Fraktion „Mit Profil“,Nunn und Werkleiterim Fokus der Kritik

Wellenberg: Alle Signale stehen auf Bürgerentscheid

Oberammergau - Nunmehr ist es wohl beschlossene Sache: Innerhalb der nächsten drei Monate werden die Bürger Oberammergaus in einem Votum über Schließung oder Fortbestand des Bade- und Freizeitzentrums abstimmen.

Naivität, Verwirrung und Verdummung der Bevölkerung, weltfremdes Vorgehen: Die Bürgerinitiative „Erhalt Wellenberg-Alpenbad“ fährt schwere Geschütze gegen die Mehrheit des Gemeinderates auf. In einer Presseinformation des Bündnisses ist unter anderem davon die Rede, „dass sich der Gemeinderat bisher keine konkreten Gedanken über einen Weiterbetrieb gemacht hat“. Dies führte nun dazu, dass sich die Interessengemeinschaft endgültig entschlossen hat, einen Bürgerentscheid anzustreben.

Am späten Dienstagnachmittag übergaben Vertreter der Initiative 955 Unterschriften von Bürgern (etwa 430 wären notwendig gewesen), die sich für eine weitere Öffnung des Wellenbergs über den 1. Oktober 2010 hinaus aussprechen, an Bürgermeister Arno Nunn. Damit verbunden war ein Antrag zur Durchführung eines Bürgerentscheids.

Gerhard Ostler, Sprecher des Bündnisses: „Wir haben bis zuletzt noch gehofft, dass sich die Mehrheit im Gemeinderat ein bisserl bewegt, doch das ist nicht passiert. Wir trauen denen nicht. Alles ist nur Alibi, was sie erzählen.“

So werden wohl in drei Monaten die Bürger über die Frage entscheiden dürfen: „Sind Sie dafür, dass das Bade- und Freizeitzentrum Wellenberg auch in Zukunft geöffnet bleibt und betrieben wird?“

Noch einmal zur Erinnerung: Aufgrund des hohen Defizits – die Verantwortlichen sprechen von einer Million Euro jährlich – hatte der Gemeinderat Ende November vergangenen Jahres mit 9:9-Stimmen den Beschluss vom Sommer bestätigt, den Betrieb des Wellenbergs in seiner jetzigen Form und Dimension zum 30. September 2010 einzustellen. Für die Schließung votierten Bürgermeister Nunn und die achtköpfige Fraktion „Mit Profil“, während sich die Freien Wähler und Michael Fux (CSU) für eine Aufhebung des Beschlusses aussprachen.

Was Ostler, von 1973 bis Ende 2000 geschäftsführender Beamter der Gemeinde Oberammergau, so erbost, ist die Tatsache, „dass die Leute von Profil und der Bürgermeister immer sagen, sie sind für den Wellenberg, aber noch nie einen Zeitpunkt genannt haben, wann das Bad nach einer Rück- oder Umbaumaßnahme wieder geöffnet werden soll.“ Weiter zieht die Bürgerinitiative deren Ankündigung in Zweifel, bis Ende März über ein entscheidungsreifes Konzept zum künftigen Betrieb der Einrichtung zu beschließen. Ostler: „Das ist in zwei Monaten nie und nimmer zu schaffen, sondern dauert mindestens ein halbes Jahr. Und wer nimmt das bei der Gemeinde in die Hand? Der Bürgermeister? Der Werkleiter? An den entscheidenden Stellen sitzen doch nur Gegner.“

Das Rumgeeiere zwischen Defizitklage, Schließung und Konzepterstellung bezeichnet das Bürgerbündnis „als Verdummung und Verwirrung der Bevölkerung“. Wie sie schon bei der Errichtung des Passionsdaches stattgefunden habe, angesichts einer Kostenüberschreitung von 2,5 Millionen Euro . . .

In der Presseinfo erwähnt die Bad-Initiative übrigens auch ein angebliches neues Gutachten zum Wellenberg. Eine über 100-seitige Machbarkeitsstudie erstellten die Heidingsfelder Architekten („HAI“), für Kosten von 22 000 Euro! Nun soll ein anderes Institut damit beauftragt worden sein, das erste Gutachten zu überprüfen. Gutachter prüft Gutachter . . .

Ludwig Hutter

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