Pfarrer Rudolf Ettenhuber starb im Alter von 79 Jahren in Zweikirchen. foto: fkn

Der letzte Dorfpfarrer

Altenau/Burgrain - Pfarrer Rudolf Ettenhuber war 16 Jahre in Altenau als Kurator tätig, 18 Jahre lang kümmerte er sich als Ortsgeistlicher um die Menschen in Burgrain. Jetzt ist Ettenhuber im Alter von 79 Jahren gestorben.

Die Tür seines Pfarrhofs stand immer offen. Für Jedermann. Herzlich, gerade raus und beliebt - so war er. Jetzt ist Rudolf Ettenhuber im Alter von 79 Jahren in seinem Altersruhesitz in Zweikirchen bei Landshut gestorben. Sichtbare Spuren hinterließ der Seelsorger während seines Wirkens im Landkreis. 16 Jahre, von 1962 bis 1978, war er als Kurat von St. Antonius in Altenau tätig und anschließend weitere 18 Jahre als Ortsgeistlicher in Burgrain.

„Er war der letzte Dorfpfarrer von Burgrain“, sagt Alois Schwarzmüller, der mit Ettenhuber sechs Jahre in der Kirchenverwaltung zusammengearbeitet hat. An der dortigen Schule gab er Religionsunterricht und kannte jedes Kind beim Namen. Gleiches gilt auch für Altenau. Im Zeichen des Priestermangels ging dort im Jahr 1978 mit der Gründung des Pfarrverbandes Bad Kohlgrub die Zeit eines eigenen Seelsorgers im Ort zu Ende, der Pfarrer wechselte nach Burgrain.

Geboren wurde Ettenhuber am 18. September 1932 in München. 1959 empfing er in Freising das Sakrament der Priesterweihe. Nach jeweils einem Jahr Tätigkeit als Kaplan in Neumarkt St. Veit sowie in Wolfratshausen trat er seinen Dienst in der damals noch selbständigen Kirchengemeinde in Altenau an. Zusätzlich übernahm er die seelsorgerische Betreuung der benachbarten Gemeinde von St. Franziskus in Saulgrub, einer Filialkirche der Pfarrei Bad Kohlgrub.

Dort lag Pfarrer Ettenhuber die Arbeit mit der Jugend, über seinen Religionsunterricht an der Grundschule hinaus, besonders am Herzen. Auch fand er stets den Mut, sowohl zu gesellschaftspolitischen Themen Stellung zu beziehen als auch über Themen der Dorfpolitik engagiert zu diskutieren. Diesen Weg setzte er ein Burgrain fort. „Er hat mal zu einem Treffen eingeladen, als es um die Ortsumfahrung Garmisch ging“, erinnert sich Schwarzmüller. Die geplante Trasse sollte nämlich direkt durch Burgain führen.

Pfarrer Ettenhuber war auch Bauherr. In Burgrain hat er den Pfarrraum vergrößern lassen und die katholische Bücherei eingerichtet. In Altenau erfuhr das Gotteshaus unter seiner Leitung eine gründliche Innenrenovierung. Der Traum von einem eigenen Pfarrheim sollte sich dort jedoch nicht erfüllen.

In Burgrain hat er dafür zudem künstlerische Spuren hinterlassen. „Der Bildstock am Eingang zur Kirche stammt von ihm“, sagt Schwarzmüller. Den heutigen Kreuzweg setzte er gegen den Willen des Pfarrgemeinderates durch. Dessen Mitglieder wollten eine traditionelle Version aus Oberammergau, Ettenhuber bevorzugte die moderne Variante des Grainauer Künstlers Karl Buchwieser.

Auch wenn Ettenhuber als strenger Theologe galt und „sich in kirchlichen Dingen nichts dreinreden ließ“, war er „überall gut gelitten“, erzählt Schwarzmüller. Er habe immer den Weg zu den Leuten gefunden, sei es über das Wirtshaus oder die Ortsvereine. Und: „Er war eine Seele von Mensch.“

Am Freitag findet um 8.30 UIhr in der Kirche St. Antonius in Altenau ein Gedenkgottesdienst für Pfarrer Rudolf Ettenhuber statt. Diesen zelebriert Pfarrer Rudolf Scherer.

Julia Pawlovsky

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