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Wasserkraft verdampft im Kunstschnee

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Strahlkraft: Die Olympia-Schanze wird die ganze Nacht über beleuchtet, was Naturschützer als Energieverschwendung kritisieren. Foto: mm-Archiv
Strahlkraft: Die Olympia-Schanze wird die ganze Nacht über beleuchtet, was Naturschützer als Energieverschwendung kritisieren. Foto: mm-Archiv

Garmisch-Partenkirchen - Die Debatte nach der schrecklichen Nuklear-Katastrophe in Japan wird zur Wertediskussion. Andreas Keller vom Bund Naturschutz kritisiert insbesondere Energievergeudung, beispielsweise für Schneekanonen.

Die lokalen Umweltverbände warnen vor Schnellschüssen als Reaktion auf die nukleare Katastrophe in Japan. „Wir dürfen jetzt nicht unsere ganzen Grundsätze und Wertmaßstäbe, die in langen Diskussionen erarbeitet wurden, über den Haufen werfen“, sagt Dr. Andreas Keller als stellvertretender Vorsitzender der Kreisgruppe Garmisch-Partenkirchen im Bund Naturschutz. Ob Kernkraft oder verstärkte Förderung von regenerativen Alternativen wie Wasser- oder Windkraft - in der Energieproblematik laufe alles auf eine Wertediskussion hinaus, prognostiziert Keller: „Was ist der Gesellschaft die Veränderung der Natur wert?“

Dabei bezieht der Naturschützer ganz klar Position: „Die fünf Millionen Kilowattstunden pro Jahr, die das geplante Wasserkraftwerk am Isarhorn bringen würde, entsprechen der Energie, die Garmisch-Partenkirchen im Winter für die Schneeproduktion verbraucht.“ Solange dafür Wasser auf den Berg gepumpt und gekühlt werde, solange die Skischanze die ganze Nacht angestrahlt werde oder wenn für Olympia 2018 in Schwaiganger künstliche Loipen erzeugt würden, halte er eine Diskussion über Kleinkraftwerke an den letzten intakten Wildbächen im Landkreis für absurd, erklärt Keller. Ohnehin würden EU-Richtlinien in Bayern neue Querverbauungen in Fließgewässern untersagen. Auch das geplante Mittenwalder Wasserkraftwerk würde eine Aufstauung der Isar mit sich bringen, argumentiert Keller, die Flussgestalt verändern und Brutplätze vernichte. Sein Credo: „Wir dürfen nicht auf Kosten der Natur produzieren, ohne alles getan zu haben, um Energie einzusparen“. Durch ein bewusstes Verhalten und kleinere Einheiten könne der Verbrauch um die Hälfte reduziert werden. Ob mit kleineren Autos, die mit Solarenergie betrieben werden, einer besseren Isolierung der Gebäude oder dem Zurückfahren der Heizung, das Sparpotenzial sei enorm.

Ins gleiche Horn stößt Michael Schödl, Geschäftsführer der Kreisgruppe im Landesbund für Vogelschutz. Er verweist auf 20 Prozent Energie-Überproduktion in Deutschland: „Deswegen könnten wir es uns leisten, die im Gespräch stehenden Kernkraftwerke abzuschalten.“ Jede Energieform habe ihre Schwierigkeiten, erläutert Schödl. Fotovoltaik produziere Sondermüll. Biosprit verwandle riesige Flächen in Monokulturen. Immer sei die Frage, ob der Schaden den Nutzen aufwiegt. Sein Verband setzt auf die Verstärkung der großen Wasserkraft. Denn die 4000 kleinen Anlagen in Bayern bringen nur acht Prozent der Leistung. Gemeindewerke seien wegen der Einspeisevergütung an lokalen Kleinkraftwerken interessant, meint Schödl. Aber das Potenzial im Landkreis sei ausgeschöpft. „Letztendlich muss dort etwas gemacht werden, wo es im Gesamtkontext sinnvoll ist, und nicht da, wo es leicht geht.“ Das gelte auch für die Windkraft. Deren Nutzung ist nach einer bayerischen Regelung im Alpenraum nicht geplant. Auch für Schödl stellt sich die Frage, ob „ausgerechnet eine Vogelzug-Schneise im Loisachtal Standort eines Windrads sein muss?“ (es)

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