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Der Redaktionsleiter des Garmisch-Partenkirchener Tagblatts, Peter Reinbold, reicht Harald Kühn Camembert, den der Landtagsabgeordnete der CSU in mundgerecht Stücke zerlegt und diese danach auf einem Holzbrett drapiert. 

Landtagswahl 2018

Am Herd mit Harald Kühn (CSU): Die Milch macht’s

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Beim Essen lernt man die Menschen gut kennen, heißt es. Das haben wir uns zu Herzen genommen und die zwölf Direktkandidaten für die Landtagswahl aus dem Stimmkreis 131 eingeladen, für uns zu kochen. Heute: Harald Kühn (CSU).

Landkreis – Für die, die ihn schon lange kennen, und dazu zählen neben vielen Parteifreunden auch etliche journalistische Wegbegleiter, ist er berechenbar. Man weiß einfach, was Harald Kühn (54), dessen politischen Werdegang als Bürgermeister von Murnau, als Landrat von Garmisch-Partenkirchen und als Landtagsabgeordneter man miterlebt hat, in gewissen Situationen tut oder nicht tut, sagt oder nicht sagt. Klar war deshalb: Die Verabredung zum Kochen im Kühnschen Haus in Murnau würde abschlägig beschieden werden, weil noch nie ein Pressevertreter einen Fuß über die Schwelle gesetzt hatte. Genau der Fall ist eingetreten. Die öffentliche Person Harald Kühn, auf Wahlveranstaltungen leutselig, eloquent und manchmal sogar witzig und schlagfertig, schützt seine Privatsphäre konsequent. Ausnahmen unmöglich. Für nichts und niemanden. Nicht einmal für den Landtagswahlkampf bricht er mit seinen Prinzipien. „Haben Sie Verständnis“, sagt Kühn, „aber zu Hause bin ich Privatmann. Das will ich auch bleiben.“ Freunden stehe sein Haus freilich jederzeit offen.

Auf neutralem Boden könne man sich gerne treffen. Kühn schlägt die Schönegger Käsealm in Rottenbuch (Weilheim-Schongau) vor. Und ein weiteres Mal tanzt der CSU-Mann aus der Reihe. „Kochen kann ich nicht“, gesteht er. Seine Künste gingen kaum über ein paar Handreichungen hinaus, wenn seine Lebenspartnerin Gabi Rudnicki in der Küche stehe und das Essen zubereite. Zuletzt hat er sich vor ein paar Tagen zusammen mit Rudnicki, die als Museumspädagogin arbeitet, am Herd aufgehalten, als man selbst gesammelte Schwammerl schmorte. Ob es in Ordnung sei, wenn er etwas mit Käse mache? Man einigt sich auf den kleinsten gemeinsamen Nenner. Kühn verspricht eine Käseplatte zu zaubern. Das habe er für Einladungen in seinem Haus schon einige Male getan. Und da wieder eine ansteht, könne er zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.

Landtagskandidat Harald Kühn hat keine Berühungsängste mit dem Käsemesser

Mit dem Käsemesser versteht Kühn umzugehen. Auch das Drapieren bereitet ihm keine Mühe. Das Auge isst schließlich mit. Zu Milchprodukten und Milch besitzt er eine ganz besondere Beziehung. Wann immer möglich, lässt er sich bei Wahlkampfterminen in Gasthäusern von der Bedienung ein Glas bringen. Dass die Parteifreunde feixen und die Zuhörer ungläubig staunen, stört ihn nicht. „Mir schmeckt sie einfach“, sagt er. „Pro Jahr trinke ich sicherlich mehr als 200 Liter. Schön wäre es, wenn sie in jedem Lokal auf der Getränkekarte stehen würde.“ Sein Bierkonsum ist im Vergleich dazu läppisch und kaum der Rede wert. „Mehr als zwei Liter sind’s sicherlich nicht.“

