Gleich geht’s rauf: Suchhund Balu muss warten, bis Andi Schütz sein Gurtgeschirr angelegt hat. fotos: pritzl

Leben retten mit der Spürnase

Garmisch-Partenkirchen - Suchhundestaffel Hochland trainiert eine Woche im Alpspitzgebiet - Andi Schütz aus Krün und Balu treten zur C-Prüfung an

Balu ist etwas angefressen. Er muss am Pistenrand warten, während seine Kollegen fleißig trainieren. Dabei macht es doch so Spaß, im Schnee vergrabene Menschen aufzuspüren. Also wird erst Mal eine Runde aus Protest gejault. Er ist ja schließlich zur Fortbildung hier. Zusammen mit seinem Herrchen Andi Schütz muss Balu einen einwöchigen Trainingskurs im Alpspitzgebiet absolvieren. Der bald vierjährige Schäferhundrüde und der 26-jährige Krüner gehören der Suchhundestaffel Hochland der Bayerischen Bergwacht an.

Bilder: Leben retten mit der Spürnase

Jedes Jahr müssen beide zur Auffrischung und Prüfung. „Auf dem Programm stehen Lawinenkunde, Umgang mit dem Verschüttetensuchgerät, Hundepsychologie und -haltung, alles was dazugehört“, erklärt Schütz. „Aber auch Hubschrauberfliegen, Pistenraupen- oder Skidoofahren.“ Die meiste Zeit nehmen jedoch die praktischen Suchübungen ein.

Dann geht’s runter: Abseilen aus dem Heli.

Mit dem Helikopter werden Hund und Bergwachtler zu einem simulierten Lawinenunglück abgeseilt. Dort sind die „Opfer“, die sogenannten Figuranten, im Schnee vergraben. Dann sind Balu und seine tierischen Kollegen an der Reihe: Fährte aufnehmen, suchen, graben. Für die Verschütteten geht es im Ernstfall um Leben und Tod, „für die Hunde ist es ein Spiel“, sagt Schütz, der seit mittlerweile zehn Jahren ehrenamtlich bei der Bergwacht in Krün arbeitet. „Deswegen brauchen sie danach auch unbedingt Bestätigung.“ In seiner Jackentasche hat er daher immer Leckerli griffbereit. „Er muss merken: ,Das hab’ ich gut gemacht!‘“

Im Kampf um wertvolle Minuten sind die Retter trotz moderner Ortungsgeräte auf die feinen Nasen der Vierbeiner angewiesen. Aber auch deren Gehör hilft ihnen bei der Suche. „Unter dem Schnee kannst du schreien wie du willst, wir Menschen hören das nicht. Der Hund schon.“

15 Hundeführer gehören der Staffel Hochland an, fast alle haben Schäferhunde. „Die haben die optimale Größe“, erklärt Staffelleiter Rudi Kolb. „Das Fell ist nicht zu lang und nicht zu kurz. Sie haben eine dicke Unterwolle, dass heißt, sie frieren nicht. Als Hütehunde verfügen sie zudem über den nötigen Suchtrieb.“

Die Ausbildung dauert drei Jahre, dementsprechend früh beginnen die Tiere mit dem Training. „Bis zur ersten Prüfung dürfen sie zwischen einem und drei Jahren alt sein“, sagt Schütz. Insgesamt gibt es drei Prüfungsstufen: A, B und C. Balu hat sozusagen den B-Schein. Wenn er die Woche gut absolviert, wird er zum C-Hund, ein Vollprofi quasi. „Wenn wir bestehen, gibt’s einen großen Knochen.“ Schütz und sein Hund sind ein Herz und eine Seele, ein bisschen Raufen und Knurren muss aber auch mal drin sein. „Pures Macho-Gehabe“, wiegelt Schütz grinsend ab.

Der Hubschrauber steht bereit. Jetzt ist Balu endlich an der Reihe, das Geschirr hat er schon an. Nun muss er nur noch warten, bis sein Herrchen sein eigenes übergestreift hat. Dann geht’s endlich in die Luft.

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