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Wirt mit Leib und Seele: Bruno Wallmeier, hier mit Bedienung Susanne Repkova im Biergarten seines Gasthofs Zum Stern.

Landkreis als Tourismusregion besonders schwer betroffen

Mangelware Personal in der Gastronomie

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Seehausen – Der Landkreis Garmisch-Partenkirchen lebt ganz gut vom Tourismus. Doch der Hotel- und Gastrobranche macht ein Problem zu schaffen: Es wird offenbar immer schwieriger, Personal zu finden. Ein Betroffener ist der Seehauser Wirt Bruno Wallmeier.

Weil der Wirt des bayerischen Traditionsgasthofs Zum Stern keine zusätzlichen Kräfte für den Service fand, sah er sich im Juli zu einem ungewöhnlichen Schritt gezwungen: Der 63-Jährige sperrte an einem Mittwoch seinen Betrieb zu, nur um der Stammbelegschaft einen freien Tag zu ermöglichen – eine einmalige Notsituation, wie er betont. Denn kein Wirt verzichtet normalerweise freiwillig mitten in der Hauptsaison, wenn die Biergärten gut besucht sind, auf die Einnahmen. Aber Wallmeier wusste sich nicht anders zu helfen. Er hatte alles versucht, Anzeigen aufgegeben, mit Interessenten gesprochen. Doch es war niemand Geeignetes dabei. Denn eine gewisse Qualifikation wie Umgangsformen muss man schon mitbringen.

Kein Einzelfall. „Das Problem betrifft die ganze Gastronomie“, sagt der erfahrene Geschäftsführer, der den Stern seit mittlerweile 20 Jahren betreibt. Kaum jemand wolle mehr als Bedienung beziehungsweise Kellner arbeiten. Verdient man zu wenig? „Nein“, sagt Wallmeier, „das ist ein Ammenmärchen. Am Gehalt liegt es nicht.“ Dies sei gut. Seinen Angaben zufolge kommen in der Hochsaison inklusive Trinkgeld schon mal 3000 bis 4000 Euro netto im Monat zusammen. Der Unternehmer hat eine andere Erklärung für die Zurückhaltung: „Das liegt an den Arbeitszeiten. Wir müssen arbeiten, wenn andere frei haben.“ Das heißt: auch abends und an den Wochenenden. Wallmeier hat mittlerweile sein Personalproblem – insgesamt zählt der Betrieb 44 Mitarbeiter – auf eine andere Weise gelöst: Im Service helfen jetzt angelernte Schüler und Studenten mit, die sich etwas dazuverdienen wollen. Ein Rezept, wie das ganze Dilemma gelöst werden kann, hat er nicht. Nur soviel: „Man sollte mit der Schimpferei auf die Gastronomie aufhören“, meint Wallmeier.

Ein Blick in die Statistik belegt den akuten Fachkräftemangel hier im Landkreis: Aktuell sind im Hotel- und Gaststättengewerbe 189 offene Stellen bei der Agentur für Arbeit in Weilheim gemeldet – sowie 48 Ausbildungsplätze, die eigentlich noch heuer besetzt werden sollten. Und für 2017 sind bereits 22 offene Lehrstellen gemeldet.

Eine Patentlösung hat auch Jutta Griess nicht. Die Chefin des Rheinischen Hofs in Garmisch-Partenkirchen ist Kreisvorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbandes. Ihrer Erfahrung nach betrifft der Personal-Notstand vor allem die Bereiche Küche, Service und Rezeption. Griess sieht wie Wallmeier in den mitunter unattraktiven Arbeitszeiten eine Hemmschwelle. Viele Fachkräfte arbeiteten lieber in einer Kantine oder in einer Großküche einer Klinik oder eines Pflegeheims. Der Grund liegt auf der Hand: Dort beginnt häufig nach dem Abendessen der Feierabend. In einem À-la-carte-Restaurant ist dann noch lange nicht Schluss. Griess ist sich sicher: „Wenn sich das Problem zuspitzt, gibt es weitere Reduzierungen.“ Das fängt ihrer Meinung nach bei abgespeckten Angeboten in den betroffenen Lokalen an und hört im schlimmsten Fall bei Betriebsschließungen auf. Vermutlich werde man künftig verstärkt auf Mitarbeiter aus dem Ausland setzen, meint sie. Aber für diese müsse man erstmal bezahlbaren Wohnraum schaffen. Keine leichte Aufgabe in einem Landkreis, in dem die Immobilienpreise durch die Decke gehen.

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