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Das Marshall-Center in Garmisch-Partenkirchen.

Was lange währt, ist endlich gut

Marshall-Center: Neuer Vertrag zwischen Deutschland und USA

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Garmisch-Partenkirchen - Das von den USA und Deutschland getragene Marshall-Center hat regelmäßig hochkarätige Diplomaten und Militärs zu Gast, um aktuelle sicherheitspolitische Fragen zu diskutieren. Am 5. Oktober wird zwischen den USA und Deutschland ein Vertrag unterzeichnet, der die Zusammenarbeit neu regelt.

Als im Rahmen des G7-Empfangs im Juni des vergangenen Jahres in Krün Garmisch-Partenkirchens Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) auf US-Präsident Barack Obama getroffen war, gestand ihr das Protokoll nur einen Satz zu. Und den wählte sie mit Bedacht. Während des Händeschüttelns sagte Meierhofer zum mächtigsten Mann der Welt: „Herr Präsident, wir brauchen das Marshall-Center.“ Und sie fragte Bundeskanzlerin Angela Merkel, ob sie den amerikanischen Marshall-Center-Direktor Keith W. Dayton und seinen deutscher Vize Johann Berger dazubitten dürfe. Merkel winkte die beiden Ex-Generäle heran. Dayton und Berger unterhielten sich längere Zeit mit Obama. Meierhofer ist sich sicher: „Dieses Gespräch war mitentscheidend für den Fortbestand des Marshall-Centers.“ An die Szenen erinnert sie sich, als sei es gestern gewesen.

Bis der neue Vertrag zwischen den USA und der Bundesrepublik Deutschland in Sachen Marshall-Center besiegelt werden kann, sind viele Monate ins Land gezogen. Es hat gedauert und gedauert. Mehr als ein Jahr. Im Rahmen des „Tag der Deutschen Einheit“ 2015 hätte eigentlich die Unterzeichnung des neuen deutsch-amerikanischen „Memorandum of Agreement“ im Marshall-Center passieren sollen. Die fiel aus – zunächst einmal. Die Frage nach dem Warum blieb unbeantwortet. Der offizielle Wortlaut für die Verzögerung: „Sobald die ministerielle Prüfung auf beiden Seiten abgeschlossen ist, wird unterschrieben. Alle Beteiligten sind sehr bemüht, das neue Vertragswerk so schnell als möglich zu implementieren“, ließ Pressesprecher Stabsfeldwebel Mark Winkler damals wissen.

Es hakte und knirschte bei den Verhandlungen. Mittlerweile scheinen der Gordische Knoten durchschlagen und alle Probleme gelöst zu sein. Was lange währte, ist endlich gut. „Am 5. Oktober wird der Vertrag im Marshall-Center unterschreiben“, sagt Berger. Der Kontrakt sei zeitlich „nicht limitiert“. Politische Prominenz hat sich angesagt. Berger nennt als Unterzeichner „die stellvertretende Ministerebene“. Sprich Staatssekretäre.

Bislang beträgt der deutsche Anteil am Europäischen Zentrum für Sicherheitsstudien 11,5 Prozent, der Rest befindet sich in Besitz der USA. „In Zukunft werden wir bei rund 25 Prozent liegen“, erklärt Berger. Was auf die deutsche Seite an Mehrkosten zukommt – unbekannt. Berger hüllt sich bei der Frage in Schweigen. Zuletzt soll der Jahresetat bei gut 32 Millionen Euro gelegen haben. Vom Budget könne man sich Berger zufolge gerade mal einen halben Eurofighter leisten. Und die Pflichten und Rechte? Deutschland wird dem Vernehmen nach mehr Mitsprache erhalten. Logisch. Wer tiefer ins Portemonnaie greift, darf auch ein bisschen mehr anschaffen. Was Berger bestätigt: „Der Einfluss des deutschen Anteils nimmt zu.“

Die Verbundenheit der politischen Führung Garmisch-Partenkirchens zum Marshall-Center könnte größer nicht sein. Meierhofer hat kürzlich 107 Männer und Frauen aus 52 Nationen begrüßt, die am wöchigen PASS („Forum für Sicherheits- und Verteidigungspolitik)-Kurs teilnahmen. Und sie wird nicht müde, die wirtschaftliche Bedeutung der Einrichtung zu preisen, die 1993 ihre Arbeit an der Gernackerstraße in der ehemaligen Krafft-von-Dellmensingen-Kaserne aufgenommen hat. „Das Marshall-Center ist wichtig für uns.“

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