Etwa 50 Wallgauer lauschen den Worten von Wolfgang Gröll. Fotos: Martin

Magnetbetrieb im Wallgauer Ortskern

Wallgau - Die Krüner nach Wallgau locken: Das ist das Ziel von Unternehmensberater Wolfgang Gröll bei der Dorferneuerung.

Wolfgang Gröll, 47, hat ganz schön gestaunt, als er Wallgau besuchte. Vor allem die Geschäftszeiten mancher Läden überraschten ihn. Allerdings nicht positiv. „Es ist schon spannend, was man hier vorfindet. Die Öffnungszeiten sind sehr stark eingegrenzt“, findet der Experte der Firma Newway Handelsberatung. Gerade beim Bäcker oder dem Metzger zu sehr. Deshalb stellt Gröll am Mittwochabend bei einer Informationsveranstaltung im Haus des Gastes klar: „Da wird ein Umdenken stattfinden müssen.“ Immerhin solle der Ort belebt werden.

Das ist eines der Ziele der Dorferneuerung, die nach einjähriger, intensiver Vorbereitung starten kann. Für die Entwicklung des Einzelhandels im Ortskern brachte Gröll Ansätze mit, die er den 50 Zuhörern schmackhaft machte. Die wichtigste Frage für ihn: „Wie können wir uns so positionieren, dass es auch für Krüner interessant wird, nach Wallgau zu kommen?“ Denn die Dörfer seien durch ihre Lage für Geschäftstreibende als eine „Einheit“ zu betrachten. Damit ist klar: Große Handelsketten helfen Wallgau nicht, die hat Krün. „Man bringt die Leute über Qualität herüber, nicht über das fünfte gleiche Produkt.“ Es brauche mindestens einen Magnetbetrieb im Ortskern.

Gröll schweben sogar zwei Läden vor, die dem Dorfplatz gut tun würden: etwa ein Drogeriegeschäft. „Diesen Bereich gibt es in beiden Orten praktisch nicht mehr. Dabei haben die Waren Charme.“ Und sie gehören zum täglichen Bedarf, sprechen also viele Kunden an. Gröll schätzt, dass es für ein solches Geschäft eine Fläche von etwa 200 Quadratmetern brauche.

Seine zweite Idee ist ein Regionalmarkt, in dem Produkte aus der Umgebung angeboten werden. Dabei zieht Gröll bei der Auswahl der Waren keine strenge Grenze um das Obere Isartal. „Man kann auch Sachen aus Tirol aufgreifen.“ Oder Käse aus dem Allgäu anbieten. „Es ist auch möglich, dass eine Hausfrau in der Halle ihre Marmelade verkauft.“

Wie auch immer: Gröll will’s jedenfalls bürgernah. Es muss kein Externer nach Wallgau kommen und ein Geschäft eröffnen - das könnten die Bürger auch allein schaffen, indem sie „eine Gesellschaft gründen“. Wenn jedes Mitglied einen Beitrag zuschießt, könnte das benötigte Startkapital zusammenkommen. Gemeinsam würden ein Marktleiter eingesetzt und Angestellte gesucht - los geht’s.

Sofern dafür Flächen zur Verfügung stehen. Da macht sich Bürgermeister Hansjörg Zahler, der Gröll als „Papst des Dorflebens“ betitelte, keine Sorgen. „Wir haben mehrere Möglichkeiten am Dorfplatz.“ Nun müsse überlegt werden, ob die Gemeinde ein Gebäude erwirbt oder eines umbaut. Die Ideen Grölls überzeugen Zahler. „Die Schlüsselprobleme können wir jetzt anpacken.“ kma

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