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Recht unfreundliche Wetterbedingungen herrschten bei der Montage der Messstation, die nun im Zehn-Minuten-Takt exakte Daten in die Lawinenwarnzentrale sendet.

Kosten übernimmt der Freistaat

Lawinenwarnung: Neue Messtation im Pürschlinggebiet

Unterammergau - Hightech an der Kuhalm: Nach der Stilllegung der Anlage am Laber gibt es nun eine neue Schneemessstation im Pürschlinggebiet. 

Sie liefern präzise, wichtige Daten. Rund um die Uhr. Die Experten der Lawinenkommissionen sind auf diese Informationen angewiesen, um Entscheidungen treffen zu können. Entscheidungen, bei denen es mitunter auch um Leben oder Tod geht. Nach der Stilllegung der Anlage am Laber vor rund fünf Jahren hat jetzt der Lawinenwarndienst (LWD) Bayern sein Netz an Messstationen, das sich über den gesamten Alpenraum erstreckt, im Ammertal wieder vervollständigt und eine neue Station an der Kuhalm im Pürschlinggebiet errichtet. Die Gesamtkosten von 50 000 Euro, die komplett der Freistaat trägt, sind gut anlegt. Das sieht auch Walter Schmid von der Lawinenkommission Ammertal so: „Wir bekommen nun aktuelle Daten aus unmittelbarer Nähe zu unseren Zuständigkeitsgebieten, insbesondere über den Weg zum Pürsching.“ Dieser muss im Winter oft mehrmals wegen Lawinengefahr gesperrt werden.

„Der Pürschling spielt im Messnetz des Bayerischen Lawinenwarndienstes eine zentrale Rolle“, verdeutlicht Dr. Christoph Mitterer, der aus Unterammergau stammt und beim LWD das Projekt „Modernisierung“ leitet. Zusammen mit seinem Kollegen Henry Schmölz hat er die neue Schneestation konzipiert und realisiert. Aktuell unterhält der LWD 19 Messstationen vom Allgäu bis hinüber ins Berchtesgadener Land.

Seit dem Winter 2014/15 versorgt Hubert Spindler, Wirt am Pürschling, die Lawinenwarner in München mit wertvollen Wetterinformationen. Jeden Morgen um 6.15 Uhr (!) gibt er exakt Auskunft über Neuschneemenge, Wind, Temperatur und besondere Ereignisse wie Abgänge von Schneebrettern. Trotz der frühen Telefonate begrüßt der Hubbi die Anrufer jeden Tag mit einem fröhlichen „Guadn Morg’n“ . . .

Nach der Auflassung der Station am Laber waren für die Ammergauer Alpen zuletzt nur noch Messwerte vom Tegelberg verfügbar. Die neue Anlage an der Kuhalm, die von Unbefugten nicht betreten werden soll, besteht aus zwei Masten, auf denen neben der Temperatur und Feuchte, die Schneehöhe, der Wind, die Strahlung, der Niederschlag und die Oberflächentemperatur gemessen werden. Die gesamten Messwerte laufen im Zehn-Minuten-Rhythmus via Handynetz direkt bei der Lawinenwarnzentrale in München ein und werden dann online gestellt. Mitterer abschließend: „Damit ist diese Station in ihrer Ausstattung sehr umfassend und modern angelegt. Sie liefert auch Daten für ein derzeitiges Modellierungsprojekt des LWD. Die Wetterdaten werden genützt, um mit einem Computermodel eine Schneedecke nachzubilden. Diese simulierte Schneedecke wiederum hilft den Lawinenwarnern bei ihrer Entscheidungsfindung.“

Ludwig Hutter

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