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Maria Riesch

Zwei Superstars an einem Fleck

Garmisch-Partenkirchen - Maria Riesch und Magdalena Neuner machen ihre Heimat, das Werdenfelser Land, zu einem Ausnahme-Landkreis

Vorneweg ein kleines Rätsel: Was hat die Zahl 14,6 mit der Wahl zur Sportlerin des Jahres zu tun? Auf die Lösung kommen sicher die Wenigsten: Es ist die Entfernung in Kilometern (Luftlinie) zwischen den Wohnorten der beiden Doppel-Olympiasiegerinnen, die in der Gunst der deutschen Sportjournalisten ganz oben stehen. 14,6 Kilometer wohnen Maria Riesch, die neue Sportlerin des Jahres, und Magdalena Neuner, nur um 36 Stimmen auf Rang zwei verdrängt, voneinander entfernt. Damit machen sie ihre Heimat, den Landkreis Garmisch-Partenkirchen, zur deutschen Sporthochburg schlechthin.

Magdalena Neuner

Der Werdenfelser ist ja geneigt, die Erfolge der beiden Aushängeschilder als normal anzusehen. Der gemeine Einheimische wurde durch die Medaillenflut der beiden Top-Athleten auch verwöhnt. Doch eine solche Dominanz ist beileibe keine Selbstverständlichkeit: Welch ein sportlicher Ausnahme-Landstrich die Region zwischen Bad Bayersoien und Mittenwald ist, wurde bei der Sportlerwahl in Baden-Baden deutlich. Riesch und Neuner haben ihre Konkurrentinnen, wahrlich ebenfalls sehr erfolgreiche Sportlerinnen, um Längen distanziert - die Entscheidung war ein Werdenfelser Zweikampf.

Und davon profitiert vor allem die Region - ganz gewaltig sogar: Bessere Werbeträger könnten sich die Tourismus-Chefs nicht wünschen und vor allem niemals kaufen: Welchen Bekanntheitsgrad hätte wohl Wallgau - ein kleines Dorf im Oberen Isartal, knapp 1400 Einwohner -, wenn es Biathlon-Superstar Neuner nicht geben würde? Tippen Sie nur mal den Namen Wallgau bei Internet-Suchmaschinen ein. Sie stoßen sofort auf die siebenfache Weltmeisterin, die auch von der Startseite der Gemeinde herunterlächelt und ihre Olympia-Medaillen präsentiert. An ihr führt in Wallgau kein Weg vorbei.

Garmisch-Partenkirchen, Olympia- und WM-Ort, nimmt freilich eine andere Stellung ein und hat seinen Ruf nicht nur Maria Riesch zu verdanken. Doch steht die Ski-Königin mittlerweile genauso fest verwurzelt als Sinnbild für die Marktgemeinde wie es Rosi Mittermaier tut.

Ein derart erfolgreiches Duo in zwei völlig verschiedenen Disziplinen hat der Landkreis eben noch nicht gesehen. Selbst in Zeiten der großen Bobfahrer, der Eiskunstläufer und der Gold-Rosi - damals ja noch auf der Winklmoosalm daheim - gab es daneben keinen ähnlich erfolgreichen Sportler. Zwei Doppel-Olympiasiegerinnen an einem Fleck - das ist die Krönung.

Und ein Ende der Erfolgsgeschichte ist nicht in Sicht: Riesch gewinnt weiter im Ski-Weltcup, Neuner hetzt mit dem Gewehr auf dem Buckel in Rekordtempo über die Loipen. Beiden Top-Athletinnen stehen schon in diesem Winter wieder Weltmeisterschaften bevor. Riesch darf sie im Februar sogar zuhause feiern, auf den heimischen Hängen. Neues Edelmetall ist nicht nur in Reichweite, sondern ganz klar das Ziel.

Riesch und Neuner könnten auf Jahre hinweg bei der Wahl zur Sportlerin des Jahres ganz vorne mitmischen, so wie es bisher nur Steffi Graf (fünf Auszeichnungen) oder Ulrike Meyfarth (vier) gelungen ist. Neuner hat den Titel schon 2007 abgeräumt nach ihrem Traumeinstand in der Weltelite als dreifache Weltmeisterin. Riesch zog nun gleich. Zwei Stars auf Augenhöhe in einem Landkreis - das ist viel mehr als eine Selbstverständlichkeit.

Christian Fellner

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