Letzte Chance für Wiederholungstäter

Mittenwald - Acht Vorstrafen stehen bereits auf seinem Konto: Nun musste sich ein Wiederholungstäter wegen eines weiteren bizarren Delikts vor Gericht verantworten.

Zweimal war der junge Mann in den vergangenen zwölf Monaten bereits verurteilt worden - einmal wegen der Schändung des Mittenwalder Mahnmals im Schulhof, das andere Mal weil er mit ein paar Spezl einige Sachbeschädigungen verübt und beim Empfang für Magdalena Neuner in Wallgau den Arm zum „Hitlergruß“ gereckt hatte.

Nun stand der 23-Jährige, der inzwischen von Mittenwald nach Landshut gezogen ist, wieder in Garmisch-Partenkirchen vor dem Amtsrichter. Aus Verzweiflung darüber, dass ihn seine Freundin verlassen hatte, hatte er sich die Pulsadern aufgeschnitten, dann aus Wut mit dem Fuß die Windschutzscheibe am Pkw seines Rivalen zertrümmert und schließlich den blutenden Arm am Autositz abgewischt. Das kostet ihn nunmehr eine viermonatige Bewährungsstrafe sowie 80 Stunden soziale Dienste.

Dieser bizarre Vorfall hat sich heuer an einem Maiabend am Lautersee-Parkplatz ereignet. Wegen des Schadens von 605 Euro, den er bis heute nur teilweise geregelt hat, saß der ehemalige Mittenwalder nun auf der Anklagebank. „Ich kam anschließend in die Psychiatrie, wo ich dann sechs Wochen lang behandelt werden musste“, rechtfertigte er sich. Mittlerweile habe er eine neue Lebensgefährtin gefunden, die von ihm ein Kind erwartet. Mehr noch: „Wir wollen heiraten.“

Die Lautersee-Episode vor über vier Monaten soll durch einen Streit mit seiner Ex-Geliebten ausgelöst worden sein. Jedenfalls kaufte sich der Mann in einer Apotheke zwei Skalpelle und schnitt sich dann die Unterarme auf. „Denn immer, wenn ich Frust und Ärger habe, tue ich zuerst mir weh, bevor ich jemand anderem weh tue.“ Die Experten in der Psychiatrie bescheinigen ihm, dass er unter einer „mittelschweren depressiven Episode vom Borderline-Typ“ leide.

Richter Stefan Lindig wies darauf hin, dass die psychische Störung des Angeklagten nicht als Schuldunfähigkeit anzusehen sei, ehe er auf die acht Vorstrafen einging, davon die letzten fünf Verurteilungen durchs Amtsgericht Garmisch-Partenkirchen wegen Beleidigung, Diebstählen, Sachbeschädigung und nicht zuletzt wegen des Zeigens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen.

Staatsanwältin Anne Brunner beantragte unter anderem wegen des extrem hohen Rückfall-Tempos des Angeklagten eine erneute Bewährungsstrafe von vier Monaten. Ein Vorschlag, mit dem Verteidiger Peter Rademacher offenbar gut leben konnte. Er bat den Richter um eine letzte Chance für seinen Mandanten. Richter Lindig bezeichnete die Frage, ob Bewährung oder nicht, dann zwar als „grenzwertig“, erkannte im Urteil aber doch auf die mildere Ahndung. Der Angeklagte gehe immerhin mittlerweile einer geregelten Arbeit nach und habe auch sein soziales Umfeld durch die Gründung einer Familie verbessert.

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