In bester Stimmung: Eine halbe Stunde vor Mitternacht zogen die Feuermacher mit Fackeln ins Dorf ein. Foto: hutter

Das Ludwigsfeuer - ein Brauch, der Jung und Alt zusammenbringt

Oberammergau - Rings auf den Gipfeln rund um Oberammergau leuchteten am Mittwochabend wieder die Bergfeuer zu Ehren von König Ludwig II. ins Tal.

Vom Hagelschauer, wie er beispielsweise an diesem Abend über Farchant niederging, blieb man gottlob verschont (was am Berg sicher kein Vergnügen wäre). Und auch passiert ist nichts. So zogen Mittwoch Nacht, angeführt von der Musik, die rund 80 Feuermacher des traditionellen Ludwigsfeuers in Oberammergau zwar durchgeschwitzt und mitunter ein bisserl gezeichnet von der körperlichen Arbeit, doch in bester Laune ins Dorf ein. Und als alle in der Rose versammelt waren, schallte es aus den offenen Fenstern im ersten Stock „A guads nei’s Johr“ - in Anlehnung an den Sterngang am Silvesterabend. Nicht-Ammergauer müssen das ja nicht verstehen . . . ! Bei Bier und Schweinsbraten ließen die Burschen und Männer, die diesen Brauch des Feuermachens zu Ehren von König Ludwig II. weitertragen, „einen Traumtag“ ausklingen.

So beschrieb Manfred Bauer, seit über 20 Jahren der Hauptverantwortliche der 15 „Kronerer“ (entzünden die 14 Meter hohe Königskrone am Gipfel des Kofel), den Verlauf des Ludwigsfeuers 2011. Alles habe gepasst, das Gewitter sei vorbeigezogen und zum Zeitpunkt des Feuers sei es sogar richtig windstill gewesen. Unten im Tal verfolgten wieder Tausende, Einheimische wie Gäste, diese Zeremonie. Den Autonummern nach kamen die Besucher bis von München, Fürstenfeldbruck, Landsberg und Augsburg, um das Ludwigsfeuer live zu sehen.

Auf das gute Gelingen anzustoßen (nicht dieses zu begießen), erlaubten sich alle Beteiligten. Dabei hatten die „Kronerer“ eine kurze Nacht: Bereits um 7 Uhr früh gestern trafen sie sich wieder, um neuerlich den Kofel in Angriff zu nehmen. Manfred Bauer: „Wir räumen immer am nächsten Tag in aller Früh gscheid auf, weil der Kofel ein vielbegangener Berg von Wanderern ist, und es kein gutes Bild machen würde, wenn das ganze verkohlte Holz noch rumliegt.“ Auf seine Truppe kann sich der „Chef“, der sich nicht als solcher sieht, „voll verlassen“. Die Leute seien zuverlässig, und jeder wisse, was zu tun ist. Man ist eingespielt. Und doch verlange der Aufenthalt am Gipfel, ob am Tag oder in der Nacht, absolute Konzentration; zu schnell sei etwas passiert.

Über zu wenig Nachwuchs brauchen die Feuermacher übrigens nicht zu klagen. „Bei uns sind etliche Junge dabei“, versichert Bauer. Das sei überhaupt eine wirklich schöne Sache beim Ludwigsfeuer, dass Alt und Jung gemeinsam beinand sitzen und miteinander ratschen. Quasi ein Generationen-übergreifender Brauch. Wie beim Passion. Und nicht nur alle zehn Jahre.

Ludwig Hutter

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