Sind immer wieder von Überschwemmungen betroffen: die Anwesen des Murnauer Weilers Loisachauen. Foto: Herpen

Loisachauen: Absiedlung als letzte Lösung

Murnau - Die Diskussion um die Absiedlung einer Loisachauen-Bewohnerin kommt langsam voran. Nun soll ein zweites Wertgutachten für ihr Anwesen erstellt werden.

Der Petitionsausschuss des Landtags beschäftigt sich dann eventuell im Februar erneut mit der Sache.

Die Loisach ist heuer im Bereich des Murnauer Weilers wieder mehrfach bedrohlich angeschwollen. Das Gebiet war in der Vergangenheit auch immer wieder von Überschwemmungen betroffen. 1999 und 2005 wurde das Haus einer Bewohnerin überflutet, was beträchtliche Schäden zur Folge hatte. Die Frau kämpft seit Jahren für einen Hochwasserschutz, bislang aber ohne Erfolg. Eine Klage wurde abgelehnt. Als letzten Strohhalm sieht die Bewohnerin, die sich zur Sache nicht äußern will, ihre Eingabe im bayerischen Landtag.

Im dortigen Petitionsausschuss wurde der Fall vor ein paar Wochen erneut behandelt. Man kam dabei laut dem stellvertretenden Landtags-Pressesprecher Michael Schmitt zur Auffassung, dass das Bayerische Umweltministerium „noch einmal ergänzend berichten soll“. Es sei „um einige Klärungen gebeten“ worden. Solange sei eine Entscheidung zurückgestellt worden, sagt Schmitt. „Der Bericht wird im Januar erwartet, so dass die Eingabe wohl im Februar erneut auf die Tagesordnung gesetzt werden kann.“

Ein Hochwasserschutz lässt sich in dem Weiler auf die Schnelle nicht realisieren. Andere bayerische Projekte hätten Priorität, ließ das Wasserwirtschaftsamt Weilheim (WWA) in der Vergangenheit verlauten. Der Oberammergauer Landtagsabgeordnete Florian Streibl (Freie Wähler) ist als Berichterstatter für die genannte Petition immer wieder mit den Loisachauen befasst. „Hier muss was passieren“, sei die einhellige Meinung im Ausschuss gewesen. Das Gremium beschloss jedenfalls auf Wunsch der Petentin, ein zweites Wertgutachten für ihr Anwesen erstellen zu lassen. Das Umweltministerium hatte heuer eine Absiedlung ins Spiel gebracht. Der Freistaat soll dabei einen bestimmten Teil des Verkehrswerts zahlen. Zudem steht eine finanzielle Beteiligung des Markts Murnau zur Debatte. Angeblich lehnt dieser jedoch ein zweites Gutachten ab. Das Ministerium sei beauftragt worden, „den Markt ins Boot zu holen“, sagt Streibl. „So ein Gutachten ist relativ schnell zu erstellen. Das sollte nicht das Problem sein.“ Der Oberammergauer schätzt, dass es auf eine Absiedlung hinauslaufen werde.

Was das Finanzielle betrifft, gehe der Freistaat in diesem Fall an die maximale Grenze, teilt die CSU-Landtagsabgeordnete und zweite Berichterstatterin Kerstin Schreyer-Stäblein mit. „In der Regel legt die Gemeinde was dazu.“ Die Loisachauen sind offensichtlich kein Einzelfall. „Das Umweltministerium hat uns viele Beispiele genannt, die vergleichbar sind“, sagt Schreyer-Stäblein.

Nach Einschätzung von WWA-Vizechef Johannes Riedl wird beim zweiten Wertgutachten „nichts wesentlich anderes herauskommen“ als bei der ersten Expertise.

Die Petentin hatte laut Schreyer-Stäblein „seitenweise Bedenken“ gegen das erste Wertgutachten angemeldet. Wenn diese Angelegenheit abgeschlossen sei, werde man auch den anderen Bewohnern der Loisachauen ein Angebot machen, sagt Johannes Riedl vom Wasserwirtschaftsamt. Und weiter: „Wenn sie es nicht wahrnehmen, kann man eine Grunddienstbarkeit für eine spätere Absiedlung eintragen.“ (roy)

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