„Ungute Situation“: Alois Kramer junior sieht schwierige Zeiten auf die Bauernschaft zukommen. foto: tomaschek/a.

Landwirte fühlen sich als Bauernopfer

Oberes Isartal - Für Unbehagen sorgen die angekündigten Massen-Untersuchungen bei Rindern bei den Isartaler Weidegenossen. Auslöser ist ein mit TBC infizierter Hirsch.

„Eine ungute Situation.“ Mit diesem Satz bringt es Alois Kramer junior, der Chef der Krüner Weidegenossenschaft, auf den Punkt. Er zielt damit auf die angekündigten Untersuchungen der Isartaler Rinder ab. Auslöser dafür ist ein Hirsch, der im Bereich Soiernspitze/Brandlealm abgeschossen und bei dem die tückische Krankheit Tuberkulose (TBC) diagnostiziert wurde (wir berichteten). Denn es steht zu befürchten, dass sich TBC auf das Vieh der Isartaler Landwirte übertragen könnte. „Das ist für uns Rinderhalter sehr unangenehm“, meint Kramer. „Da werden wir uns zusammensetzen müssen.“

Der „Ferl“ sieht seine Branche im wahrsten Sinne des Wortes als „Bauernopfer. Denn man geht nicht dem Übel an die Wurzel“. Genauer unter die Lupe genommen werden müsste seiner Meinung nach das Rotwild im Karwendelgebiet.

So aber werden demnächst die Landwirte im Oberen Isartal - betroffen sind knapp 60 - Besuch vom Veterinär bekommen. Laut Kramer sollen den Rindern - rund 400 werden auf die umliegenden Almen getrieben - dann TBC-ähnliche Allergene gespritzt werden. Tritt innerhalb von drei Tagen eine Reaktion ein (eine Schwellung), sprechen die Experten von einem Verdachtsfall. Das wiederum könnte unangenehme Folgen für den betroffenen Landwirt haben. Denn dann droht die vorübergehende, wochenlange Schließung des Betriebs. Das wiederum bedeutet: kein Verkauf, keine Milchauslieferung. Mit anderen Worten: kein Umsatz. „Das ist schon eine Belastung für den Betrieb“, betont Johannes Niklas von den Wallgauer Weidegenossen, der zehn Standeskollegen in seiner Heimatgemeinde vertritt. Von einem „sehr starken Eingriff“ spricht sogar Alois Kramer. Immerhin sind die Landwirte über die sogenannte Tierseuchen-Kasse versichert.

Ein schwacher Trost für den „Ferl“. Denn er weiß aus Erfahrung, dass sich bei einem angeblich TBC-infizierten Rind die Krankheit in der Regel nicht bestätigt. „Daher wäre es wünschenswert, wenn ein reiner Verdachtsfall nicht gleich eine Betriebssperre nach sich ziehen würde.“

Die Massen-Untersuchungen sind wirklich eine heikle Sache. Das findet auch Peter Reindl, Sprachrohr der 40 Landwirte in der Mittenwalder Weidegenossenschaft. „Aber was willst machen? Wir können die Tiere ja nicht im Stall lassen, wir brauchen die Weide.“ Ansonsten würde irgendwann das Futter knapp werden. Und zum Erhalt der alpinen Kulturlandschaft sind die grasenden Vierbeiner auf den heimischen Almen unerlässlich, wie Johannes Niklas ergänzt.

Übrigens: Als möglicher Übertragungsherd werden immer wieder Salz-Lecksteine ins Spiel gebracht. Diese sollten idealerweise nicht für Rotwild und Rindvieh gleichzeitig zugänglich sein. Laut Reindl galt die Tier-Tuberkulose im bayerischen Alpenraum als ausgerottet. Daher seien die Rinder auch nicht mehr gegen TBC geimpft worden. Möglicherweise muss hier ein Umdenken erfolgen. csc

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