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Beeindruckende Kulisse: Von der Ortsmitte Unterammergaus bis zur Wallfahrtskirche Heilig Blut führt der Leonhardi-Ritt.

Gelebte Tradition in Unterammergau

Leonhardi-Ritt: Ein Treffen der Generationen

Unterammergau - Der Leonhardi-Ritt in Unterammergau und seine prächtig geschmückten Pferde ziehen einmal mehr zahlreiche Besucher an. Diese sehen eine Tradition, die auf eindrucksvolle Art gelebt wird. 

Der Leonhardi-Umritt in Unterammergau verbindet Generationen. Enkelkinder nehmen mit ihren Großvätern daran teil, Babys werden schon im Kinderwagen von ihren Eltern mitgenommen. Aus gutem Grund: Für die Schaulustigen – Einheimische, Gäste aus den Nachbarorten und ebenso Besucher, die eine lange Anfahrt auf sich nehmen – gibt es jede Menge zu sehen: an die 100 herausgeputzte Rösser mit aufwendigen Frisuren und bunt geschmückten Schweifen. Kaltblüter, Friesen, Haflinger, Isländer, Schettland-Ponys und sogar kleine Falla Bellas sind am Sonntag mit von der Partie, als sich der Festzug zu Ehren des Heiligen Leonhards von der Pfarrkirche zur Kappel hinaufbewegt.

Dabei sind bei Weitem nicht alle Pferde entspannt: Einige tänzeln aufgeregt und fordern von ihren Reitern vollen Einsatz. Einige erfahrene Rösser dagegen, die den Leonhardi-Ritt schon zum wiederholten Mal erleben, scheinen sogar Freude an der Veranstaltung zu haben. Sie zeigen sich unberührt von der Musik der verschiedenen Kapellen, sodass ihre Reiter die eine oder andere kurze Unterhaltung führen können. Ein Oberammergauer Pferdebesitzer weiß aus Erfahrung: „Pferde mögen Musik, nur keine Trommeln.“

Heiliger Leonhard als Fürsprecher bei Gott

Nach dem Umritt versammeln sich alle Teilnehmer auf der großen Wiese hinter der Kappelkirche, wo Dekan Thomas Gröner die Festmesse mit anschließender Segnung zelebriert. In seiner Predigt spricht der Pfarrer des Pfarrverbands Oberammergau über die Fesseln der heutigen Zeit, „von denen uns viele gar nicht bewusst sind“. Als Beispiel nennt Gröner Fernsehgerät, Handy, Bankkonto, Auto, Internet und Schönheitsideal. Doch könne der Heilige Leonhard jeden davon befreien, indem er jedem ein Fürsprecher bei Gott sei und so „in eine neue Freiheit hineinführt“. Die Begegnung mit Gott sei der wahre Schatz, für den es sich lohnt, alle Kräfte zu mobilisieren. Das dürfte der Heilige Leonhard getan haben. Denn nur durch seine „unbändige Gottesbeziehung“ ist es nach den Worten Gröners zu erklären, dass er fast 1500 Jahre nach seinem Tod immer noch verehrt wird.

Und das auf eindrucksvolle Art und Weise, wie am Sonntag einmal mehr in Unterammergau zu erleben war – bei bester Witterung. Denn während kurz vor der Veranstaltung der Himmel über Unterammergau noch wolkenverhangen war, riss er pünktlich zum Umzugs-Auftakt auf. Dies genossen neben den vielen Familien auch in diesem Jahr Politiker wie Landrat Anton Speer, die Landtagsabgeordneten Harald Kühn (CSU) und Florian Streibl (Freie Wähler) sowie einige Bürgermeister und Altbürgermeister aus dem Ammertal. 

Michaela Feldmann-Kirschner

Fotos: So schön war es beim Leonhardi-Ritt in Unterammergau

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