Die Spielleut müssen zukünftig ohne Zugpferd Hermann Giefer (Mitte) auskommen.

Giefer hört auf: "Kundschelamant-Spielleut" vor ungewisser Zukunft

Mittenwald - Die Zukunft der „Kundschelamant-Spielleut“ ist mehr als ungewiss. Mit dem Rückzug von Hermann Giefer hat das bekannte Mittenwalder Ensemble sein unbestrittenes Zugpferd verloren.

„Es war eine schöne Zeit, aber jetzt ist sie vorbei.“ Es klingt ein wenig Wehmut aus Hermann Giefers Stimme. An seiner Entschlossenheit ändert das allerdings nichts. Spätestens seit seinem zeitinsiven Engagement bei der Dailysoap „Dahoam is dahoam“ fehlt dem 61-jährigen Vollblut-Schauspieler endgültig die Zeit für Theaterarbeit in Mittenwald.

Seinen Entschluss teilte Giefer seinen Kundschelamant-Freunden während der Jahresabschlussfeier bei Ensemble-Mitglied Gabi Schmid mit. „Wir sind aus allen Wolken gefallen“, erinnert sich Manfred Asal, ein Mann der ersten Stunde. Denn er, Hermann Giefer, Franz Schropp, Georg Sailer und Luitpold Wurmer – für ihn sprang 2002 Sofie Giefer ein – hoben am 6. April 2000 die „Kundschelamant GbR“ aus der Taufe. Mit der Gründung dieser Gesellschaft stellten die fünf den losen Verbund organisatorisch auf gesunde Beine.

Nun aber zogen sich das Ehepaar Giefer und Sailer aus der GbR zurück. Übrig geblieben sind Schropp und Asal. Die beiden versuchen nun, die Erfolgsgeschichte der „Kundschelamanter“ fortzuschreiben. „Da hängt so viel Herzblut und Enthusiasmus drin", betont Asal, „da kann man nicht so ohne Weiteres aufhören“. Gleichwohl versteht der 44-jährige EDV-Fachmann Giefers Beweggründe. Leichter wird’s ohne ihn keinesfalls. „Der Hermann war einfach unser Zugpferd.“ Und möglicherweise auch prominenter Türöffner – beispielsweise bei den Kaltenberger Ritterspielen. Dort machten die Spielleut’ seit Jahren Furore und gleichzeitig Gratiswerbung für Mittenwald.

Von eben dieser prestige- und publikumsträchtigen Veranstaltung hängt nun das Schicksal der geschrumpften „Kundschelamanter“ ab. Bleibt nämlich im November der Anruf oder das Angebot aus Kaltenberg aus, werden die Schotten endgültig dicht gemacht.

Mit anderen Worten: Dann werden die "Kundschelamanter" nicht mehr – wie zuletzt im August 2007 – beim Bozner Markt Einheimische und Urlauber mit ihrem mittelalterlichen Spiel begeistern. Dann gibt’s auch kein „Spectaculum“ in der „Puit“ (2000), geschweige denn professionell inszeniertes Freilicht-Theater (Kundschelamant I und II 1994, 1998 und 2004). Auch die Hans-Sachs-Stücke, die Giefer und Co. in Kaltenberg präsentierten, gehören in diesem Fall endgültig der Vergangenheit an. Mittenwald ist dann um ein kultige Theatergruppe, in der auch bekannte Größen wie Conny Glogger oder Hansi Kraus mitwirkten, ärmer. Ein nicht zu unterschätzender Image-Verlust für die Tourismus-Gemeinde.

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