Windkraft: Gemeinde und Bürger skeptisch

Großweil - Eine Entscheidung über die Voranfrage zum Bau von Windkraftanlagen im Königberger Forst nahe Großweil wurde in der jügsten Sitzung des Gemeinderates nicht getroffen.

Die Skepsis stand den 80 Besuchern ins Gesicht geschrieben, als der Unternehmer Michael A. Ludwig das Projekt öffentlich vorstellte. Anstelle der bisher fünf geplanten Windkraftanlagen sprach der Vorsitzende der „Ludwig Multimedia AG“ aus Raisting nun nur mehr von drei bis vier Windrädern, wobei er für eine finanzielle Beteiligung der Bürger an dem Projekt warb. Die Windräder hätten eine Nabenhöhe von 140 Metern, die Rotoren eine Länge von 100 Metern. „Die Bürger sollen sich an dieser Anlage beteiligen, damit das Geld in der Region bleibt,“ betonte er. Insgesamt würden etwa zwölf Millionen Euro für das Projekt benötigt. Laut Großweils Bürgermeister Manfred Sporer liegt das fragliche Gelände jedoch im Ausschlussgebiet des Landes- und Regionalplans, in dem keine derartigen Bauten erlaubt sind. Vor allem an diesem Punkt stießen sich die Gemeinderäte und er, auch wenn Ludwig davon sprach, dass die Gemeinde Änderungen im Regionalplan beantragen könne. Rathauschef Sporer interessierte sich unter anderem für den Umfang der nötigen Rodungen und für die Erschließung der Anlage. „Uns reicht eine unasphaltierte Forststraße,“ erklärte Ludwig. Allerdings müssten die 50 Meter langen Rotorblätter angeliefert werden können. Als Rodungsfläche pro Windrad gab er 2000 Quadratmeter an. „Wir haben im nordöstlichen Bereich der Gemarkung ein Vogelschutzgebiet, das weniger als die vorgeschriebenen zwei Kilometer von der geplanten Anlage entfernt ist,“ gab Sporer zu bedenken. Auch sprach er die Geräuschentwicklung der Windräder an. „Die neuesten Turbinen sind deutlich leiser geworden,“ versuchte Ludwig zu beruhigen. „Ich gehe davon aus, dass sie in 1000 Meter Entfernung nicht mehr zu hören sind.“ Um festzustellen, ob auf den Höhenrücken mit genügend Wind und somit entsprechender Rendite zu rechnen sei, müsse zuerst eine Langzeit-Windmessung erstellt werden, sagte Ludwig weiter. Diese schlage mit etwa 45 bis 50 000 Euro zu Buche. Seine Bemerkung, dass Windkraftanlagen ein touristischer Anziehungspunkt seien, wurde mit Gelächter quittiert. „Ich bin durchaus für erneuerbare Energien, aber nicht um jeden Preis,“ erklärte Vize-Bürgermeister Jakob Waas. „Bei uns betrifft das sehr sensible Bereiche. So etwas darf man keinesfalls übers Knie brechen. Mit Wasserkraft kann man wesentlich verträglicher arbeiten“. Auch Gemeinderätin Luzia Schicker äußerte Bedenken: „Ich befürchte, dass irgendwelche Großinvestoren kommen und unsere Heimat benutzen.“ Mit der Gegenstimme von Otto Steingruber beschloss das Gremium, bei der Emmissionschutzabteilung im Landratsamt Garmisch-Partenkirchen anzufragen, wie sie sich als Genehmigungsbehörde verhalten würde, wenn die Gemeinde sich gegen Windkraftanlagen auf dem Königberg aussprechen würde. „Ich hätte gar nicht mehr angefragt, für mich ist die Sache klar,“ sagte Steingruber nach der Sitzung. „Das ist ein Ausschlussgebiet und fertig. Ich hätte heute abgestimmt.“ Ludwig hingegen meinte, dass er das Projekt nur in Kooperation mit der Gemeinde verwirklichen wolle: „Ansonsten ziehe ich mich daraus zurück.“ her

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