Ludwigsfeuer auf den Bergen rund um Oberammergau

Oberammergau - Eine ganz besondere Beziehung hatte König Ludwig II. zu Oberammergau: Dem Dorf stiftete der Monarch einst eine monumentale Kreuzigungsgruppe.

Es galt als das weltweit größte gemeißelte Steindenkmal der damaligen Zeit - zwölf Meter hoch und 58 Tonnen schwer. Bis dieser Koloss aus Marmor, mühsam von Pferdefuhrwerken über den Ettaler Berg hochgekarrt, seinen Bestimmungsort am Osterbichl erreicht hatte, waren zwei Helfer auf tragische Weise ums Leben gekommen. Seit 1875 thront nun die monumentale Kreuzigungsgruppe über Oberammergau - als Zeichen enger Verbundenheit von König Ludwig II. zu diesem Ort. Mit dem überdimensionalen Geschenk würdigte der Monarch die Leistungen der „kunstsinnigen und den Sitten der Väter treuen Oberammergauern“ beim Passionsspiel.

Voller Stolz und Freude über solche Wertschätzung bewahren die Bürger bis heute das Andenken an ihren König, und erinnern jedes Jahr am Vorabend seines Geburtstages, dem 24. August, mit dem „Ludwigsfeuer“ an den Märchenkönig. Erstmals 1888, zwei Jahre nach dem Tod Ludwigs II., entzündeten königstreue Ammergauer auf dem Kofelflecken ein Bergfeuer; 1946 kam die Gipfelkrone hinzu.

Die vielen Spuren, die Seine Majestät in Oberammergau hinterlassen hat, sind derzeit auch in einer Ausstellung im Museum nachgezeichnet. Überliefert ist da zum Beispiel jene Episode zwei Tage nach dem 25. September 1871, als der scheue König sich eine Sondervorstellung der Passionsspiele ansah. Davon offenbar so begeistert, gewährte er den zehn Hauptdarstellern eine Privataudienz im nahen Schloss Linderhof. Jeder erhielt zum Dank einen silbernen Löffel, nur eben Judas nicht: Als Zeichen tiefer Verachtung für den Verrat Jesu musste der mit einem Löffel aus Blech vorliebnehmen . . .

Die Bande des Gedenkens und der Ehrerbietung rissen nie ab, das Ludwigsfeuer ist am Mittwoch ein weitum sichtbares Zeichen dafür. Bei Einbruch der Dunkelheit, so gegen 21 Uhr, werden die Feuer auf den Bergen entzündet, auch Kreuz und Krone auf dem Kofel. Nach dem Abbrennen der Holzstöße ziehen die Feuermacher mit der Blasmusik etwa eine Stunde vor Mitternacht wieder hinunter in das Dorf. Der Zug führt von der Ettaler Straße bis zum Gasthof „Rose“ - dort warten schon viele Familienangehörige und Freunde. Gemeinsam kehrt man dann „beim Sodla“ ein.

Die Rathausverwaltung möchte noch darauf hinweisen, dass mit Ausnahme der genehmigten Feuer auf den umliegenden Bergen das Abbrennen privater Feuer verboten ist. Zudem wird die Bevölkerung gebeten, während der musikalischen Einlagen der Blasmusik im Kofelflecken keine Feuerwerkskörper abzuschießen. Ebenso bitten die Feuermacher die Organisatoren anderer Veranstaltungen, in dieser Zeit auf eigene Musikdarbietungen zu verzichten. Nichts soll diese feierlichen und erhabenden Momente stören - denn es ist alles zur Ehre des Königs.

Ludwig Hutter

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