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Der Sieger in seiner innigsten Minute: Thomas Dreßen bei der Nationalhymne.

Marcus Höfl macht klar: Vermarktung ist „nicht jedermanns Sache

Manager-Profi sieht Thomas Dreßen noch ganz am Anfang

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Mit Maria Hölf-Riesch ist er verheiratet. Doch nicht nur deshalb kennt Marcus Höfl die Skiwelt. Und vor allem die Welt der Vermarktung. Darin ist er Profi. Auch über einen Streif-Sieger Thomas Dreßen hat er sich ein Bild gemacht.

Kitzbühel – Marcus Höfl hat alles live erlebt: Erst den Sensationsritt auf der Streif, dann den euphorischen Hahnenkamm-Sieger Thomas Dreßen. „Ich kann mich nicht erinnern, in 20 Jahren Kitzbühel spontan so 

Marcus Höfl managt unter anderem Franz Beckenbauer.

gejubelt zu haben“, sagt der Management-Profi. „Dieser Erfolg tut nicht nur dem deutschen, sondern dem weltweiten Skisport gut, da Deutschland nun einmal ein sehr wichtiger Markt ist.“ Höfl hatte es nicht weit zur Streif. Zum einen lebt er mit seiner Frau Maria Höfl-Riesch im Tiroler Nobelskiort, zum anderen hat auch sein Unternehmen MHM, Marcus Höfl Management, seinen Sitz in Kitzbühel, nur wenige hundert Meter entfernt vom Zielstadion am Fuße des Hahnenkamms. Höfl zählt Größen wie Franz Beckenbauer, seine Frau, den Biathleten Simon Schempp oder die französische Rallye-Ikone Sébastien Ogiers zu seinen Kunden.

Ob Thomas Dreßen einer für ihn wäre, rein fiktiv gedacht? „Von seiner Art bringt er viel mit, er ist jung, unbedarft, sehr positiv“, charakterisiert Höfl den Mittenwalder aus seiner Perspektive. Aber: „Ich habe mit Maria im Skisport so viel erlebt, meine Alpin-Athleten Zeit ist wahrscheinlich vorbei.“

Vermarktung ist schließlich sein Metier

Doch natürlich verfolgt er die Szene. Vermarktung ist schließlich sein Metier. Und gerade aus der aktiven Zeit seiner Frau kennt er die Größen des Skizirkus’. Dass der Kitzbühel-Erfolg den Marktwert von Dreßen gesteigert hat, steht für ihn außer Frage. „Wenn er das nächste Mal mit Sölden verhandelt, hat er sicher eine gute Position.“ Allerdings sieht der den 24-Jährigen aus Manager-Sicht auch erst ganz am Anfang. „Er war jetzt ein paar Mal in den Medien, aber so richtig kennt man ihn noch nicht, was ihn als Persönlichkeit ausmacht und womit er sich neben dem Sport beschäftigt.“ In den Sozialen Medien wie Facebook oder Instagram hat sich die Zahl seiner „Follower“, also seiner Fans, zwar nach dem Streif-Triumph von wenigen Tausend auf mittlerweile fast 17 000 erhöht, aber damit spielt er natürlich immer noch in einer unteren Liga. „Da gibt es Sportler, die schon mit 14 oder 15 Jahren echte Social-Media-Ikonen sind“, sagt Höfl. Außerdem gehe es darum, die Ergebnisse nun weiterhin zu bestätigen. „Mit dem Erfolg wächst der Erwartungsdruck.“ Von allen Seiten.

Wie tief ein Sportler in das Thema Außendarstellung und Vermarktung einsteigen will, liege aber immer an ihm selbst. „Er muss das Ganze auch wollen. Das ist nicht jedermanns Sache.“ Höfl hat einen interessanten Vergleich aus dem Skisport parat: Lindsey Vonn und Mikaela Shiffrin. Vonn sei ein Vollprofi in Sachen Präsenz, Shiffrin, nicht weniger erfolgreich oder attraktiv als ihre US-Kollegin, hingegen ist diesen Dingen weniger affin. „Sie ist eher introvertiert, repräsentiert bisher vor allem ihre Skipartner.“ Felix Neureuther sei offenbar geboren für öffentlichkeitswirksame Auftritte.

Im Skisport „ sind die Möglichkeiten eingeschränkt“

Über den Skisport die große weite Werbewelt zu erreichen, sei generell schwierig. „Im Fußball gibt es keine Grenzen, aber hier sind die Möglichkeiten eingeschränkt“, betont Höfl sehr deutlich. Eine Fernsehpräsenz unabhängig vom Rennsport zu erreichen, das schaffen grundsätzlich nur die wenigsten Sportler.

Die Skifahrer haben es nicht leicht, allein schon, weil der Athlet gerade zwei Werbeflächen hat, über die er selbst bestimmen könne: den Helm und die Marke der Skier. Dreßen hat für den Helm den Deal mit Sölden, bei seinen Latten vertraut er auf den französischen Hersteller Rossignol.

Ob Thomas Dreßen, der in Hansjörg Posch aus Sölden bereits einen Manager hat, ein zweiter Neureuther sein kann oder es überhaupt will, „dazu kenne ich ihn nicht gut genug, kann ihn daher nicht einschätzen“. In jedem Fall sei es wichtig, „dass er den richtigen Menschen vertraut“. Eines steht davon losgelöst für Höfl fest: „Für den ersten Sieg hat er sich den Ort perfekt ausgesucht. Es gibt im Skisport außer Olympia nichts Größeres als Kitzbühel. Das ist das Monte Carlo der Formel I.“

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