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Am 8. März ist Weltfrauentag.

Sie haben sich zum Teil gegen Widerstände durchgesetzt

Weltfrauentag: Diese vier Persönlichkeiten hinterlassen Spuren im Landkreis

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Vier Frauen, vier prägende Persönlichkeiten. Sie haben viel auf den Weg gebracht im Landkreis. Zum Weltfrauentag porträtiert sie das Tagblatt – was natürlich nur eine Auswahl sein kann.

Neu im Landtag: Tessy Lödermann (vorn links) bei der konstuierenden Sitzung 1990 – neben ihr der 2010 verstorbene Sepp Daxenberger.

Landkreis – Dieser 24. Oktober 1990 ist ein besonderer Tag für Tessy Lödermann. Mit 34 Jahren nimmt die Garmisch-Partenkirchnerin zur ersten Sitzung des Landtags Platz für die Grünen. Sie, die sich als wertkonservativ bezeichnet, gehört 1980 gar zu den Gründern der Partei im Freistaat. „Ich habe ein sehr starkes Gerechtigkeitsempfinden“, sagt sie über ihre Motivation. Verbunden mit einer starken Liebe zur Heimat und zu Tieren. So ist es logisch, dass sie vor zwei Jahrzehnten an die Spitze des heimischen Tierschutzvereins tritt und tatkräftig mithilft, das neue Tierheim aufzubauen.

Bis 1998 sitzt Lödermann im Landtag. „Am Anfang war es schon etwas schwierig. Wir waren halt wenig Frauen.“ Doch die junge Abgeordnete verschafft sich mit ihrer fröhlichen und offenen Art den Respekt der männlichen Kollegen. Die heute 62-Jährige lacht: „Man muss schlagfertig sein.“ 1984 wird sie in den Kreistag gewählt, dem sie mit Pausen bis heute angehört. Die Zeiten hätten sich gottlob für Frauen geändert. „Es ist selbstverständlich geworden, dass sie Bürgermeisterin oder Abgeordnete werden.“ Was aber geblieben ist: „Frauen müssen mehr arbeiten als Männer“, sagt sie über die Belastungen durch Familie und Haushalt.

Medaille fürs Engagement: Die Oberammergauerin Monika Lang erhält sie 2018 von Landrat Anton Speer.

Durch harte Zeiten musste Monika Lang in Oberammergau gehen. Die heute 71-Jährige krempelte die politischen Strukturen in ihrem Heimatort um. Lang gehört zu den Frauen und Männern, die mit Klagen eine Gleichberechtigung beim Passionsspiel erstreiten. 1990 entscheidet der Bayerische Verfassungsgerichtshof, dass die restriktive Praxis rechtswidrig ist. „Das war ein Triumph“, erinnert sich Lang, die seitdem auf der Bühne steht. 

Wobei der Weg steinig war. „Es gab viele Anfeindungen. Das war schon sehr heftig.“ Lang hält durch. „Es hat sich auf jeden Fall gelohnt“, sagt sie. „Es gibt uns ein Gefühl von Gemeinschaft, aus der wir ausgeschlossen waren.“ Die Oberammergauerin engagiert sich politisch und hebt 1990 die Frauenliste mit aus der Taufe. Sofort holen sie drei Sitze, Lang ist dabei. Mit Pausen sitzt sie bis 2008 im Gremium. Derzeit zählt der Rat fünf Frauen. „Es finde es traurig, dass es immer noch nicht mehr sind.“

Kinderheim-Initiatorin Christiane Hertkorn 2017 mit Mittenwalds Bürgermeister Adolf Hornsteiner.

Gleich ein Kinderheim gründete Christiane Hertkorn als private Initiative. 2017 startet das „Mauganest“ in Mittenwald, alle 16 Plätze sind belegt. Die 56-jährige Psychologin ist Geschäftsführerin und Heimleiterin. „Es ist notwendig, so etwas für Kinder anzubieten.“ Als Frau habe sie beim Projekt keine Probleme gehabt. Was auch daran lag, dass die Arbeit im sozialen Bereich eher „als passend angesehen“ werde.

Frontfrau in Ohlstadt: Ingrid Bässler 2006 in ihrem Rathausbüro.

Ingrid Bässler war in Ohlstadt eine politische Pionierin. Sie wird 1992 erste Bürgermeisterin im Landkreis – und behauptete sich 16 Jahre lang. 2008 tritt sie aus Altersgründen nicht mehr an. „Als Frau hat man’s immer schwerer, in diesem Geschäft erst recht“, bilanziert sie vor zwei Jahren. Doch Bässler erarbeitet sich mit Sachverstand und Führungsstärke Akzeptanz und Respekt.

Den heutigen Weltfrauentag begeht Monika Lang natürlich im Dienst der Sache. Sie verteilt mit der Frauenliste Tulpen in Oberammergau. Tessy Lödermann tut das, was sie immer gemacht hat: „Ganz normal meine Arbeit.“


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