Einigen anderen Lastern hat er schon vor vielen Jahren abgeschworen. Den Kühn in seiner Sturm- und Drangzeit, den zu Beginn seiner politischen Karriere, als er in der Staatskanzlei arbeitete – was mittlerweile mehr als 20 Jahre her ist –, beschreibt er als exzessiven Raucher, Kaffeetrinker und Schokoladenesser. Auf Anraten seines Arztes („Wenn Sie so weitermachen werden Sie Ihren 50. Geburtstag nicht erleben“) hörte er von heute auf morgen damit auf. Die Gefahr, rückfällig zu werden – beim Rauchen war sie groß. „Ich hatte die Zigarettenschachtel in der linken Sakkotasche, das Feuerzeug in der rechten, um für den Fall der Fälle gerüstet zu sein.“ Er konnte sich stets bezähmen, obwohl es für ihn ein „schwerer Weg war. Es ist mir nicht leicht gefallen, aber nach sechs Monaten war alles vorbei.“ Er hatte seine Sucht überwunden, aber 15 Kilo mehr auf den Rippen. Drei Jahre benötigte er, bis er sein Gewicht auf Normalmaß reduziert hatte. „Ich bin froh, dass ich auch das hinter mir habe. Dazu braucht es einen eisernen Willen.“ Und die richtige Ernährung. Hat’s die Milch gemacht? „Das weiß ich nicht. Ich hab’ einfach meine Gewohnheiten verändert.“

Landtagskandidat Harald Kühn hat gern immer die Kontrolle

Selbstdisziplin spielt in seinem Leben seitdem eine große Rolle: „Ich bemühe mich immer darum.“ Kühn wirkt stets kontrolliert. Und er hat gern die Kontrolle. So geschehen als Bürgermeister von Murnau und als Landrat von Garmisch-Partenkirchen. Mitarbeiter, so wird aus dem Landratsamt behauptet, mussten Akten, die er zur Einsicht nach Hause bestellt hatte, vor der Tür ablegen. Gesichert ist, dass sein Büro für Journalisten tabu war, er sie stets im Besprechungszimmer empfing, um zu Themen Stellung zu nehmen. Er gilt als Arbeitstier und bestens informiert – als Aktenfresser soll er dem ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber in nichts nachstehen – und ausgezeichnet vernetzt. Seine Beziehung zum Peißenberger Alexander Dobrindt, als Landesgruppen-Chef der CSU-Fraktion im Berliner Bundestag einer der starken Männer der Christsozialen, beschreiben Insider als eng.

Viele Jahre galt der Politikwissenschaftler gar als möglicher Kandidat für ein Ministeramt oder für einen Posten als Staatssekretär. Ob das ein Ziel sei für die kommende Legislaturperiode, falls er gewählt wird? Kühn winkt ab und zeigt in die Tiefe des Raums. So lang sei die Schlange derer, „die darauf warten und hoffen, berufen zu werden. Ich gehöre nicht dazu. Ich mache die Arbeit als Landtagsabgeordneter genauso gerne und intensiv wie meine früheren Tätigkeiten“.

Mit einem Glas Milch - Kühns absolutes Lieblingsgetränk - stoßen die beiden auf die Brotzeit an.

Die Chance, dass er wieder in Maximilianeum einzieht, stehen gut – trotz der katastrophalen Umfragewerte für die CSU. Der Stimmkreis Weilheim-Schongau, zu dem auch der nördliche Teil des Landkreises Garmisch-Partenkirchen zählt, befindet sich seit Jahrzehnten fest in der Hand der Schwarzen. Kühn kennt die Historie. Dennoch gibt er den Satz zum Besten, den er vor jeder Wahl gebetsmühlenhaft verwendet, den jeder kennt, der den politischen Harald Kühn journalistisch begleitet: „Die Wahrheit liegt in der Urne.“ Wie ist er doch berechenbar.

Die Landtagskandidaten für den Stimmkreis Weilheim im Porträt:

Carsten Pfuhl (Piratenpartei)

Heiner Putzier (MUT)

Dominik Streit (SPD)

Andreas Krahl (Grüne)

Regina Schropp (Bayernpartei)

Susann Enders (Freie Wähler)

Martin Zeil (FDP)

Maike Seewald (V-Partei³)

Maiken Winter (ÖDP)

Rüdiger Imgart (AfD)

Rolf Podlewski (Die Linke)

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