Wanderpanorama am Kramer: Bevor Gäste die Berglandschaft genießen können, werden sie mit der Baustellen-Brache am Südportal konfrontiert.

Wollen Sie das nicht sehen, Herr Ramsauer?

Landkreis - Der Bundesverkehrsminister kommt am Montag nur für einen Kurzbesuch nach Saulgrub. Die Baustellen-Brachen am Kramertunnel und am Ortsausgang von Oberau sind kein Thema.

Aufgerissenes Erdreich, aufgetürmte Schuttberge und Baustellen, die teilweise verlassen sind. Kurzum: Die Brachflächen, die sich am Ortseingang von Oberau sowie an den Portalen des geplanten Kramertunnels in Garmisch zeigen, sind einfach nur hässlich. Verschwinden werden sie dennoch nicht so schnell. Denn solange Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer nicht die Mittel für die Ortsumfahrungen freigibt, passiert nichts. Am Montag kommt der CSU-Politiker in den Landkreis. Die beschriebenen Schandflecke - Sinnbild für den Stillstand bei den so dringend benötigten Verkehrsprojekten - wird er dabei aber wohl nicht zu Gesicht bekommen.

Geplant ist eher eine Stippvisite. Ein kurzes Vorbeischauen in Saulgrub. Dort darf die Gemeinde nach 50 Jahren langen Wartens den Spatenstich für die Fertigstellung der Umgehungsstraße feiern. Ein schöner Termin, den Ramsauer so kurz vor den Bundestagswahlen im Herbst gern persönlich wahrnimmt. Landrat Harald Kühn (CSU) will ihm zusammen mit den Parteikollegen und Bürgermeistern Dr. Michael Rapp (Murnau) und Peter Imminger (Oberau) die weiteren Verkehrsprobleme im Landkreis verdeutlichen. „Wir werden auf jeden Fall das Gespräch suchen“, betont Kühn. Ob Ramsauer am Montag dafür Zeit hat, ist aber fraglich.

Wie seine Pressesprecherin Vera Moosmayer mitteilt, sind für den Ministerbesuch eineinhalb Stunden eingeplant - von 12 bis 13.30 Uhr. „Danach geht es weiter nach Oberfranken zum Termin am Höhnbergtunnel.“ Dieser ist Moosmayer zufolge für 15 Uhr angesetzt - wie auch immer Ramsauer, der mit dem Auto unterwegs ist, die rund 330 Kilometer in so kurzer Zeit schaffen will. So oder so: Ein Besuch an den nahezu verlassenen Portalen des Kramertunnels oder bei der nicht enden wollenden Altlastensanierung für die Oberauer Umfahrung ist nicht vorgesehen. Die Pressesprecherin betont aber, dass der Minister beide Projekte gut kenne - „auch aus eigener Anschauung“. Schließlich komme der Minister aus der Region. „Er ist oft dort und kennt die Situation seit Jahrzehnten sehr gut.“

Eine Aussage, die mehr als verwundert. Schließlich hat Ramsauer den Landkreis nicht einmal offiziell besucht, seit er Verkehrsminister ist. Mehrfach wurde er von Kommunalpolitikern eingeladen, sich die prekäre Verkehrssituation persönlich anzuschauen - ohne Reaktion. Geboren wurde er übrigens in Traunwalchen - im 150 (!) Kilometer entfernten Landkreis Traunstein. Um zu verstehen, wie das in der Region sein kann, muss man vielleicht in einem Berliner Büro sitzen.

Ramsauer kann froh sein, dass die Menschen im Landkreis so geduldig sind. Zwar ist derzeit völlig unklar, wann die notwendigen 130 Millionen für den Kramertunnel und weitere 140 Millionen Euro für die Umfahrung Oberau fließen. Mit Demonstrationen muss er im Rahmen seines Saulgrub-Besuchs dennoch nicht rechnen. Weder die Garmisch-Partenkirchner Initiative „2 Tunnel“, noch die Oberauer Kollegen der „VEO“ planen Größeres. Zwar werden „VEO“-Vertreter mit ihren typischen grünen T-Shirts beim Spatenstich zu sehen sein, wie Sprecher Christian Allinger erzählt. Stören wollen sie das Fest aber nicht. „Dieser Tag gehört einfach den Saulgrubern.“

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