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Schutz fürs Schwarzenfeld: Mit den Arbeiten am Umlenkdamm soll in einigen Monaten begonnen werden. Vorausgegangen sind zähe Verhandlungen zwischen Gemeinde und Behörden.

Nach 17 Jahren endlich die gute Nachricht

Lawinenschutz: Im Herbst wird Rainlähne entschärft

Mittenwald - Gute Nachricht für alle Mittenwalder: Mit der seit 17 Jahren geforderten Lawinen-Verbauung in der Karwendelrinne soll in einigen Monaten begonnen werden. 

Der Lawinenschutz in der Rainlähne – ein Dauerbrenner in der Mittenwalder Lokalpolitik. Angesichts des ungeahnten Behörden-Ping-Pongs kann man sogar von einem regelrechten Politikum sprechen. Beinahe zwei Jahrzehnte lieferten sich die Fachbehörden untereinander und mit der Marktgemeinde ein Hickhack. Mal ging’s um den Naturschutz, mal um die Kosten. Die Folge: In schöner Regelmäßigkeit musste ein bereits anvisierter Baustart wieder auf unbestimmte Zeit verschoben werden.

Da ging irgendwann auch dem Bürgermeister die Hutschnur hoch. „Das Leben und die Gesundheit unserer Bürger, unserer Urlaubsgäste und der Durchreisenden auf der B 2 sollten nicht vergessen werden“, mahnte Adolf Hornsteiner (CSU) im Sommer 2014 wegen der nervtötenden zeitlichen Verschleppungen.

"Der Vertrag ist unterschrieben"

Doch damit hat es nun offenbar ein Ende: „Der Vertrag ist unterschrieben“, bestätigt ein erleichterter Rathauschef. Frohe Kunde gibt’s auch aus dem federführenden Wasserwirtschaftsamt in Weilheim. „Wir gehen davon aus, dass wir im Herbst mit dem Bauen anfangen können“, teilt der zuständige Abteilungsleiter Johannes Riedl mit. Mit anderen Worten: Die sogenannten Umlenkdämme – ein großer und ein kleiner – oberhalb der Bundesstraße 2 werden endlich angepackt. Ursprünglich sollte mit dem gigantischen Erdwall im Mai 2012 begonnen werden. Doch damals trat der staatliche Naturschutz auf den Plan. Dieser sah in dem neuralgischen Gebiet den Fortbestand der dortigen Fledermäuse, Kauze und Spechte sowie streng geschützter Pflanzen (Frauenschuh) durch das Vorhaben gefährdet. Derlei Bedenken scheinen – zumindest im Umlenkdamm-Bereich – nun endgültig vom Tisch zu sein.

Nach zähen Verhandlungen ist auch Geldfrage geklärt

Auch das Thema Geld, lange Zeit der Knackpunkt mit der Gemeinde, ist nach zähen Verhandlungsrunden gelöst – offenbar ganz im Sinne des Bürgermeisters. „Mittenwald kann zufrieden sein“, betont Hornsteiner, der den Gemeinderat über das geschnürte Finanzpaket in nicht-öffentlicher Sitzung abstimmen ließ. Mit großer Mehrheit (zwei Gegenstimmen) segnete das Gremium den vorgelegten Kostenplan ab. Demnach muss der Mittenwalder Steuerzahler 15 Prozent der Investionssumme für den Umlenkdamm (2,8 Millionen Euro) berappen – also 420 000 Euro. Den Rest übernehmen der Freistaat (70 Prozent) und der Bund (15 Prozent). Ursprünglich sollte der Markt Mittenwald 35 Prozent schultern. Ähnlich wie seinerzeit bei der Karwendelröhre konnte Taktierer Hornsteiner die Kosten für die Marktgemeinde spürbar senken.

Ein weiterer Coup gelang ihm beim zweiten Bauabschnitt, der Realisierung einer Sprenganlage im Lawinen-Anrissgebiet. Die Summe von 430 000 Euro übernimmt demnach zu 100 Prozent der Bund, weil durch das gezielte, künstliche Auslösen einer Lawine ausschließlich Bundeseigentum, die B 2, geschützt wird, so die Argumentation der Kommune.

Noch Naturschutz-Fragen zu klären

In Sachen Lawinen-Auslösung sind laut Riedl noch nicht alle Details geklärt. Doch er zeigt sich zuversichtlich, bald eine positive Nachricht aus dem Landratsamt zu erhalten. Auch dabei geht es vornehmlich um Naturschutz-Fragen. Denn in dem hochalpinen Areal tummeln sich anscheinend Schneehühner. Zudem sind von dem Projekt zwei Steinadler-Reviere betroffen, und ein Wanderfalke soll auch bereits dort oben seine Kreise gezogen haben.

Doch wie soll die Sprengbahn aussehen: Riedl zufolge werden neben einer Schneemess-Station – ein etwa zwei Meter hoher Mast – drei zirka zwei Meter hohe „Pilze“ errichtet. Auf denen befinden sich Kapseln mit einem Wasserstoff-Luft-Gemisch. Dieses kann bei Bedarf gezündet werden. Durch den Knall entsteht eine Druckwelle, die bedrohliche Schneemassen in der Rainlähne in Bewegung bringen. Durch den Umlenkdamm werden sie nach unten in sichere Bahnen gebracht.

„Wir sind froh, dass es endlich losgehen kann“, meint Riedl nach 17 Jahren Verhandlungen. Auslöser der Rainlähne-Debatte war ein dramatisches Ereignis im Frühjahr 1999. Damals schob sich eine Staublawine bedrohlich nah an das Mittenwalder Wohngebiet im Schwarzenfeld.

Christof Schnürer

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