxenstein, „in direkter Falllinie“ über dem Belgier. Durch großes Glück kamen keine weiteren Wanderer zu Schaden, die ebenfalls auf dem Weg zur Höllentalangerhütte waren – und sich ebenfalls zur Rast in dem gefährlichen Bereich entschieden hatten.

Zeugen, die den Unfall am Mittwoch beobachtet haben, werden gebeten, sich bei der Polizei in Garmisch-Partenkirchen, Telefon 0 88 21/91 70, oder bei jeder anderen Dienststelle zu melden.

Katharina Bromberger

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