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Leuchtendes Signal gegen braune Umtriebe

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Lichter in der Nacht: Beteiligte des Protests „gegen Nazis“, der am Samstag in der Murnauer Fußgängerzone stattfindet. Aus den Kerzen formen sie dann noch den Schriftzug „Nazis raus!“, der im Dunkeln leuchtet. Fotos: nau (1)/fkn (1)
Lichter in der Nacht: Beteiligte des Protests „gegen Nazis“, der am Samstag in der Murnauer Fußgängerzone stattfindet. Aus den Kerzen formen sie dann noch den Schriftzug „Nazis raus!“, der im Dunkeln leuchtet. Fotos: nau (1)/fkn (1)

Murnau - Etwa 50 Aktive des „Werdenfelser Bündnis gegen Rechtsextremismus“ haben am Samstag in Murnau ein Zeichen gesetzt. Anlass war eine NPD-Veranstaltung. Die Polizei nahm einen rechtsextremistischen Liedermacher vorübergehend fest.

Es blieb friedlich in Murnau, die Polizei ging mit einem größeren Aufgebot auf Nummer Sicher: Den ganzen Samstag über nahmen Beamte aus Murnau, Garmisch-Partenkirchen, der Operativen Ergänzungsdienste und der Bereitschafspolizei München Kontrollen an den Einfallstraßen und am Bahnhof vor. Und sie wurden fündig: Einen 33-jährigen Liedermacher aus Baden-Württemberg, der bei einer braunen Veranstaltung im Haus des NPD-Kreisvorsitzenden Matthias Polt auftreten wollte, zog die Polizei kurzzeitig aus dem Verkehr. Nach Angaben von Joachim Loy, Chef der Inspektion Murnau, wurden in dessen Auto Liedtexte mit volksverhetzendem Inhalt sowie „rechtsextremistische Devotionalien“ gefunden - Pins und Aufnäher, die der 33-Jährige verkaufen wollte. Das Material wurde sichergestellt, der Mann im Laufe des Abends wieder entlassen.

Die Beamten zeigten aber auch Präsenz, „um Auseinandersetzungen zu verhindern“, betont Loy. Parallel zur NPD-Veranstaltung setzten in der Fußgängerzone Aktive des Werdenfelser Bündnisses Zeichen gegen die braune Zusammenkunft. Ursprünglich, sagt Bündnis-Sprecher Manfred Neupfleger, habe seine Organisation nicht geplant, immer zu einer Protestveranstaltung aufzurufen, wenn NPD-Funktionär Polt zu einem Sonderverkauf inklusive Redner- und Liederabend aufruft. „Wir wollten ihn nicht aufwerten mit einer großen Demonstration.“ Aber wenn Polt den stellvertretenden NPD-Bundesvorsitzenden Udo Pastörs als Redner in seinem Haus am Burggraben habe, „dann ist so ein Punkt erreicht, an dem es einfach genug ist“. An dem rechten Treffen nahmen nach Erkenntnissen der Polizei „rund 40 Personen“ teil - unter anderem aus Österreich, der Schweiz, dem Bodenseegebiet und dem Schwarzwald. Aus Murnau oder der näheren Umgebung habe man niemanden angetroffen, so Loy.

Neupfleger und rund 50 weitere Aktive des Bündnisses stellten sich derweil entlang der gesamten Fußgängerzone auf und entrollten vor der Mariensäule ein Protestplakat. Mit Handzetteln und einem Fragebogen sprachen sie Passanten an und konfrontierten sie mit unangenehmen Fragen, die zum Nachdenken anregen sollten: „Wissen Sie, dass Polts Geschäft ein NPD-Stützpunkt ist?“ Und wenn ja: „Was halten Sie davon?“ Aufklären, informieren, sensibilisieren und zum Protest animieren: Das war das Ziel der knapp dreistündigen Aktion, die Neupfleger nicht als Kundgebung verstanden wissen will. „Wir wollen damit die Bürger erreichen.“

„So ein Mist soll an die Jugend gar nicht weitergegeben werden. Das hat hier nichts zu suchen“, fand etwa der 17-jährige Andreas. Er und sein Freund Benedikt waren extra aus Weilheim nach Murnau gekommen - weil sie gegen „Rechtsextremismus und jede Art von Faschismus“ sind. Deshalb stand auch Dorothea Monthofer in der Kälte, steckte Bürgern als Zeichen gegen braune Gesinnung weiße Blumen ans Revers und sprach mit ihnen über das Treiben der rechten Szene in Murnau: „So eine Aktion wie heute ist furchtbar nötig. Viele Menschen sind ja so schrecklich naiv.“ Die 76-Jährige hat die Schreckensherrschaft der Nazis noch selbst erlebt und „sehr große Angst“, dass so etwas wie das Dritte Reich wieder passieren könnte. „Sicher ist unsere Demokratie nicht.“

Auch Neupfleger findet, dass Protest gegen Rechts notwendig ist, „und zwar stärker denn je“. Erfolge könne sein Bündnis in den sieben Jahren seines Bestehens in jedem Fall vorweisen. „Sein Ziel, in der Öffentlichkeit politisch aktiv zu werden, hat Herr Polt in all den Jahren nicht erreicht“, erklärte Neupfleger. „Gegenwehr ist da in Murnau. Aber wir müssen aufpassen, dass es so bleibt.“

Schließlich zündeten die Beteiligten Kerzen an, bildeten aus ihnen den im Dunkeln leuchtenden Schriftzug „Nazis raus!“. Am Ende der Veranstaltung war Neupfleger sehr zufrieden. „Über 300 Menschen waren mit uns im Gespräch. Der Tag ist für uns sehr erfolgreich gelaufen.“ Er kündigte bereits an: „Wir werden hier weiterhin Aktionen machen.“

Franziska Nau/Silke Jandretzki

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