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Ein hollywood-reifes Traumpaar: Bräutigam Nepomuk Edelstoff (Regina Kriner) gibt seiner Braut Emerenza Jägermeister (Richard Zahler junior) ein Küsschen. Diesen emotionalen Höhepunkt verfolgen (v. l.) Standesbeamter Nasenbeni Tintengluck (Anneliese Kriner) und der Trauzeuge (Christina Pogrzeba).

Einfach spaßig: Bettelhochzeit in Krün

Küsschen für die Braut

Krün - Na endlich: Emerenzia und Nepomuk haben Ja gesagt. Das Glück der beiden Verliebten haben am Faschingssonntag rund 500 Festgäste der Krüner Bettelhochzeit miterlebt.

Bereits um 10 Uhr haben sich die ersten Schaulustigen am Dorfplatz eingefunden. Jeder in Krün spürt es förmlich: Dieser Faschingssonntag ist ein besonderer Tag – Bettelhochzeit ist angesagt. Was diese Feier so speziell macht, ist der Geschlechtertausch. Und so tummeln sich die Weiberleit als Mannsbilder. Die Herren wiederum werfen sich in fesche Dirndl. Verkehrte Welt im G7-Dorf. 

Jeweils ein Pferdegespann zieht die Brautchaise und den Küchenwagen mit der Aussteuer – sinnigerweise ein Schlafzimmer – und dahinter reihen sich die Hochzeitsgäste ein. Auch die Wallgauer Verwandtschaft darf nicht fehlen. Der Trommlerzug der Gebirgsschützen rückt als Frauenkompanie an. Um 13 Uhr wird’s ernst: Die Hochzeitsgesellschaft, angeführt von Hochzeitslader Sylvester Bocksbeutel (Hans Baur), zieht über den Dorf- und Rathausplatz zur Trauung auf den Kirchplatz. Dort wartet der Standesbeamte Nasenbeni Tintengluck (Anneliese Kriner) und der Marktschreiber (Verena Mandl) auf das Brautpaar Emerenzia Jägermeister (Richard Zahler junior) und Nepomuk Edelstoff (Regina Kriner). Was folgt, ist eine Lachnummer ohne Ende.

 „Es war nicht einfach, dass Brautpaar zusammenzubringen“, meint der Zeremonienmeister. „Denn beide waren sehr widerspenstig.“ Immer wieder wird die Vermählung durch das unflätige „Halt’s Maul“ unterbrochen, mit dem der Bräutigam seine Zukünftige zurechtstutzt. Herrlich die Befragung der beiden, ob sie überhaupt den Bund der Ehe eingehen wollen. Die Braut wedelt mit ihrem Gesteck, eine Wetterkerze mit wilden Kräutern, und sagt schließlich ebenso Ja wie der Bräutigam. „Somit erkläre ich Euch vor den zwei tramhapperten Zeugen (Christian Hormuth und Christina Pogrzeba) als rechtmäßige Eheleute“, beendet der Standesbeamte die Zeremonie. „Ihr dürft Euch jetzt küssen, aber der Bleschl bleibt drinnen.“

 Peinlich, dass nach dem Kuss die Ringe fehlen. Doch die vom Standesbeamten bezeichnete „Verkopulierung“ klappt doch noch: Das Brautpaar malt sich die Ringe einfach mit einem Filzstift auf die Finger. Zur Feier des Tages singt auch ein Kinderchor. „Das sind die Unehelichen unserer Brautleute“, teilt der Hochzeitslader mit. Intoniert wird unter der Leitung von Heidi Holzer „Wann I amal heirat...“ und „Dirndl, willst an Edelmann“. Danach führt die Damenkapelle Krün die Gesellschaft ins Kurhaus.

 Dort warten eine opulente Hochzeitstafel und viele Gäste auf das Brautpaar. Die Plattler des Trachtenvereins – natürlich in umgekehrten Rollen – führen Tänze vor, und die Gebirgsschützen unter Leitung von Andreas Hofer (Ingrid Reindl) schießen Salut. Nach dem Anschneiden der Hochzeitstorte – das Brautpaar nimmt dazu einen Säbel – taucht noch ein enttäuschter Liebhaber (Sylvia Käufer-Schropp) der Braut auf und stiftet kurzfristig Verwirrung. Die Idee zu dieser Inszenierung – die Feuerwehr marschiert als Jungfrauenbund und die Tennisdamen als Junggesellen mit – hatten die Faschingsfreunde Krün. Der ehemalige Spielleiter der Theatergruppe, Franz-Paul Reindl senior, hatte das alte bayerische Stück neu bearbeitet. 

Bettelhochzeit in Krün: Das sind die Bilder

Wolfgang Kunz

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