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Über die Schulter lässt sich Uschi Winsi in ihrer Keramikwerkstatt schauen.

Veranstaltung der Werbegemeinschaft

Lebendige Werkstätten: Vielfalt statt Massenware

Garmisch-Partenkirchen - In Partenkirchen tut sich was: In die historische Ludwigstraße zieht wieder Leben ein. Vor allem ein Verdienst der Werbegemeinschaft „Partenkirchen erleben“, die das Projekt „Lebendige Werkstatt“ ins Leben gerufen hat. Der Auftakt wird am Samstag mit einem Eröffnungsfest gefeiert.

Wie wird aus einer Kakaobohne eine Tafel Schokolade? Wie entsteht aus Holz und Leim ein Streichinstrument? Wie stellt man aus einem Klumpen Ton ein Geschirrservice her? All diesen Fragen kann man im Partenkirchen auf den Grund gehen. Um die traditionellen Handwerksbetriebe und Geschäfte im historischen Ortsteil der Marktgemeinde den Einheimischen und Touristen wieder stärker ins Gedächtnis zu rufen, haben Franz Kässer und Anton Krätz von der Werbegemeinschaft „Partenkirchen erleben“ – in Zusammenarbeit mit der Gemeinde – das Projekt „Lebendige Werkstatt“ ins Leben gerufen. (wir berichteten.). Dabei veranstalten hiesige Geschäftsleute und Handwerker in regelmäßigen Abständen einen Tag der offenen Tür und gewähren dabei Blicke hinter die Kulissen. Der Auftakt wird am Samstag, 23. Juli, mit einem Eröffnungsfest gefeiert.

Die 39 Partenkirchner Unternehmer, die an der Aktion teilnehmen, präsentieren an diesem Tag ihre Geschäfte. Neben klassischen Handwerksbetrieben sind auch Boutiquen oder die Bücherei Partenkirchen mit von der Partie. Die große Anzahl der Teilnehmer freut Kässer sehr. Er hofft, dass die Aktion einen Anreiz dafür bietet, dass sich wieder mehr Geschäftsleute in der Ludwigstraße niederlassen. „Das Konzept findet großen Anklang“, sagt er lächelnd. „Es wäre schön, wenn mehr nachziehen.“ Für den Inhaber der Chocolaterie Amelie hat Partenkrirchen „einen ganz speziellen Flair“. Nach seiner Meinung sind es gerade die kleinen Läden und Werkstätten, die Partenkirchen so besonders machen. „Man findet hier keine Massenware, sondern eine Vielfalt an individuellen Produkten.“

Auch Marko Wanke ist von dem Projekt überzeugt. Er ist als Organisator in das Projekt eingestiegen. Touristen und Einheimische dürfen sich beim „Kick off“ am Samstag „auf einige Attraktionen freuen“, sagt er. Neben vielen Kunst-Ausstellungen – unter anderem präsentieren die Mitglieder der Künstler-Gruppe „Die jungen Wilden“ ihre Werke – baut Franz Jäger am Kirchplatz einen riesigen Steinbock aus Holz-Latten. Passanten dürfen Hammer und Nägel in die Hand nehmen und ihm dabei helfen. Am Ende des Tages wird die Skulptur versteigert.

Dem Konzept der Lebendigen Werkstätten getreu, ist auch der Shuttlebus, der am Festtag von 11 bis 17 Uhr zwischen Garmisch und Partenkirchen fährt und an den verschiedenen Stationen Halt macht, etwas Besonderes. Dabei handelt es sich nämlich um einen alten, amerikanischen Schulbus. Zur Unterhaltung der Passagiere spielen während der Fahrt vier Bläser klassische Musik. Auch für das leibliche Wohl ist gesorgt. An verschiedenen Ständen können sich flanierende Spaziergänger mit herzhaften und süßen Speisen versorgen.

Das vielfältige Angebot bei der Eröffnungsfeier soll laut Kässer möglichst viele Besucher in die Ludwigstraße locken. Das Hauptaugenmerk liege dabei dennoch auf den Geschäften. „Wir wollen die Aufmerksamkeit der Leute schulen“, sagt er. Viele wüssten nach Kässer gar nicht, dass es in Partenkirchen einen Schuster, Bildhauer, oder sogar Geigenbauer gäbe. „Mir war das selber nicht bewusst.“

Einen Blick hinter die Kulissen gewährt auch der Chocolatier selbst. Dabei dürfen Besucher Schokoladentafeln herstellen und diese anschließend verspeisen. Auch Uschi Winsi lässt sich in ihrer Töpferei über die Schultern schauen. Sie findet es wichtig, dass die Menschen wieder einen Bezug zu der Ware bekommen, die sie kaufen. „Sie sehen, dass meine Arbeit in dem Geschirr steckt, und ich nicht irgendwo produzieren lasse“, sagt sie. „Dadurch schätzen sie die Produkte mehr.“ Der Vorsitzende der Werbegemeinschaft, Anton Krätz, lädt Interessierte dazu ein, in seiner Bäckerei Brezen nach traditioneller Art – wie anno dazumal– zu backen. Er ist sich sicher, dass Handwerk immer mehr im Kommen ist. „Die Menschen wollen mehr Qualität statt Quantität“, glaubt er. „Dafür ist das traditionelle Handwerk der Inbegriff.“

Magdalena Kratzer

Weitere Informationen:

Die Lebendigen Werkstätten feiern am Samstag, 23. Juli, von 11 bis 17 Uhr Eröffnung. Info-Broschüren liegen bei der Tourist-Info Garmisch-Partenkirchen aus. Ein „Stadl“ am Kirchplatz (Ludwigstraße) informiert zusätzlich über die einzelnen Aktionen.


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