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Gottesdienst mit ernstem Thema: Bei der Feldmesse kommt die Flüchtlingskrise zur Sprache.

Musik-Dirigent vergisst Zeitumstellung

Leonhardi-Ritt mit weiblicher Note

  • Manuela Schauer
    vonManuela Schauer
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Unterammergau - Tradition pur: 5000 Zuschauer verfolgten am Sonntag den 52. Leonhardi-Ritt in Unterammergau. Zum ersten Mal konnten sie einen Wagen mit besonderer Fracht bestaunen.

In aller Früh klingelte bei den meisten der Wecker. Schließlich mussten die Pferde schick gemacht werden für ihren großen Tag. Die eine Stunde mehr Schlaf kam da gerade recht. Vorausgesetzt man vergisst nicht, die Zeiger zurückzudrehen. Michael Bocklet ist so ein Kandidat, der nicht dran gedacht hat. Kein Wunder, dass der Dirigent der Musikkapelle Oberammergau und seine Familie am Sonntag saftig zu früh in Unterammergau eintrafen. Aber: Besser zeitig als zu spät. Das haben sich auch die rund 5000 Zuschauer des Leonhardi-Ritts gedacht, die schon den Straßenrand säumten, ehe sich der Zug im Dorf in Bewegung setzte. Und der konnte sich auch heuer sehen lassen.

„Es ist ein Festtag fürs Ammertal und darüberhinaus“, betonte Landrat und Vorsitzender der Leonhardigesellschaft, Anton Speer. Begleitet von der Musik der Ammertaler Musikkapellen und Trommlerzüge trabten 140 Ross – geschmückt mit Blümchen und Schleifen in Mähne und Schweif – in Richtung Kappelkirche. Dazwischen fuhren die zwölf Kutschen und festlichen Wagen. Einer davon hatte heuer eine ganz besondere Fracht – eine komplett weibliche.

Ausgehend vom Unterammergauer Trachtenverein schlüpften erstmals 14 Frauen – auch aus Bad Kohlgrub und Altenau – in ihre Kirchentracht, beteten den Rosenkranz und ließen sich dabei von einem Gespann zur Feldmesse kutschieren. „Die Idee dazu bestand schon länger“, erzählte Martina Köpf. Heuer hat’s endlich geklappt. An fünf Abenden im Vorfeld kamen sie zusammen, um alles vorzubereiten. Dass sich viele neugierige Augen auf die Leonhardi-Ritts-Neulinge richteten, störte kaum einen von ihnen. „Wir sind viel fotografiert worden“, sagt die 38-jährige Unterammergauerin, während sie nach dem Gottesdienst auf der Kappel mit ihren Kameradinnen mit einem Stamperl Schnaps anstößt. „Aber das fühlt sich irgendwie schön an.“ Premiere also geglückt.

Deshalb hofft sie auch, dass das nicht nur eine einmalige Sache war und sich auch nächstes Jahr wieder ein paar Frauen zusammenfinden. Die Einstellungskriterien wären ganz leicht, fügt Marianne Solleder lachend hinzu: „Man braucht ein Gwand, einen Hut, Freude und den Willen.“ Das war’s. Gute Voraussetzungen, dass eine Fortsetzung folgt. Anton Speer würd’s freuen. „Die haben eindrucksvoll ausgeschaut“, sagte der Leonhardi-Chef stolz.

Diesen Tag lässt er sich aber ohnehin nicht verderben. Während er als Landrat von Termin zu Termin hetzt, legte er am Sonntag mehr oder weniger eine Amtspause ein. „Hier bin ich der Leonhardi-Vorstand“, sagte er grinsend. Der private Anton Speer, der sich vor seinem Haus in der Dorfmitte positioniert und den Reitern dankend zunickt, loslacht und selbst Scherze macht.

Das kommt als Landrat derzeit nicht allzu oft vor. Die Flüchtlingskrise bereitet ihm Sorgen. Ein Thema, das auch Kurat Alfons Lay bei der Feldmesse in den Mittelpunkt rückte. „Das ist eine Völkerwanderung“, machte er deutlich. „Wir müssen helfen, aber wir können nicht alle aufnehmen.“ Ihm zufolge reiche es nicht, zu sagen „wir schaffen das schon“. Der Geistliche fordert politische Vernunft, die es ebenso braucht wie den Heiligen Geist, um dieses Problem zu lösen. Speer nickte zustimmend – diesmal mit ernster Miene.

Leonhardi-Ritt in Unterammergau: die Bilder

25.10.15; Leonhardiritt Unterammergau;von UGau zur Kappel-Kirche Heilig Blut;Frauen aus UGau, Altenau, Bad Kohlgrub;
25.10.15; Leonhardiritt Unterammergau;von UGau zur Kappel-Kirche Heilig Blut;
25.10.15; Leonhardiritt Unterammergau;von UGau zur Kappel-Kirche Heilig Blut;Kurat Alfons Lay, Diakon Gerhard Titze;
25.10.15; Leonhardiritt Unterammergau;von UGau zur Kappel-Kirche Heilig Blut;aus Wildsteig;
Leonhardi-Ritt in Unterammergau: die Bilder

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