Diese große Bühne muss auch für die Nicht-Slackliner erhalten bleiben. Markus Wild fürchtet um den alten Eichenbestand im Seidlpark. Foto: sperer

"Liebe Slackliner, passt auf die Bäume auf"

Murnau - Zwar ist bisher nur an einem Baum im Kemmelpark ein deutlicher Schaden zu sehen, trotzdem appelliert der Markt Murnau vorbeugend an alle Slackline-Fans: „Passt auf die Bäume auf und verwendet einen geeigneten Schutz für die Stämme.“ Die Trend-Sportart kann an diesen zu irreparablen Schäden führen.

Sie wollen den Sport auf keinen Fall madig machen, betonen Fritz Egold vom Bauamt Murnau und der Baumschutzexperte der Marktgemeinde, Markus Wild, im Vorab. Aber Aufklärung hat durchaus Sinn, wie sich in einem Fall vor einer Woche im Murnauer Seidlpark gezeigt hat. „Wir haben dort an einer der historischen Baumgruppen einen Mann angetroffen, der seine Slackline ohne Schutz für die Stämme zwischen zwei uralten Eichen aufgespannt hatte“, erzählen Wild und Egold. An über 100 Jahre alten Eichen wohlgemerkt, Originalstämmen, von Seidl noch eigenhändig gepflanzt. „Zunächst war er uneinsichtig, aber als wir ihm erklärten, was das Gurtband mit den Bäumen anrichten kann, zeigte er Verständnis.“

Die Schäden können enorm sein: „Die Slackline erzeugt einen Wahnsinns-Druck auf die Rinde und schlimmer, auf das darunterliegende Kambium“, erklärt Wild. „In dieser Schicht findet der Saftfluss des Baumes statt, vor allem im Frühjahr. Wenn diese Schicht verletzt wird, führt das später zu Schäden am ganzen Baum, vor allem aber in der Krone.“

Auch in Murnau finde diese Trend-Sportart immer mehr Freunde, wissen die beiden. Die Sportler konzentrierten sich in erster Linie aber auf den Seidlpark, auf den Kemmelpark und auf die Murnauer Bucht. „Aber all diese Bäume sind ja auch Allgemeingut für andere“, erklärt Egold. Also haben auch diese Nicht-Sportler ein Recht auf deren Erhalt. Vor allem im Seidlpark könnten mögliche Schäden verheerende Folgen haben. „Das sind teils noch Originalbäume, bis zu 150 Jahre alte Eichen, die mit einem enormen Aufwand erhalten werden“, sagt Wild. Falls man den Wert dieser historischen Ensembles dort überhaupt ersetzen kann, dann nur für teures Geld. „Da sind wir gleich mal bei 6000 bis 8000 Euro pro Stamm in einer annähernden Größenordnung“, meint Egold.

„Der in den Slackline-Packungen mit angebotene Schutz ist nicht ausreichend und sowieso nur für den Abrieb der Rinde vorgesehen“, sagt Wild, der übrigens selber gern auf einer Slackline balanciert, dafür aber zwei Pfosten im Garten installiert hat. „Dabei geht es vielmehr um den Druck, der durch die Bewegungen und das Springen der Sportler auf dem Gurtband auf die Rinden der Bäume erzeugt wird. Da sind wir gleichmal bei 3,5 Tonnen und mehr Druckbelastung.“ Auch stärkere Matten würden in Bezug auf diesen Druck nichts bringen. Einen geeigneten Schutz habe die Sporthochschule Köln entwickelt, in Form von Holzleisten, die um die Stämme gewickelt werden könnten. „Leider sind diese noch nicht auf dem Markt.“ Am Besten sei es ohnehin, Pfosten aufzustellen. „Am Erlhaus wurden jetzt Eisenpfosten eigens für diesen Zweck aufgebaut, um die Bäume zu schonen“, sagt Wild. Dort sei nämlich der erste Slackline-Baumpatient der Marktgemeinde zu finden. „An diesem Baum kann man jetzt schon deutliche Kronenschäden feststellen.“

Das Thema ist nicht neu: In anderen Städten wie München hat man bereits anderweitig durchgegriffen, Slacklinen beispielweise im Englischen Garten verboten und per Verordnung nur mehr in bestimmten Bereichen zugelassen. Aber von dementsprechenden Park- oder Baumverordnungen für Murnau halten Wild und Egold wenig. „Es muss ja nicht gleich alles auf diesem Wege geregelt werden“. Jetzt hoffen sie erst einmal auf die Vernunft der eigentlich ja selbst naturverbundenen Sportler. (sp)

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